Kalenderblatt zum 9. Januar

Kalenderblatt zum 9. Januar 

Carl Canow – ein Wismarer Maler

 

Am 9. Januar 1814 wurde in der Wismarer Bliedenstraße Carl Canow, der wohl bedeutendste Porträtmaler Wismars und auch Mecklenburgs, geboren. Der Wismarer Buchhändler Hermann Rhein nannte ihn in einer Schrift als „einen wesentlichen Meister mecklenburgischer Porträtkunst“. Canows Vater war Flickschuster und die Familie lebte in äußerst ärmlichen Verhältnissen. Carl Canow war das dritte Kind, wobei seine älteren Geschwister, ein Bruder,  unmittelbar nach seiner Geburt und eine Schwester im Alter von zwölf Jahren starben. Im Alter von 14 Jahren beginnt Canow eine Malerlehre in Wismar und beendet 1831 diese bei Malermeister Carlsburg in Neubukow. Früh wird bei Canow das Interesse zur Kunstmalerei wach, deren Realisierung bei den wirtschaftlichen Problemen im Elternhaus schwierig war. Ersten Unterricht bekommt er von dem Wismarer Kunstmaler Carl Düberg und er bemüht sich um Unterstützung durch den Großherzog. Er möchte reisen und sich durch ein Studium fortbilden. Das wird ihm nicht gewährt und so beginnt er in Wismar als Porträtmaler, um die „Haushaltskasse“ aufzubessern. Das erste Bild ist ein Kinderporträt und nicht zuletzt wegen seiner Tüchtigkeit erhält er 1836 ein Stipendium der Stadt Wismar und studiert an der Akademie der Künste in Berlin. 1840 kehrt Carl Canow nach Wismar zurück. Hier hat sich die wirtschaftliche Situation nach „Schweden- und Franzosenzeit“ deutlich gebessert und Canow wird zum gefragtesten Porträtmaler der Stadt. Wohlhabende Kaufleute, Juristen, Gutsbesitzer und auch Handwerker zählen zu seinen Kunden und ab 1842 unterrichtet er an der neu eingerichteten Gewerbeschule und an der Höheren Töchterschule im Zeichnen und Modellieren. Daneben stellt er in Kunstausstellungen, wie unter anderem in Wiesbaden. Leipzig, London, Genf und Tilsit seine Werke aus und erhält hohe Anerkennung. Natürlich wirkt sich das auf seine wirtschaftliche Situation aus. Nach dem Tod seiner Eltern verkauft er das elterliche Anwesen und bezieht in der Bliedenstraße 24 eine Mietwohnung mit Atelier. In Wismar engagiert sich der Junggeselle in zahlreichen Vereinen und setzt sich besonders für den Aufbau eines Museums ein, deren Gründungs- und Vorstandsmitglied er ist. Canow, inzwischen zu Wohlstand gekommen, plant den Aufbau einer Stiftung zugunsten „Junger Künstler“, die jedoch nicht mehr realisiert werden konnte. Seit 1868 sind bei Canow gesundheitlich psychische Probleme bemerkbar, die ihn zeitweilig vom Unterricht in der Gewerbeschule abhielten und er auch zeitweise unter Vormundschaft gestellt werden musste. Wohl unter starken Depressionen leidend, nahm er sich am 30. Oktober 1870 das Leben und erhielt trotz seines Freitodes ein Begräbnis auf dem Wismarer Friedhof. Carl Canow´s Werke, es sind etwa 200 bekannt, besitzen einen hohen künstlerischen Wert und das Wismarer Museum bewahrt seinem Gründungsmitglied durch Nachlass, Werke und Darstellung ein ehrendes Gedenken, das fortlaufend wissenschaftlich bearbeitet wird. Aus dem ehemaligen angedachten Stiftungskapital von Carl Canow wird zum Neubau der Knabenbürgerschule an der alten Klosterkirche der Dominikaner in der Mecklenburger Straße, die nicht unbeträchtliche Summe von153.000 Mark angewiesen. So wurde ein Teil des Vermächtnisses von Carl Canow in seinem Sinne, der Bildung junger Leute, umgesetzt.

Was sonst noch geschah:

  1. Januar 1948 Stadttheater an der Mecklenburger Straße durch elektrischen Kurzschluss ausgebrannt.
    10. Januar 1632 Erstmalige schwedische Besetzung Wismars nach Belagerung.
  2. Januar 1990 Öffentliche Vollversammlung des Neuen Forum in der Wismarer Sporthalle.
  3. Januar 2000 Eröffnung der Jugendherberge Wismar am Schwedenstein (ehemaliges Kinderheim „Gretel Walter“).
  4. Januar 1428 Claus Jesup wird erneut Bürgermeister.
    12. Januar 1873 Rechtsanwalt Peter Düberg gestorben.
  5. Januar 1956 Die ehemalige sowjetische Stadtkommandantur am Turnplatz wurde wieder als Schule eröffnet.
  6. Januar 1885 Richard Wossidlo erhält die Genehmigung zur Lehrerkandidatur an Wismarer Schulen.
  7. Januar 1870 Der Rat beschließt den Abbruch des Poeler Tors und wird ab 15.1. 1870 Maurermeister Lundwaldt bricht das Poeler Tor ab, nachdem er es zuvor von der Stadt für 420 Taler gekauft hatte.

Detlef Schmidt

 

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