Kalenderblatt zum 1. Oktober

Hoben – Wismars verstecktes Kleinod

Am 1. Oktober 1939 werden auf Beschluss der Gauleitung Mecklenburgs die Wismarer Randgemeinden Redentin, Hof Redentin, Hinter Wendorf, Mittel Wendorf, Vor Wendorf, Hoben, Zierow und der Rohlstorfer Forst aus dem Landkreis Wismar ausgegliedert und gehören ab diesem Zeitraum zur Seestadt Wismar und den Stadtkreis Wismar. Die Hansestadt Wismar besaß den Ehrgeiz zu den größeren Städten in Deutschland aufzuschließen. Oberbürgermeister Alfred Pleuger plante, sicher unter dem Einfluss seines Architekten Gutschow, aus Wismar eine Großstadt von 150.000 Einwohnern zu machen, die er später in 80.000 revidierte. Dies setzte auch Eingemeindungen voraus. Daraus wurde wie die weitere Entwicklung zeigt, nichts. Die drei Wendorfer Dörfer sind längst zu einem großen Stadtteil verschmolzen. Hoben blieb in seiner Ursprünglichkeit Wismar erhalten. Das heißt nicht, dass die Hobener sich unbedingt als Wismarer fühlen, eher denn als „Hobener“, die ihre Häuser pflegen, hegen und ein wachsames Auge auf die Erhaltung ihres Gesamtdenkmales, als „Wismar verstecktes Kleinod“ haben. Die Ortslage ist erstmalig 1322 als „Koldenhove“ erwähnt. Hier waren an der Wismarer Bucht Bauern angesiedelt, die wohl auch nebenher Strandfischerei betrieben. Im 16. Jahrhundert sind zwölf Grundstücke erwähnt, die während des Dreißigjährigen Krieges dezimiert wurden und ab dem 18. Jahrhundert wieder zwölf Bauerstellen und Katen, wie heute, aufweist. Es gibt eine nicht verbürgte Anekdote zu Hoben, dass Hoben von den umherziehenden Soldaten im Dreißigjährigen Krieg zuerst gar nicht geplündert wurde, weil das kleine Dorf so versteckt lag. Den Wismarer Fischern waren die Hobener wegen ihrer Fischerei ein Dorn im „Auge“. Die Wismarer Fischer hatten das Privileg, Seefischerei zu betreiben.  Sie hatten bis in das 18. Jahrhundert das alleinige Recht in der Wismar-Bucht, bei der Golwitz und im Haff bei Wustrow und in der Wohlenberger und Boltenhägener Bucht zu fischen. Den Bewohnern der am Ufer liegenden Dörfer wurde nur die Strandfischerei gestattet. Die „Bauernfischerei“ ließ sich jedoch nicht aufhalten. Erst ab 1880 gab es einvernehmliche Regelungen und die Hobener Fischer konnten nun unbehelligt ihre lebensnotwendige Arbeit machen. Trotz dieser Konkurrenz entwickelte sich Hoben zu einem Bauern- und Fischerdorf. Letztendlich fingen die Hobener am 13. Juli 1949 einen sich dort „verirrten“ kleinen Walfisch von nahezu drei Meter Länge ein. Dieser wurde bei der Fisch- und Aalräucherei Wesenberg in Wismar ausgestellt. Die Bebauung in Hoben mit seinen Reetgedeckten Häusern, sah doch im Mittelalter gänzlich anders aus. Es werden regelrecht kleine ärmlichen Katen gewesen sein, aber schon damals gab es eben nur zwölf Häuser, die ab dem 17. Jahrhundert doch etwas komfortabler, um- und ausgebaut wurden. Ein Brand von 1860 brachte eine Vielzahl von Zerstörungen, ein Haus war völlig niedergebrannt, aber die Hobener bauten alles wieder auf. Der Zierower Gutsbesitzer Baron Freiherr Heinrich von Biel, prägte zu Beginn des 20. Jahrhunderts weiterhin das Gemeinschaftsgefühl der Hobener. Er war umsichtig und hat durch die Vergabe von je einem Zwölftel des Gemeinschaftslandes die Hobener zur ständigen Diskussion und Einigung gebracht. Teile dieses Gemeinschaftslandes erkennt man noch heute mit den Grünfreiflächen im Dorf und am Strand mit den Stakenplätzen. Es wurde den Erbpachtbauern genau vorgeschrieben, was und wieviel sie anzubauen hatten und die Weidenbäume um und im Dorf waren genau zugeteilt für die Holzgewinnung. Zumeist drei Familien betrieben zusammen einen Fischerkahn, die an Pfählen in der Bucht lagen und über Rollen mit Pferden für den Winter an Land gezogen wurden. Aus heutiger Sicht haben die Hobener schon damals bewusst auf Nachhaltigkeit hingearbeitet. Ihnen ist es zu verdanken, dass in Hoben die Ursprünglichkeit des Mittelalters nicht nur im erhaltenen Wegenetzes erkennbar ist, sondern die Geschlossenheit der Häuser mit einer unveränderten Bebauungsanzahl und die Lage an der Wismar-Bucht machen Hoben zu einem Kleinod. Schon zu DDR-Zeiten gab es ein Denkmalpflegegesetz mit einer zentralen Denkmalliste vom 25. September 1979. Gemäß Einigungsvertrag galt das Gesetz nach der Wende solange als Landesrecht, ehe eine neue Verordnung herauskommt. Am 21. Oktober 1997 beschloss die Bürgerschaft eine neue Verordnung, die unter anderem auch Hoben als Gesamtensemble unter Schutz stellte. Nach 20 Jahren sind die Ergebnisse gut erhaltene Bauten in Wismar, deren Authentizität und Ursprünglichkeit erhalten wurde. In Hoben ist dies ebenfalls zu spüren, wo alte und neue Hauseigentümer mit ihren Mitteln und viel Liebe zum Detail, ihre Häuser und somit das Gesamtensemble erhalten. Dies wird jedoch zurzeit durch einen Hausneubau infrage gestellt ist. Trotz der in der 1997 erlassenen Verordnung sind hier alle Bestimmungen, die für jeden einsichtig sind, auf das gröblichste ignoriert worden. Nach aktueller Rechtsprechung müsste das Haus abgerissen werden. Was über Jahrhunderte gewachsen ist, darf nicht durch Leichtfertigkeit und Egoismus zerstört werden. Die, die dort wohnen, leben und arbeiten, wissen um die Lebensqualität an der Wismar-Bucht. Aber sie wissen auch, dass, wer in einem Denkmal wohnt, sich diesem unterordnen sollte.

Was sonst noch geschah

21. September 1952 Einweihung des Kurt-Bürger-Stadions mit 16.000 Menschen.

25. September 1868 Abriss des Altwismar-Tores.

25. September 2014 Unterzeichnung des Vertrages zur Nutzung von St. Georgen durch die Hansestadt Wismar und den Kirchgemeinden St. Georgen und St. Marien.

26. September 1989 Die Bürgerbewegung „Initiative 89“ wird gegründet.

26. September 1938 Eröffnung des Museums im ehemaligen Logenhaus der Freimaurer in Wismar.

29. September 1541 Michaelistag. Gründung der Großen Stadtschule im Grauen Kloster der Franziskaner.

29. September 1956 Übergabe der Werft-Poliklinik an der Koggenoor an Dr. Walter Heller als ärztlichem Direktor.

30. September 1903 Uhrmachermeister Julius Brunnckow mit 76 Jahren gestorben.  Seit 1871 stellvertretender Vorsitzender der Wismarer Bürgerschaft, Vorsitzender des Wismarer Gewerbevereins. Namensgeber des „Brunnckowkai“ am Hafen.

 

Detlef Schmidt

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

10 + 13 =