Kalenderblatt zum 1. April

Die Wismarer hatten bis 1893 eine eigene Ortszeit

Am 1. April 1893 trat für das damalige Deutsche Reich das allgemein verbindliche Zeitgesetz in Kraft. Die sogenannte mittlere Sonnenzeit des 15. Längengrades wurde als gesetzliche Zeit verankert und so die deutsche Zeitzone definiert. Zuvor galten in den einzelnen Bundeslän-dern eigene Zeiten, in Bayern z.B. die Münchner Ortszeit, welche im Verhältnis zu der in den Preußischen Gebieten geltenden Berliner Zeit eine abweichende Zeitdifferenz von acht Minu-ten hatte. Vorher galt in Wismar, wie auch an anderen Orten die „Ortszeit“, d.h. die für einen Ort gültige Sonnenzeit. Die schon seit dem Mittelalter vorhandenen mechanischen Uhren wurden teilweise nach der Sonne oder Sonnenuhr gestellt, doch mit der Einführung der Zonenzeit war die Rolle der Sonne als Zeitmacher nahezu vorbei. Die Zonenzeit ist an allen Orten innerhalb einer Zeitzone gleich. Erst beim Wechsel in eine andere Zeitzone gilt eine andere Tageszeit. So ist zwar heute der Sonnenstand in einer Zeitzone unterschiedlich, aber die angezeigte und gemessene Zeit ist innerhalb dieser Zone gleich. Daran hat sich trotz Quartz-, Funk- und Atomuhren nichts geändert – die Sonne zeigt immer noch die genaueste Zeit an. Das wussten sich die Menschen zu allen Zeiten zunutze zu machen. So war es eben üblich, dass jeder Ort seine eigene Zeit hatte, die nach der Sonne gemessen wurde.
In Wismar galt bis zum 1. April 1893 die „Wismarer Ortszeit“, die immerhin eine Differenz von bis zu 15 Minuten zur Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) hatte. Die Orte innerhalb einer Zeitzone haben selbstverständlich verschiedene Zeiten, da die Sonne auch einen unterschiedli-chen Stand hat. Mit der Entwicklung der Kommunikationswege wie Telegraf und Telefon aber besonders mit der Entwicklung des Eisenbahnwesens, waren die unterschiedlichen Zeiten ein absolutes Hemmnis. Mit dem für das Deutsche Reich allgemein verbindliches Zeitgesetz vom 1. April 1893 wurde die mittlere Sonnenzeit des 15. Längengrades als gesetzliche Zeit verankert und so die deutsche Zeitzone definiert, die Mitteleuropäische Zeit (MEZ). Die meis-ten Wismarer lasen zu der Zeit ihre Zeit sowieso an der Turmuhr von St. Marien ab und so genau ging es dabei auch nicht zu. Die Turmuhr hatte nämlich nur einen Stundenzeiger, die Minuten musste man eben schätzen! Armbanduhren und Taschenuhren waren im 19. Jahrhun-dert und auch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert eine begehrte Anschaffung. Kinder bekamen meist zur Konfirmation ihre erste Uhr, wenn es das Haushaltsbudget zuließ und auch später in den fünfziger und sechziger Jahren sparte man auf die wichtigen Zeitmesser.
Die Uhr am Turm von St. Marien stiftete 1647 der schwedische General Helmuth Wrangel. Er wohnte am Markt 23 und man munkelt, er habe die Uhr nur gestiftet, weil er sie von sei-nem Fenster aus sehen konnte. Genutzt hat ihm dies nichts, denn er starb 1647. Erst 1683 war die neue Uhr fertig. Sie besitzt drei Schlagglocken. Die Ziffernblätter sind in einer Höhe von 75 m angebracht und haben einen Umfang von 5 x 5 Meter sowie ein Gewicht von jeweils von 1,5 Tonnen. Heute gibt es natürlich Stunden- und Minutenanzeiger – der Minutenzeiger ist 3,30 Meter lang und der Stundenzeiger hat eine Länge von 2,40 Meter. Die Uhr ist letztmalig 1981 restauriert worden und wird heute durch eine elektronische „Mutteruhr“ gesteuert.
Wenn heute auch immer öfter über Sinn und Zweck der 1977 beschlossenen und 1980 einge-führten Sommerzeit diskutiert wird, so sei daran erinnert, dass es diese schon im ersten Welt-krieg 1916 gegeben hat. Erstmalig begann eine Sommerzeit am 30. April 1916 mit diesem Wortlaut einer Verordnung: „Der 1. Mai 1916 beginnt am 30. April 1916 nachmittags 11 Uhr nach der gegenwärtigen Zeitrechnung. Der 30. September 1916 endet eine Stunde nach Mit-ternacht im Sinne dieser Verordnung.“ Während des zweiten Weltkrieges wurde ab 1940 spo-radisch die Sommerzeit zu unterschiedlichen Zeiten eingeführt. Erst nach dem Krieg ordneten die Alliierten in ihren Besatzungszonen „Sommerzeiten“ an. Die sowjetische Administration führte in ihrer Besatzungszone kurzfristig die „Moskauer Zeit“ ein und alle Uhren mussten zwei Stunden vorgestellt werden. Erst 1949 endeten die Sommerzeitregelungen in den deut-schen Besatzungszonen.
Die erneute Einführung der Sommerzeit wurde in der Bundesrepublik Deutschland 1978 be-schlossen, trat jedoch erst 1980 in Kraft. Zum einen wollte man sich bei der Zeitumstellung den westlichen Nachbarländern anpassen, die bereits 1977 als Nachwirkung der Ölkrise von 1973 aus energiepolitischen Gründen die Sommerzeit eingeführt hatten. Zum anderen musste man sich mit der DDR über die Einführung der Sommerzeit einigen, damit Deutschland und insbesondere Berlin nicht auch zeitlich geteilt waren. Die Verordnung über die „Sommerzeit“ wurde am 31. Januar 1980 verabschiedet. Übrigens gab es von Seiten der DDR Bestrebungen, die Sommerzeit im Herbst 1980 wegen erwiesener „Nutzlosigkeit“ wieder abzuschaffen, scheiterte jedoch damit, weil die Nachbarländer nicht mitmachten.1996 schließlich wurden die unterschiedlichen Sommerzeitregelungen in der Europäischen Union vereinheitlicht. Damit gilt die Sommerzeit in Deutschland einen Monat länger; sie dauert seither jeweils 30 oder 31 Wo-chen.

Was sonst noch geschah
1. April 1910 Verkauf des Hauses am Markt 19 an Bäckermeister Karl Oldenburg, der hier die Gaststätte „Reuterhaus“ einrichtet. Das Haus wurde 1988 wegen „Baufälligkeit“ komplett abgerissen und sofort 1989 ohne Fassadenerker als Neubau wieder errichtet. Die Plastik an der Giebelseite zeigt den Verleger Hinstorff mit seinem Dichter Fritz Reuter. Die Plastik erschuf der Bildhauer Rainer Kessel aus Neu Nantrow im Landkreis Nordwestmecklenburg.
1. April 1888 Einweihung des Postamtes in der Mecklenburger Straße 18.
1. April 1891 Einweihung der Mädchen-Bürgerschule in Dahlmannstraße (seit 1946 Fritz-Reuter-Schule) Architekt war Gustav Dehn.
1. April 1895 Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Otto von Bismarck.
1. April 1933 Die SA marschiert durch Wismar und Alfred Pleuger hält vom Rathausbalkon eine Ansprache gegen die Juden.
1. April 2003 Einweihung des AWO Kindergarten „Löwenzahn“ am Bürgerpark.
1. April 2014 1. Teileröffnung der Kindertagesstätte „Hanseatenhaus“ der „felicitas“ gGmbH im ehemaligen Schützenhaus an der Schweriner Straße.
2. April 1933 Die Mädchenbürgerschule in der Dahlmannstraße wird in Adolf-Hitler-Schule umbenannt und SA Leute stehen mit Schildern vor jüdischen Geschäften.
2. April 1921 Errichtung des Ehrenmales auf dem Friedhof für die Opfer des Kapp-Putsches. Umgestaltung der Gedenkstätte zu einem Ehrenmal und Einweihung am 2. April 1978.
3. April 2015 Das „Säulenhaus“ in der Altwismarstraße 23 erhält seine ursprüngliche Fassade mit den markanten Säulen. Dieses Haus wurde 1830 auf dem erhalten gebliebenen Keller aus dem 15. Jahrhundert im klassizistischen Stil mit dem Altan und den Säulen erbaut.
4. April 2011 Eröffnung der Markthalle am Alten Hafen mit 1.300 qm².
5. April 1848 Verfügung des Großherzogs, dass das neue Militärlazarett gebaut werden kann. Hierfür stellt die Hansestadt Wismar dem Großherzog das benötigte Grundstück zur Verfü-gung. Am 1. Juli 1852 Einweihung als Militärlazarett, bis 1920 entsprechende Nutzung. Um-bauten erfolgten 1929-1933, danach bis 1950 Nutzung als Finanzamt. Seit 1952 wird das Ge-bäude von der Wismarer Polizei genutzt.
5. April 1907 Beginn des Abbruches Krämerstr. 2/4 und Lübsche Str. 1/3 für den Karstadt Neubau.

Detlef Schmidt

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