Kalenderblatt 14. Januar

Kalenderblatt 14. Januar

 Der Abbruch des Poeler Tores

Am 14. Januar 1870 wurde das Poeler Tor abgerissen. Es war eines von fünf großen Stadttoren der Stadt, wovon nur das Wassertor bestehen blieb. Durch das Poeler Tor, das noch 1412 als Haraldstor  bezeichnet wurde, fuhr man in Richtung Poel aber auch nach Rostock. Hier führte der alte Handelsweg nach Rostock, der erst bei Neuburg wieder an die heute uns bekannte Straße anknüpft. Die erste Erwähnung finden wir 1388 als Poeler Tor und es ist ein repräsentativer Bau gewesen. Man wollte seinen Nachbarn zeigen wer man war. Am 23.Novemer 1869 erteilte der Rat die Abrissgenehmigung und  verkaufte es für 425 Taler an den Wismarer Maurermeister Lundwaldt, der am 14. Januar 1870 mit den Abriß- und Aufräumarbeiten am Tor begann. Im gleichen Jahr errichtete der geschäftstüchtige Maurermeister aus den Steinen des Tores das Haus Schatterau 34. Die Wappen des Tores wurden 1870 am damals neu errichteten Fischerwachturm am alten Hafen eingelassen. Es wurde eben alles wieder verwendet.

Ab 1276 begannen Wismars Bürger um die Stadt eine Stadtmauer zu errichten. Genau 3030 Meter war die Mauer nach Fertigstellung rund um die Stadt lang und 20 Fuß hoch, das sind ungefähr fünf bis sechs Meter und hatte eine Breite von einem Meter. Bis 1864 sollte diese Mauer so halten und bisweilen gute Dienste leisten. Danach wurde sie Stück für Stück bis auf kleine Reste, die man heute an der Dr.-Leber-Straße und an der Wallstraße sehen kann, abgetragen.

Mit einer der Stadt umgebenden Mauer war es wegen der Sicherheit noch nicht getan. Der Fremde, der sich der Stadt näherte musste auf dem Weg dorthin noch einige Posten passieren. Da waren zunächst die Vorburgen, die wir heute noch als Lübsche Burg, Kritzowburg, Müggenburg, Eiserne Hand, Kluß oder auch Rotenthor kennen. Das waren keine Burgen im herkömmlichen Sinn, sondern Gehöfte, deren Pächter von der Stadt für ihre Dienste entlohnt wurden. Die „Burgleute“ achteten genau darauf, wer in die Stadt wollte und schlugen auch schon mal Alarm bei verdächtigem „Gesindel“. Ähnlich war es im Übrigen, um das hier mit einzuschieben, im Hafen. Der Baum der vom „Bohmschlüter“ morgens und abends über die Hafeneinfahrt schob, war eine dringliche Sicherheitsmaßnahme im sensiblen Hafenbereich. Weiter ging es von der „Vorburg“ an dem ersten Vorwall vorbei und man musste noch Dornenhecken überwinden. Einen Beweis für diese Hecken finden wir noch im Straßennamen „Am Torney“. Der Name ist slawischer Ursprung und kommt von „turnu“. Das bedeutet „mit Dornenhecken bewachsenem Gelände“, also der absichtlich gewachsenen „Abwehrhecke“. Durch diese Hecke musste erst einmal eine größere Schar Angreifer kommen. Wenn der Reisende nun vor die Stadtauer kam, hatte er den Stadtgraben vor sich und in die Stadtmauer waren in Wismar 35 Wikhäuser und Berchfrite eingebaut, das sah schon beeindruckend aus und diesen Eindruck sollte es auch vermitteln. Hochgerüstet war die Bürgerwehr bereit, ihre Stadt  von der Mauer und aus den Türmen zu verteidigen.

In die Stadt selbst konnte man nur durch die fünf Stadttore kommen, die nach allen Himmelsrichtungen und Hauptfahrrouten ausgerichtet waren. Daneben gab es noch kleinere Mauerdurchlässe, wie es etwa  am Hafen neben dem Großen Wassertor auch das kleine Wassertor oder auch das Fischertor gab.

 

Detlef Schmidt

 

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