Kalenderblatt zum 1. März

Lina Vagt – eine Schriftstellerin aus Wismar

Am 1. März 1832 wurde in Wismar Caroline Maria Wilhelmine Vagt geboren. Ihr Vater Carl Carsten Vagt war als Kapitän stets auf Reisen, ihre Mutter eine einfache Frau, die, wie berich-tet wurde, nur ein halbes Jahr eine Schule besuchte. In diesen einfachen Verhältnissen wuchs Lina, wie sie sich später selber nannte, auf. Wenig ist über Kindheit und Schule von Lina Vagt bekannt, doch sie hatte eine große Freude an Unentdecktem und Neuen, das sie in ihrer nähe-ren Umgebung fand. Mit 17 Jahren verlobte sie sich mit einem ungarischen Buchhändler, löste aber bald die Verbindung, weil sie sich zu jung fühlte und „nicht von den Frauen gewesen sei, denen Liebe Leben ist“. Sie blieb bis zu ihrem Tod ledig. Ihr weiterer Werdegang ist für dama-lige Zeiten sehr außergewöhnlich. Selten findet man Frauen in künstlerischen Berufen, wo die Männer dominierten. Wenn Frauen doch etwas schufen, dann unter dem Namen ihres Man-nes. Bei Lina Vagt war dies anders. Sie blieb ledig. Da bei ihr Zuhause keine Bibliothek vor-handen war, nutzte sie jede Gelegenheit, sich Wissen aber auch Informationen anzueignen. Vaters Erzählungen von den Reisen in ferne Länder inspirierte das junge Fräulein Vagt. Aus diesem doch ärmlichen Milieu entwickelte sie sich zu einer angesehenen Autorin und Journa-listin, eine Bezeichnung, die es im beginnenden 19. Jahrhundert wegen der gesellschaftlichen Einstellung nicht geben sollte. Von ihrem 20. Lebensjahr an, begann Lisa Vagt zu schreiben. Sie veröffentlichte Gedichte, Essays, auch einige Novellen, die vereinzelt, u.a. im Wismarer Stadtarchiv, erhalten sind. Ihr Novelle „Briefe an Marie-eine Novelle aus dem alten Wismar“ erschien 2007 als Nachdruck und der Autor dies Beitrages nutzte einen Zeitungsbeitrag von Lina Vagt als Vorlage für eine Kriminalerzählung aus dem 16. Jahrhundert, „Wismars ver-schollener Schatz“ die 2007 ebenfalls erschienen ist. Sie schrieb aber auch volkswirtschaftli-che, kritische Artikel und erreichte somit eine große Palette an öffentlichen Informationen. Sie arbeitete zehn Jahre an den „Blättern für Literarische Unterhaltung“ mit, schrieb für die „Deut-sche Allgemeine Zeitung“, „Leipziger Illustrierte Zeitung“, „Elberfelder Zeitung“, „Rheinische Zeitung“, „Deutsch-amerikanischen Monatshefte“ in Chicago. 1872 starb ihr Vater, und da er kein Vermögen hinterlassen hatte, war Lina Vagt darauf angewiesen, für ihren Unterhalt selbst zu sorgen. Nicht einfach für eine alleinstehende Frau im 19. Jahrhundert. Einer ihrer Förderer war Feodor Wehl, Dramaturg und Herausgeber mehrerer Zeitungen, wie „Die Jahres-zeiten“, wo Lina Vagt 1843 ihr erstes Gedicht veröffentlichte, und „Die Schaubühne“. Wehl veröffentlichte Gedichte und Essays von Lina Vagt. Doch auch das reichte nicht, um die ele-mentarsten Bedürfnisse zu befriedigen. Da machte sie einen ungewöhnlichen Schritt. Sie be-warb sich als Korrespondentin bei der „Rostocker Zeitung“ und wurde 1872 als Redaktions-mitglied fest angestellt. Hier blieb sie 27 Jahre bis 1898. Jetzt schrieb sie auch Artikel über Politik und Nationalökonomie aber auch „Eine mittelalterliche Criminalgeschichte“, Reportage über die letzte Hinrichtung in Wismar. Einen Band „Ein Geheimnis und andere Novellen“ bringt sie 1895 in Erfurt heraus und ihre Gedichte „Fern und Nah“ erscheinen 1872 in Zerbst. Das literarische Schaffen von Lina Vagt war zu ihrer Zeit wohl sehr umfangreich und angese-hen, denn schon 1868 erschien in der österreichischen „Gartenlaube“ folgender Ausschnitt: „Es mag eine Art schreibseliger Damen geben, die man mit Recht an den Strickstrumpf zu-rückverweist. Diese Art aber sollte mit der erwähnten Gattung weiblicher Wesen, deren litera-risches Bestreben doch wenigstens ein angeborener Drang, eine bestimmte Anlage, eine nicht gewöhnliche Bildung entschuldigt, nicht verwechselt werden. Als eine Vertreterin der letzte-ren möchten wir dem Lesepublikum die Verfasserin vorliegender Novellen, Fräulein Lina Vagt in Wismar, vorführen.“ 1882 wird sie im Nachschlagewerk „Deutschlands Dichterinnen und Schriftstellerinnen“ aufgeführt, ebenso im 1898 erschienen „Lexikon deutscher Frauen der Feder“. Wismars erste namhafte Schriftstellerin und Zeitungskorrespondenten stirbt am 26. Juni 1913 als lediges Fräuleinin ihrer letzten Wohnung in der Bademutterstraße 3 im Alter von 82 Jahren. Ihr Grab auf dem Wismarer Friedhof ist nicht mehr vorhanden, doch die Erin-nerung an sie, ist in ihren Werken vorhanden. Neben den vielen „historischen Männern“ aus der Wismarer Geschichte, gehört Lina Vagt als Frau mit Sicherheit dazu. Man sollte ihr ein Denkmal setzen und wenn es die Neubenennung einer Straße ist. Hier sollten die Wismarer Bürgerschaft „weiblicher“ entscheiden, denn von insgesamt 366 Straßen sind nur vier nach Frauen benannt. Das sind gerade mal 1,09 Prozent!

Was sonst noch geschah
1. März 1433 Weihe der Sühnekapelle für Bürgermeister Johann Banzkow auf dem St.-Marien-Kirchhof (1850 abgerissen).
1. März 1833 Ratsbeschluss: Niemand darf mehr innerhalb der Stadt beerdigt werden.
1. März 1855 Mecklenburgisches Schulzwangsgesetz tritt auch für Wismar in Kraft.
1. März 1947 Die Waggonfabrik wird landeseigener Betrieb.
1. März 1991 Die Karstadt AG übernimmt wieder ihr altes Stammhaus. Schriftzug „Kaufhaus Magnet“ wird entfernt.
2. März 1850 Robert Schmidt, Gründer der Ingenieur-Akademie, geboren.
2. März 2016 Die malaysische Genting-Gruppe übernimmt die ehemaligen Nordic-Yards-Werften in Wismar, Rostock und Stralsund für 230 Millionen Euro. 3. März 1946 Stadtbaurat Arthur Eulert nimmt sich und seinen vier Kindern in der Altwismarstraße 6 (heute 23) das Leben.
4. März 1819 Gründung Wismarer Freimaurerloge „Zur Vaterlandsliebe“ in Mecklenburger Straße 6.
2. März 1886 Friedrich Wilhelm Winzer, geb. am 8.März1811 in Mellenbach (Thüringen), Orgelbauer, verstirbt in Wismar.
4. März 1949 Das ehemalige Luftwaffenlazarett erhält den Namen „Friedenshof“, ebenso wie die dortige Schule und die Friedensstraße (Huzkestraße).

Detlef Schmidt

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