Kalenderblatt zum 1. August

  Alte Flakkasernen in friedlicher Nutzung

Am 1. August 2011 ist mit der Fertigstellung von 21 betreuten Wohnungseinheiten im neuen Seniorenzentrum an der Lübschen Burg der erste Bauabschnitt geschafft. 2009 war Baubeginn an der ehemaligen Flakkaserne der Wehrmacht und späteren Kaserne der Roten Armee.
Dieser auf einer Anhöhe sich befindliche Bereich ist seit 1935 bebaut, doch es finden sich noch weitaus ältere Spuren. Nachdem Fürst Johann 1229 „seinen lieben Bürgern zu Wismar“ ein Stück Land an der Köppernitz überlassen hat, kaufen die „lieben“ Bürger, die inzwischen erstarkt waren, um 1300 ihm die Mühlen an der Köppernitz ab, die sich eben auf dieser Anhöhe oder auch in der Talsenke als Wassermühle befunden haben mögen. Hier existierte auch das Dorf Krukow, einem längst verschwundenem und vergessenem Dorf, nachdem der „Krukower Weg“ benannt wurde. So wird noch 1935 der Weg zur Einfahrt der 1936 erbauten Flak-Kaserne genannt und ist heute noch die Straße, die von der Lübschen Straße zum Bürgerpark führt
Nach der Machtergreifung der Nazis am 30. Januar 1933 setzte unmittelbar wieder die Militarisierung Deutschalands ein. Entgegen dem Versailler Vertrag von 1919 begann die Aufrüstung und die allgemeine Wehrpflicht wurde am 16. März 1935 eingeführt. Damit wurden die Verpflichtungen zur Truppenbeschränkung – die Wehrmacht sollte auf 580.000 Mann aufgestockt werden – des Versailler Vertrages gebrochen. Wismar wird am 12. Oktober 1935 mit der Inbetriebnahme der „Wangenheimkaserne“ (II. Bataillon Infanterie Regiment 89) an der Parkstraße, heute Philipp-Müller-Straße, wieder Garnisonsstadt und die Wehrpflichtigen ziehen ein. Insgesamt waren nach Ausbau beider Kasernenanlage etwa 3.000 Wehrmachtsangehörige in der Stadt.
Am 2. Mai 1945 besetzen englische Truppen die Stadt und werden am 2. Juli 1945 vereinbarungsgemäß durch die Rote Armee ersetzt.
Die Rote Armee nahm zunächst zahlreiche private Häuser und auch kommunale Institutionen in Beschlag für ihre administrativen Aufgaben, die dann nach Ausbau anderer Möglichkeiten wieder frei gegeben wurden. Die Truppen fanden in der ehemaligen Flakkaserne eine ausreichende Unterkunft. Die Rote Armee führte ein ausgesprochen autarkes Leben in der Stadt. Kaum drang etwas hinein und noch weniger hinaus. Gab es in den fünfziger Jahren noch freie Beweglichkeit für die Soldaten, so unterblieb diese später ganz. Kaum einer wusste wieviel Militärangehörige in der Kaserne untergebracht waren. Am 15. August 1948 wurde der Ehrenfriedhof der Roten Armee für 348 gefallene Militärangehörige auf dem Wischberg eingeweiht, wofür der „Schwedenstein von 1903“ weichen musste. Am 8. Mai 1970 wurde im Ehrenmal eine Kartusche mit russischer Erde eingelassen.
Das Verhältnis zur Roten Armee änderte sich mit der politischen Wende ab 1989 rasch. Zuletzt waren hier das Mot.-Schützenregiment 288 und das Artillerie-Regiment 199 stationiert. Der letzte Kommandeur der Wismarer Garnison, Major Wladimir Utjaschew, pflegte gute Beziehungen zur Stadt Wismar, der Wirtschaft aber auch zur Bundeswehr. Am 2. November 1991 gab es einen vielbesuchten ersten Tag der „Offenen Tür“ in der Kaserne der Roten Armee. Viele ehemalige Wehrmachtsangehörige, die noch Dienst in der Flakkaserne hatten, besuchten ihre ehemalige Kaserne. Der endgültige Abzug der Roten Armee aus Wismar nach 48 Jahren war am 30. Juni 1993. Jedes Garnisonsmitglied erhielt auf Vorschlag von Bürgermeisterin Dr. Rosemarie Wilcken ein Erinnerungsgeschenk.
Nach dem Abzug des letzten Militärs bemühte sich die Stadt um das Gelände, wollte aber auch die Kosten der umfangreichen Altlastenbeseitigung nicht alleine tragen. So bewarb man sich um die Ausrichtung der ersten Landesgartenschau 2002 und mit Bundes- und Landesmitteln konnte das ehemalige Militärgelände beräumt werden, so dass der neue Bürgerpark entstand. Die jährliche Regionalmesse „Hanseschau“ findet hier ausreichende Fläche und in der fälschlicherweise als Reithalle bezeichneten Flakhalle finden derzeit Veranstaltungen der vielfältigsten Art statt. Die Arbeiterwohlfahrt betreibt in einem ehemaligen Militärgebäude in unmittelbarer Nähe zum Tierpark und Bürgerpark die Kindereinrichtung „Löwenzahn“.
Im alten Stabsgebäude eröffnete am 1.Dezember 2012 das technische Landesmuseum das „phanTechnikum“, das derzeit auf 2.500 Quadratmeter beeindruckende Objekte, viele Experimente und Technik zum Anfassen bietet. Darüber hinaus ein Querschnitt mecklenburgischer Technikgeschichte. Ein weiterer Ausbau soll erfolgen.
2009 wurde dann mit dem Um- und Ausbau des 1937 errichteten Mannschaftsgebäudes der Wehrmacht zu einem Seniorenzentrum begonnen. Die ersten Mieter des betreuten Wohnens zogen hier am 1. August 2011 ein. Der Pflegebereich eröffnete am 1. Januar 2012 im Seniorenzentrum Lübsche Burg mit 84 Pflegeplätzen und ab 1.April 2013 gibt es eine Tagespflege mit 14 Plätzen. Friedlicher kann ein altes Militärgelände wohl nicht genutzt werden.

Was sonst noch geschah
1. August 1946 Waggonfabrik wird sowjetische Aktiengesellschaft.
1. August 1950 Baubeginn der neuen Werft (MTW).
2. August 1991 Aktion „Saubere Stadt“ der Wismarer „Mittwochsrunde“. Am 2.8.1991 werden an verschiedenen Orten Container aufgestellt, wo die Bürger kostenlos ihren Sperrmüll entsorgen können. Es werden vom 3.8.-5.8.1991 nahezu 2.800 qm² Sperrmüll eingesammelt.
4. August 1944 9. Luftangriff: Es griffen erstmals Fliegerkräfte der 8. US Air Force die Stadt an. Es wurden Häuser am Klußer Damm, Am Torney und in der Poeler Straße beschädigt.
5. August 1995 Erstes Wismarer Buchtschwimmen der DLRG Wismar von Hinterwangern auf der Insel Poel nach Hohen Wieschendorf. Initiator der 3,5 Kilometer langen Strecke ist Dr. Joachim Behrens (Jahrgang 1947).
6. August 1960 Erste Sprengung von insgesamt vier an St. Marien (10., 16. und 26. August weitere Sprengungen).
7. August 1970 Einweihung der Hochbrücke – mit 400 Metern längste Spannbetonbrücke der DDR (15 Mio. Mark Baukosten).
7. August 1967 Inbetriebnahme des Wasserwerkes Friedrichshof und Stilllegung des Wasserwerkes am Turnplatz.
8. August 2005 Eröffnung der Hauptgeschäftsstelle der Volks- und Raiffeisenbank eG Wismar in der Mecklenburger Str. 12 – 16. Verlegt von der Großschmiedestraße 11 hierher.
9. August 1945 Auftragserteilung zur Vorbereitung der Wiedereröffnung der Ingenieursakademie.
9. August 1948 Das Karstadt Kaufhaus firmiert jetzt als „Mecklenburgisches Kaufhaus VEB“.

Detlef Schmidt

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