Kalenderblatt zum 1. April

Die Wismarer hatten bis 1893 eine eigene Ortszeit

Trotz Quartz-, Funk- und Atomuhren – die Sonne zeigt immer noch die genaueste Zeit an. Das wussten sich die Menschen zu allen Zeiten zunutze zu machen. So war es eben üblich, dass jeder Ort seine eigene Zeit hatte, die nach der Sonne gemessen wurde.
In Wismar galt bis zum 1. April 1893 die „Wismarer Ortszeit“, die immerhin eine Differenz von bis zu 15 Minuten zur Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) hatte. Die Orte innerhalb einer Zeitzone haben selbstverständlich verschiedene Zeiten, da die Sonne auch einen unterschiedlichen Stand hat. Mit der Entwicklung der Kommunikationswege wie Telegraf und Telefon aber besonders mit der Entwicklung des Eisenbahnwesens, waren die unterschiedlichen Zeiten ein absolutes Hemmnis. Mit dem für das Deutsche Reich allgemein verbindliches Zeitgesetz vom 1. April 1893 wurde die mittlere Sonnenzeit des 15. Längengrades als gesetzliche Zeit verankert und so die deutsche Zeitzone definiert. Zuvor galten in den einzelnen Bundesländern eigene Zeiten, in Bayern z.B. die Münchner Ortszeit, welche im Verhältnis zu der in den Preußischen Gebieten geltenden Berliner Zeit eine Verschiebung von 2 Längengraden (entsprechend etwa 8 Minuten) hatte.
Die Wismarer lasen zu der Zeit ihre Zeit sowieso an der Turmuhr von St. Marien ab und so genau ging es dabei auch nicht zu. Die Turmuhr hatte nämlich nur einen Stundenzeiger, die Minuten musste man eben schätzen!
Die Uhr am Turm von St. Marien stiftete 1647 der schwedische General Helmuth Wrangel. Er wohnte am Markt 23 und man munkelt, er habe die Uhr nur gestiftet, weil er sie von seinem Fenster aus sehen konnte. Genutzt hat ihm dies nichts, denn er starb 1647. Erst 1683 war die neue Uhr fertig. Sie besitzt drei Schlagglocken. Die Ziffernblätter sind in einer Höhe von 75 m angebracht und haben einen Umfang von 5 x 5 Meter sowie ein Gewicht von jeweils von 1,5 Tonnen. Heute gibt es natürlich Stunden- und Minutenanzeiger – der Minutenzeiger ist 3,30 Meter lang und der Stundenzeiger hat eine Länge von 2,40 Meter. Die Uhr ist letztmalig 1981 restauriert worden und wird heute durch eine elektronische „Mutteruhr“ gesteuert.
Wenn heute auch immer öfter über Sinn und Zweck der 1977 beschlossenen und 1980 eingeführten Sommerzeit diskutiert wird, so sei daran erinnert, dass es diese schon im ersten Weltkrieg 1916 gegeben hat. Die sowjetische Besatzung nach 1945 führte in ihrer Besatzungszone kurzfristig die „Moskauer Zeit“ ein und alle Uhren mussten zwei Stunden vorgestellt werden. Erst 1949 endeten die Sommerzeitregelungen. Übrigens gab es von Seiten der DDR Bestrebungen die Sommerzeit 1980 wegen erwiesener „Nutzlosigkeit“ wieder abzuschaffen, scheiterte jedoch damit, weil die Nachbarländer nicht mitmachten.

Detlef Schmidt

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