Kalenderblatt zum 1. Januar

Wismar kann sich rühmen, eine der ältesten Apotheken zu haben. 1279 wird ein Apotheker Arnold in der Krämerstraße erwähnt, der dort offensichtlich die städtische Apotheke betrieb, die um die Mitte des 15. Jahrhundert an den heutigen Standort der Ratsapotheke verlegt wurde. 1819 ist die Ratsapotheke an den Apotheker Hirsch aus Einbeck zur Mitfinanzierung des Neubaus des Rathauses verkauft worden und ist seither, bis auf die DDR-Zeit, im privaten Eigentum. Eine zweite Apotheke wurde 1659 an der unteren Krämerstraße auf dem Hopfenmarkt eröffnen. Sie hieß im Unterschied zur oberen Apotheke, der Ratsapotheke, die „untere“ Apotheke. Den Namen „Löwen-Apotheke“ erhielt sie durch den Verkauf an den Apotheker Carl Beckmann vom 4.Juni 1851, wo von einem „Wohn- und Apothekenhaus, früher die untere Apotheke, jetzt die Löwen-Apotheke genannt“ geschrieben wurde.
Seit etwa derselben Zeit, um die Mitte des 19.Jahrhunderts, hat der Löwe über dem Eingangsportal als Wappentier des Hauses seinen Platz. Mehrmals war er schon diebischen Anschlägen ausgesetzt, doch immer wieder kehrte er glücklicherweise an seinen Platz zurück. Das letzte Mal war er kurz nach der Wende verschwunden und wurde einige Tage später wieder gefunden. Sicher nimmt man an, dass er aus Metall ist, und ist hinterher enttäuscht über die Mischung aus Gips und Holz.
Bis 1844 gab es in Wismar nur zwei Apotheken und der Wismarer Rat vergab auch keine neuen Konzessionen. Erst ab einer Einwohnerzahl von Zehntausend sollte eine dritte Apotheke eine Erlaubnis bekommen. Die Konzessionsvergabe oder auch die Gewerbeerlaubnisse durch den Rat, hatte durchaus Tradition, denn es gab keine Gewerbefreiheit. Der Rat fühlte sich für die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Gewerke verantwortlich und ließ nur soviel zu, „dass Arbeit für alle da war“ und somit wenig Konkurrenzdruck entstand. Der aus Doberan stammende Apotheker Carl Friedrich Framm, der seit 1837 eine Apotheke in Grevesmühlen betrieb, bewarb sich im aufstrebenden Wismar 1844 um eine Konzession, die er am 9. September 1844 vom Wismarer Rat erhielt. Er verkaufte die Grevesmühlener Apotheke und zog am 1. Oktober 1844 mit seiner Familie in das zuvor erworbene Haus Am Markt 29 aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Hier richtete er die neue Apotheke, so auch der in Wismar geläufige Apothekenname, ein. Die Offizin, der Verkaufsraum, hat heute noch teilweise das Mobiliar aus der Gründerzeit. Am 1. Januar 1845 eröffnete die „Neue Apotheke“ am Markt, die später den Namen „Hirsch-Apotheke“ erhielt. Apotheker Carl Friedrich Framm war ein tüchtiger, fachlicher aber auch zupackender Mann und rasch etablierte sich die Apotheke in der kleinen Hansestadt. Pillen und Salben stellte er im heimischen Laboratorium her und sogar Selterswasser gehörte zu seinem Angebot. Mit diesem betrieb er im Schützenhaus einige Jahre später auch noch einen Erfrischungsausschank. Die Tüchtigkeit der Framm´schen Apotheke wurde durch ein Patent des Großherzogs von Mecklenburg gewürdigt, indem er sich ab 1859 Hoflieferant oder Hofapotheker nennen durfte. Eine durchaus erstrebenswerte und geschäftsfördernde Bezeichnung, die auch eine gesellschaftliche Reputation nach sich zog.
1867 übergab Apotheker Carl Friedrich Framm die Apotheke an seine Zwillingssöhne. Seither ist sie immer auf die nächst folgende Generation weiter gegeben worden. 1978 übernahm Dr. Joachim Framm die Apotheke und er leitete sie nicht nur traditionsbewusst weiter, sondern richtete hier ab 1981 den ersten Beratungsraum auf dem Gebiet der DDR für Patienten und Kunden ein. Die Wende brachte neue Probleme im wirtschaftlichen Bereich mit sich, schuf aber neue Möglichkeiten der Entwicklung. Das seit 1844 im Besitz der Familie Framm konnte durchgängig saniert werden und seit dem 1. April 2009 hat mit Dr. Johann Framm die sechste Generation die Leitung des Traditionshauses übernommen. Sie ist damit das älteste Unternehmen in Wismar in durchgängigem Familienbesitz.

Was sonst noch geschah:
2. Januar 1302 Fürst Heinrich I., geb. 1230, in Wismar gestorben. Begab sich 1270 auf Pilgerfahrt in das „Heilige Land“ („der Pilger“, war 27 Jahre in Kairo in Gefangenschaft) und kehrte 1298 zurück.
2. Januar 1351 Bürgersprache wird vom Rat nach dem Großbrand im Sommer 1350 wieder von der Gerichtslaube verkündet.
2. Januar 1820 Es sind für den Neubau des Rathauses 26.174 Reichstaler ausgegeben worden.
2. Januar 1825 Eröffnung der am 23. Juni 1824 gegründeten städtischen Ersparniß-Anstalt (Sparkasse) im Rathaus.
2. Januar 1950 Zusammenschluss der Stadt- und Kreissparkasse zu einer Sparkasse.
3. Januar 1821 Antrag zum Bau eines Badeschiffes in Wendorf. Dies wurde am 6. Januar 1821 durch den Rat genehmigt.
4. Januar 1211 Der Hafen von Wismar wird in einer kaiserlichen Urkunde, ausgestellt in Capua/Italien, genannt.
4. Januar 1661 Ein Sturm reißt den Dachreiter vom Marienturm herunter.
4. Januar 1696 Der Walfischturm ist fertiggestellt und verfügt über ein Kellergewölbe, eine Geschützetage und eine Dachetage mit gemauerter Dachhaut.
4. Januar 1905 Festanstellung Dr. phil. Friedrich Techen als erster hauptamtlicher Ratsarchivar Wismars.
5. Januar 1266 erstmalige Erwähnung von einem Franziskanerkloster.
5. Januar 1948 Eröffnung der ehemaligen Polizei- und SS-Kaserne zur Poliklinik am Lindengarten durch Med.-Rat Dr. Claus Peters.
7. Januar 1632 Wallensteins Truppen kapitulieren vor den Schweden und geben Wismar frei.
7. Januar 1993 Eröffnung des digitalen Fernsprechknotens am Friedenshof.
8. Januar 1885 Einrichtung einer Allgemeinen Ortskasse in Wismar.

Detlef Schmidt

 

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