Kalenderblatt zum 1. Dezember

Dornier-Flugzeugwerke kommen nach Wismar

Am 1. Dezember 1933 wurde die Dornier-Werke Wismar GmbH in das Handelsregister des Amtsgerichtes eingetragen. Sie übernahmen zunächst Teile der bis dahin unter Zwangsverwal-tung stehenden Podeuswerke zwischen Adolf-Hitler-Straße (Dr. Leber-Straße) und Kanal-straße. Vorangegangen war ein Findungsprozess der Dornierwerke aus Friedrichshafen, um einen geeigneten Ort für ihre Expansion zu finden. Schwerin und Lübeck kamen neben Wis-mar in die engere Wahl, doch man entschied sich für Wismar. Hier erhoffte man sich gut aus-gebildete Arbeitsnehmer im Metallbau, sowie der Zugang über einen meeresoffenen Hafen zur See und die Ingenieurschule waren ausschlaggebende Argumente für die Hansestadt. Ausschlaggebend war aber auch die für eine zukünftige Aufrüstung positiv gestimmte politi-sche Lage und Dornier wollte hier neben den anderen deutschen Flugzeugbauern mithalten. Dazu gab es umfangreiche, Millionen schwere, Förderungen aus dem Reichsluftministerium.
Das „Mecklenburger Tageblatt“ berichtete schon Anfang November 1933 über eine „Wirt-schaftsbelebung für unsere Stadt“ und Wismar hatte zu dieser Zeit Arbeitsplätze bitter not-wendig. Mit 31,7 Prozent Arbeitslosigkeit hatte Wismar den höchsten Stand in Deutschland und die düstere Lage auf dem Wismarer Arbeitsmarkt passte nun überhaupt nicht zu den Na-zi-Erfolgsmeldungen. So akzeptierte man auch den Vertragsentwurf von Dornier, nachdem der von der Stadt vorgelegene abgelehnt wurde. Dornier verpflichtete sich auch, vorrangig Arbeitslose einzustellen. Der Hauptverwaltungssitz befand sich in der Adolf-Hitler-Straße 24 (heute Dr.-Leber-Straße), ebenso wie das Werk I auf dem ehemaligen Gelände der Po-deus’sche Fabrik. Hier wurden später Komponenten für den Flugzeugbau hergestellt. Die Lehrwerkstatt von Dornier war auch im Werk I. In der Mecklenburger Straße 28a wurden Flugzeugkleinteile hergestellt. Der größere Teil der Wismarer Dornier-Werke befand sich je-doch auf dem Hafffeld. Hier begann 1934 mit Unterstützung Wismarer Arbeitslosen, die hier verpflichtet wurden, der Aufbau der Fertigungshallen. Schon 1934 war die „Bauhalle“ fertig und wenige Monate später die „Seehalle“ und die „Flughalle“. Der zum Werk zugehörige Ha-fen, heute der „Tonnenhof“ des Wasser- und Schifffahrtsamtes, wurde ebenfalls 1934 fertig-gestellt, sodass die Produktion bei Dornier „hochfahren“ konnte. 1934 wurde das Werk II in der Kopenhagener Straße in Betrieb genommen. Viele Wismarer, aber auch wegen der Arbeit bei Dornier Zugezogene, fanden hier Arbeit. 1936 arbeiteten bei Dornier in Wismar 1.908 Menschen und schon ein Jahr später waren es 3.000 Menschen. Verständlich, das bei diesen Zahlen die Arbeitslosigkeit gegen Null tendierte und mit 400 Arbeitslosen eine positiven Tief-punkt erreichten. 1944 erreichten die Dornier-Werke mit 4.437 Beschäftigten einen Höchst-stand, wobei man anfügen muss, dass ein Drittel davon Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter waren.
Landeten auf dem Haffeld die Flugzeuge zunächst noch auf einer Gras- und Sandbahn, so war 1938 die betonierte Start- und Landebahn fertig und somit voll ausgerüstet. Chefpilot und Werksflieger war der 1897 in Wismar geborene Flugkapitän Robert Förster, der am Wen-dorfer Weg wohnte und Hundertjährig am 30. März 1997 in Wismar verstarb. Er wirkte 1931 als Double von Hans Albers in einem Fliegerfilm mit. Wismar war neben den Heinkel-Werken und Arado-Werke in Warnemünde und Rostock, ein weiterer wichtiger Flugzeugbaustandort in Mecklenburg geworden. Einen nicht unerheblichen Anteil am Bau des Werkes und der Lei-tung hatte Heinrich Schulte-Frohlinde. Der in Bremen geborene „Zwei-Meter-Mann“ Schulte-Frohlinde war ein ausgewiesener Fachmann und exzellenter Ingenieur im Flugzeugbau, der auf jahrelange Auslandserfahrungen bauen konnte. Ihm ist es auch zu verdanken, dass er gute Spezialisten nach Wismar holte, die den Ruf des Wismarer Werkes festigten. Gefertigt wur-den zunächst die Baumuster Do 11, Do 13 und Do 23. Nach Einführung der zentralen Zuwei-sung von Baumustern durch das Reichsluftfahrtministerium folgten dann die fremden Bau-muster Junkers W 34, Heinkel He 111 und Junkers Ju 88, bis schließlich mit der Do 217 im Jahr 1941 wieder ein Dornier-Flugzeug in Produktion ging. Ab 1943 wurden im Rahmen des „Jägerprogramms“ ausschließlich Focke-Wulf FW 190 bei Dornier in Wismar gebaut. Zu der ab 1944 auch in Wismar vorgesehenen Montage des Kampfflugzeuges Do 335 kam es nicht mehr. 1938 wurde das Werk in Wismar mit den Standorten Lübeck und Berlin-Reinickendorf zu den Norddeutschen Dornier-Werken mit Sitz in Wismar vereinigt. 1942 ist dann in Neustadt-Glewe ein weiteres Dornier-Werk gebaut worden.
Am 24. Juni 1940 gab es den ersten Luftangriff der Briten, wobei die Dornierwerke beschä-digt wurden, doch der Angriff vom 25. August 1944 war der schwerste. 80 Prozent der In-dustrieanlagen wurden zerstört und die Wismarer Dornier Werke waren kaum in der Lage, weiter zu produzieren. Nach dem Krieg ordneten die Engländer am 16. Mai 1945 an, dass Mitarbeiter der Dornier-Werke die Panzersperren abbauten und per 15. Juni 1945 stellten die Dornier-Werke endgültig auf Frieden um und produzierten Küchengeschirr aus Aluminium und reparierten Landmaschinen. Am 20. Dezember 1945 erhielten die Norddeutschen Dor-nier-Werke Wismar den Demontagebefehl und das Werk hörte auf zu existieren, doch erst am 15. Juli 1949 wurden die Norddeutschen Dornier-Werke GmbH aus dem Handelsregister ge-löscht. Auf dem Firmengelände und der Hauptverwaltung entstand der spätere VEB Alubau. Das Gelände auf dem Hafffeld übernahm die sowjetische Militäradministration, die nach Sprengung und Demontage der Hallen bis 1953, hier bis 1993 einen Übungsplatz einrichteten. Heute ist das Haffeld wieder der industrielle Kern Wismar. Das Buch „Flugzeugbau in Wis-mar“ ist im Buchhandel und im Museumsshop erhältlich.

Was sonst noch geschah
1. Dezember 1881 Benennung der Dahlmannstraße.
1. Dezember 2012 Eröffnung des Technischen Landesmuseums als „phanTechnikum“.
1. Dezember 2000 Eröffnung des Schwimmbades „Wonnemar“.
3. Dezember 1952 Wiedereröffnung des ehemaligen Karstadt Hauses als „HO Warenhaus“.
3.Dezember 2014 Wiedereröffnung des Wismarer Theaters nach umfangreichen Rekonstrukti-onen und Umbauten. Die Gesamtinvestitionen betragen 5,44 Millionen Euro.
4. Dezember 1989 Kundgebung des Neuen Forum vor der Nikolaikirche und anschließend Demonstration zum Stasi-Gebäude. Die Staatssicherheit wird daran gehindert, weitere Akten zu vernichten.
5. Dezember 1815 Die am 12. Oktober 1815 begonnene Anlage vor dem Altwismartor, erhielt am 5. Dezember 1815 durch eine Zeitungsveröffentlichung den Name „Lindengarten“.
5. Dezember 1989 Der Wismarer Studentenrat und das Neue Forum versiegeln die Wismarer Kreisdienststelle der Staatssicherheit.
6. Dezember 1997 354. und letzter Stapellauf auf der Werft.
6. Dezember 1989 „Runder Tisch“ wird in Wismar eingerichtet, um die politische Wende zu vollziehen.

Detlef Schmidt

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