Kalenderblatt zum 6. Februar

Kalenderblatt zum 6. Februar

„Fritzings“ langer Besuch

Reuterplatz, Reuterdenkmal, Reuterhaus, Reutereiche, Reuterschule..…Wismar hält das Andenken an Mecklenburgs bekanntesten niederdeutschen Dichter Fritz Reuter hoch, obwohl er nicht in der Hansestadt, sondern in Stavenhagen geboren wurde. Das hat eben mit seinem Verleger Dethloff Carl Hinstorff in Wismar zu tun, der ab 1858 nahezu alle Werke Reuters verlegte. Beide waren sich in freundschaftlicher  Weise verbunden, obschon Reuter gegenüber Hinstorff argwöhnte, dass er wohl mehr Exemplare druckte, als er Honorar bekam und Hinstorff über Honorarforderungen Reuters stöhnte. Fritz Reuter besuchte seinen Verleger in Wismar mehrfach in seinem Haus Am Markt 19, dem heutigen „Reuterhaus“, doch ist sein letzter Besuch in Wismar der eindrucksvollste.

Am 6. Februar  1865, einem bitterkalten Montag, traf er mit der Eisenbahn in Wismar ein, worüber das Mecklenburger Tageblatt schreibt: „Der 4 ½ Uhr ankommende Eisenbahnzug brachte die erwarteten Gäste in unsere Stadt, Herrn Dr. Fritz Reuter und Frau Gemahlin. Schon ½ Stunde vor Ankunft des Zuges hatte sich auf dem Perron des Bahnhofes ein zahlreiches Publikum, namentlich Damen, versammelt, um den Dichter zu begrüßen. Als der Wagen sich öffnete, in welchem Dr. Fritz Reuter saß, brachte die versammelte Menge ihm jubelnde Lebehochrufe dar, die erst endeten, als derselbe abfuhr vom Bahnhofe nach dem Hause des Hofbuchhändlers Hinstorff, woselbst die verehrten Gäste Quartier nahmen.“

Der Aufenthalt Fritz Reuters und seiner Frau Luise in Wismar wurde zu einem wahren Jubelrausch für die Wismarer. Zwar nutzten Dethloff Carl Hinstorff und Fritz Reuter, der zu diesem Zeitpunkt schon in Eisenach wohnte, das Treffen, um über  geschäftliche Dinge zu reden, doch die Wismarer wollten „ihren“ Dichter feiern.

Am zweiten Besuchstag gab es ein Galaessen zu Ehren von Fritz Reuter im Hotel „Stadt Hamburg“, wo Senator Haupt ihn nochmals herzlich im Namen „Eines Ehrwürdigen Rates“ vor 200 geladenen Gästen begrüßte. Am Abend hatte Reuter noch ein umfangreiches Besuchsprogramm  mit „Huldigungen“ zu absolvieren und Höhepunkt war ein Fackelmarsch bei minus 20 Grad von jungen Leuten zum Marktplatz vor dem Hinstorff´schen Haus, wo Fritz Reuter im Fenster des ersten Geschosses die winkende Menge empfing. Fritz Reuter ließ sich auch nicht lange bitten und es gab eine feucht-fröhliche Feier im Ratskeller. In anderen Gaststätten wurde ebenfalls der Besuch Reuters in Wismar ausgiebig gefeiert. So hatten alle etwas vom Fest und Fritz Reuter genoss alles in vollen Zügen, was ihm überhaupt nicht bekam.

Der Aufenthalt von Fritz Reuter in Wismar war für drei Tage angesetzt, doch Reuters Alkoholkonsum war wieder einmal so hoch, dass an eine Abreise überhaupt nicht zu denken war und er seinen sprichwörtlichen „Rausch“ auskurieren musste. So schreibt die Wismarsche Zeitung über den weiteren Aufenthalt nichts und seine Abreise am 16. Februar 1865 nach Lübeck wird in der Mecklenburger Zeitung nur in einer kurzen Notiz erwähnt. Aus drei geplanten Tagen wurden zehn Besuchstage, von denen die Wismarer verständlicherweise wenig mit bekamen.

Die Wismarer ehren „ihren Fritzing“ durch mehrere Denkmale und Bezeichnungen, wobei das Fritz-Reuter-Denkmal, ein Geschenk von Auguste Hinstorff, der Witwe von Dethloff Carl Hinstorff, an die Stadt, 1897 erstmals im Lindengarten aufgestellt wurde und das Reuterhaus am Markt seit 1911 seinen  Namen hat. Die Reutereiche am Reuterplatz ist 1913 gepflanzt worden. Die Fritz-Reuter-Schule erhielt am 15. Oktober  1948 ihren Namen und die davor stehende Reuterbüste zog im August 1988 vom Lindengarten auf ihren wohl endgültigen Standort um.

Reuter und Hinstorff haben noch heute eine große Popularität: Fritz Reuter als größter niederdeutscher Dichter und der Hinstorff-Verlag als einer der ältesten Verlage Deutschlands.

 

Detlef Schmidt

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