Kalenderblatt zum 1. Juni

Hans Mühlemann begeisterte seine kleinen Schüler nachhaltig

Am 1. Juni 1952 wurde in Wismar die siebte kommunale Musikschule in der DDR gegründet und man befand sich damit durchaus in der Tradition des Hamburgers Fritz Jöde, der 1924 in Hamburg die erste Jugendmusikschule gründete. Ausdrücklich bestand man damals schon darauf, dass sie öffentliche gemeinnützige Einrichtungen der Musikalischen Bildung für Kin-der, Jugendliche und Erwachsene sind und somit einen öffentlichen Bildungsauftrag erfüllen.
1952 unterrichteten fünf nebenamtliche Lehrkräfte 130 Schüler in Räumen der Großen Stadt-schule. Mit der Musikschule sollte nicht der Musikunterricht an den Schulen ersetzt werden, sondern sie sollten allen Kindern und Jugendlichen Zugang zur künstlerischen Betätigung öff-nen. Durch Förderung mit öffentlichen Auftritten vor heimischen Publikum sollte zudem die Motivation der Schüler und die Akzeptanz in der Stadt gefördert werden.
Zwei Namen sollten stellvertretend für die vielen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Lehrer an dieser Einrichtung dienen. Musikpädagoge Dr. Burkhardt Busse als langjähriger Leiter und der Maler Hans Mühlemann trugen wesentlich in ihren Bereichen zur erfolgreichen Arbeit mit den jungen Teilnehmern zum wachsenden Erfolg der Wismarer Musikschule bei. Die Musik-schule Wismar hatte verschiedene Standort von der Großen Stadtschule, zur Eggert´schen Villa bis hin zur ehemaligen Gewerblichen Berufsschule in der Neustadt auf dem Heilig-Geist-Hof. Seit 2006 ist die Wismarer Musikschule im ehemaligen Lyzeum und späteren Turnplatz-schule untergebracht und hat dort exzellente Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten.
Der am 11. Oktober 1923 in Wohlau/Schlesien geborene Hans Mühlemann war wohl in den letzten Jahrzehnten der DDR die prägende Gestalt der Wismarer Musikschule. Nach Schulbe-such mit Abiturabschluss wurde er 1942 zum Kriegsdienst in der deutschen Wehrmacht ein-gezogen. Der junge Mühlemann kam nach dem Krieg in sowjetische Gefangenschaft, wo er schon in einer „Künstlerstube“ tätig war. Konsequent führte seine Ausbildung, entsprechend seiner Neigung und Talent, ihn in die Lehre und Beruf als Lithograph in Magdeburg. Hier begann er seine künstlerische Ausbildung bis 1953 an der Fachschule für Angewandte Kunst und vervollkommnete seine Ausbildung bis 1958 an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Er wurde als Freischaffender Mitglied des Verbandes Bildender Künstler. Als Frei-schaffender Maler und Grafiker zog er 1961 nach Wismar. Man kann sagen, dass es für Wis-mar ein Glücksfall war, dass dieser Künstler ab 1961 die Abteilung Bildende Kunst an der Wismarer Musikschule übernahm. Diese Abteilung unter Hans Mühlemann war für die Wis-marer Musikschule so prägend, dass viele Kinder zur Musikschule wollten, aber nicht zum Musizieren, sondern zum Malen. Mühlemann wurde respektiert und gemocht. Kritische Stim-men sind nicht zu vernehmen. Seine Schüler sind ihm dankbar. Was war sein Geheimnis? „Er hatte keine strengen Reglements“, so ein Erklärungsversuch seiner Tochter. „Er hat die Kinder machen lassen, ihnen nichts aufgedrückt. Er hat ihre Talente erkannt und gefördert. Er war selbst durch und durch Künstler.“ Seine feine Art des Zuhörens und Verstehen hat er auch gegenüber seinen Schülern beibehalten. Er versuchte stets mit ihnen auf Augenhöhe zu sein, denn nur so könne man sich verstehen.
Von Hans Mühlemann sind sehr viele Werke erhalten und er kann wie der Grafiker Klaus-Dieter Steinberg sagt, dass er einer der „gestandesten Chronisten“ seiner neuen Heimatstadt ist. Als Leiter der Abteilung Bildende Kunst an der Musikschule Wismar, die er 27 Jahre leite-te, hat er die nachwachsende Kreativ- und Kunstszene in der Stadt geprägt wie kein anderer. Viele seiner ehemaligen Schüler hat er mit seiner Art geprägt und so ein bleibendes Denkmal geschaffen.
Am 22. Dezember 1992 starb Hans Mühlemann in Wismar. Er war es, der der Wismarer Mu-sikschule in der künstlerischen Förderung eine interdisziplinäre Note gab, die in vergleichbaren Städten seltener war.
Seit dem 1. Januar 2017 gibt es die Wismarer Musikschule als eigenständige Einrichtung nicht mehr, da sie in die Kreismusikschule des Landkreises Nordwestmecklenburg aufgegangen ist. Unter Leitung von Jana Rohloff bilden sich 695 Schüler musikalisch und in der bildenden Kunst weiter. 30 Lehrkräfte, davon zehn hauptamtliche sorgen für die notwendige Professio-nalität. Für seine Verdienste um diese Wismarer Einrichtung wäre es doch ein Hinweis, den Namen „Hans Mühlemann“ in und an der Schule öffentlicher zu machen. Verdient hat es Hans Mühlemann.

Was sonst noch geschah

1. Juni 1929 Baubeginn des Arbeitersportlerheimes an der Dammhusener Chaussee
1. Juni 2014 Übergabe und Eröffnung des Weltkulturerbezentrum mit Bundesbauministerin Dr. Barbara Hendricks im ehemaligen Haus der Wismarer Kaufmannscompagnie, Lübsche Straße 23. Die Sanierungskosten beliefen sich auf 3,6 Millionen Euro.
2. Juni 1811 Verleger Dethloff Carl Hinstorff geboren.
2. Juni 1832 Ratsverordnung über den neuen Friedhof.
3. Juni 1922 Kaufvertrag zum Bau von 134 Kleinsiedlungen bei Dargetzow und dem großen Exerzierplatz.
4. Juni 1851 Erstmalige Erwähnung als Löwenapotheke: „Wohn- und Apothekenhaus, früher die untere Apotheke, jetzt die Löwen-Apotheke genannt“.
4. Juni 1911 Arzt und Historiker Dr. Friedrich Crull gestorben.
4. Juni 1932 Rede Joseph Goebbels im Schützenhaus und im Hotel „Zur Sonne“.
5. Juni 2016 Übergabe des taktilen Modells „Gotisches Viertel“ am St. Marienkirchplatz. Die Kosten von 15.000 € haben der Wismarer Rotary Club und die Bürgerstiftung der Hansestadt Wismar getragen.
6. Juni 1229 Grundstücksüberlassungsurkunde des Landesfürsten Johann I. an „seinen Bür-gern“ zwischen Wendorf und der Köppernitz (erste Erwähnung der Stadt Wismar) „Geburts-urkunde der Stadt Wismar“. Der Ortsname „Wismar“ kommt insgesamt fünfmal vor, dabei ein Ort in der Uckermark bei Strasburg, bei Gießen, in der Altmark und bei Stettin. In Schweden gibt es eine „Herrschaft Wismar“.

Detlef Schmidt

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