Kalenderblatt zum 1. September

Wismars große Erleuchtung…… 

Am 1. September 1857 brannte die erste Wismarer Gaslaterne, die mit Gas vom 1856 erbauten Gaswerk an der Schweriner Chaussee versorgt wurde. Das war für die Wismarer  ein großes Ereignis, denn ansonsten war es abends und nachts auf den Straßen recht finster.

Eine Straßenbeleuchtung wie wir sie heute kennen, kannten die Wismarer  Bürger früherer Jahrhunderte natürlich nicht. Musste ein Bürger ausnahmsweise abends sein Haus verlassen, nahm er eine eigene Laterne mit, um sich zu schützen und zum anderen auf den katastrophalen Zustand der städtischen Straßen zu achten. Ansonsten war es den Wismarern  nach  der  Bürgersprache  von  1373 unter Androhung von “Kerkerstrafe mit Qualeisen” verboten, ohne zwingenden Grund nach Läuten der Wächterglocke, sein Haus zu verlassen.

Den ersten Versuch der Installierung einer Straßenbeleuchtung unternahm man 1820. Diese bestand in großen Laternen die, mit Öl gespeist, an Ketten über den Straßen gehängt wurden. Zur Anschaffung der Laternen wurde das dafür benötigte Geld unter den Bürgern gesammelt und nur die „angesehensten“ Straßen, wie die Lübsche Straße, Krämerstraße, Scheuer-  und Altwismarstraße bekamen solche Laternen. Doch bald ging der Stadt das Geld zur Unterhaltung der neuen Beleuchtung aus und man kehrte zu den mittelalterlichen finsteren Verhältnissen zurück. l827 beschloss dann  der  Rat  und  der  Bürgerausschuss  erneut  die Einführung  einer Beleuchtung. Es  wurde aber  verfügt, „dass  jeder Hausbesitzer schuldig sein solle, die Befestigung der zum Aufhängen nötigen Taue und Ketten an seinem Haus nach Anordnung der zur Errichtung der Straßenbeleuchtung  nieder  gesetzten  Kommission  zu  gestatten”.  Das wurde wohl schnell umgesetzt, denn aus der Wismarer Zeitung vom 26.August 1828 erfahren wir, dass „selbige jetzt vollständig eingerichtet ist”.

Doch schon 1831 war es mit dem Licht wieder vorbei. Im Herbst 1830 hatte sich der Ölpreis derart verteuert (es war alles schon mal da!), dass man sich außerstande sah, die  Beleuchtung  weiter  zu  betreiben. Lediglich  der  Marktplatz wurde durch besondere Geldabgaben weiter notdürftig erhellt. Erst im Herbst 1845 wurde von privater Seite versucht, eine neue Straßenbeleuchtung einzurichten und so wurden im Oktober 1845 wiederum Öllaternen gezündet. Die Wismarer Zeitung schreibt dazu am 3.0ktober1845: „Heute oder morgen wird die große Aufklärung Wismars erfolgen, zu der wir uns freuen, wie die Kindlein zu den Kerzen der Christbäume…”. Zur Speisung der Laternen dienten einer städtischen Kämmereirechnung zufolge rund „4.500 Pfund gereinigtes russisches Naftanöl”. Elf  Jahre  später, am 3. Mai  1857 begann das neue Gaswerk Steinkohlegas zu produzieren und am 1. September 1857 wurden dann die ersten Gaslaternen in Wismar angezündet, die die spärlichen Ölfunzeln ablösten. Das Wismarer Gaswerk ist schon am 29. April 1968 stillgelegt und heute erinnert an die erste Wismarer Industriekultur nur noch das Verwalterhaus in der Schweriner Straße.

Doch es dauerte noch einige Zeit, ehe die Elektrizität in Wismar überall Einzug hielt. Zwar boomte Wismar in den sogenannten „Gründerjahren“ nach 1871 mit einer Reihe von Industrieanlagen, wie Eisengießerei, Hobelwerke, Zuckerfabrik, Schlachthof, Hafen usw., doch man verließ sich in der Energieanwendung ausschließlich auf Gas und die dadurch erzeugte Dampfkraft, die letztendlich Dampfturbinen antrieben und ihre Kraft auf die Maschinen abgaben. Zwischenzeitlich waren neue Elektromaschinenantriebe entwickelt, die Glühlampe lange erfunden und es war nur eine Frage der Zeit, ab wann die Elektroenergie in Wismar Anwendung finden würde. So machte zwar 1892 eine Rostocker „Electricitäts-Centrale“ von sich reden, die in der Schüttingstraße 10 eingerichtet werden sollte und für 500 Glühlampen(!) Kapazität bot. Doch das wurde vom Rat abgelehnt, weil das Konzept einfach nicht stimmte. Erst als 1897 die ehemals private Gasanstalt von der Stadt erworben wurde, baute man diese zum  städtischen Gas- und Elektrizitätswerk um, was man als Geburtsstunde der heutigen Stadtwerke bezeichnen konnte. Das Gaswerk war vorher in privater Hand und erst durch Verschmelzung beider Energiearten, konnte es in den Anfangsjahren zu guten Synergieeffekten kommen. So trieben Gasturbinen in den ersten Jahren Elektrogeneratoren an, die den Elektrostrom in die städtischen Netze einspeisten.

Am 19.April 1904 wurde durch den Wismarer Rat die Genehmigung zu einem kommunalen Elektrizitätswerk erteilt, mit der Kabellegung ist noch im Juli des gleichen Jahres begonnen worden und am 15. Oktober 1904 konnte das Kabelnetz in Wismar unter Spannung gesetzt werden. Seit 1904 ist  Wismar in den größten Bereichen und auch Unternehmen elektrifiziert, wobei sicherlich der Einzug der modernen Energiequelle in den Wohnungen, besonders in den ärmeren, sich in Grenzen gehalten haben mag. Die Abnahme von elektrischem Strom nahm rapide zu, so dass die Gasturbinen erweitert und verstärkt wurden und ab Sommer 1911 bezog man über eine Überladleitung aus Lübeck-Herrenwiek den ersten nicht in Wismar produzierten elektrischen Strom. Damals gab es schon 600 Abnehmer jeder Größenordnung in Wismar. Trotz der Überlegenheit der Elektrizität, hielt man an Gaslaternen und Petroleumlampen fest, denn als man im Winter 1906 die Hafenbeleuchtung immer noch mangelhaft befand, sollten zehn neue Lichtquellen Abhilfe schaffen. Dies genehmigte der Rat und – es wurden drei neue Gaslaternen und sieben Petroleumlampen aufgestellt.

Auf den Straßen, in den Büros und auch in kleinen Werkstätten brannten nach wie vor Gaslaternen, die für Wismar noch bis in die späten fünfziger Jahre nachweisbar waren, als der „Laternenmann“ mit seinem langen Stock abends durch die Straßen ging und die Lampen anzündete, doch die Elektrifizierung mit der höheren Effektivität ließ sich einfach nicht von der Hand weisen.

Die Wismarer Stadtwerke, seit 1990 wieder im überwiegend kommunalen Eigentum, versorgen heute mit den drei Sparten Strom, Gas, Wasser und auch teilweise Wärme die Hansestadt Wismar. Dazu dienen 114 Kilometer Mittelspannungskabel und 378 Kilometer Niederspannungskabel. Die ungeliebte Freileitung ist im Wismarer Straßenbild seit Jahrzehnten verschwunden.  Waren es 1904 rund 600 kleine und mittelgrößere Abnehmer, so sind es mittlerweile nach über 110 Jahren weit über 30.000 Kunden die die Stadtwerke alleine nur mit Strom, zwar nicht mehr in Wismar produziert, versorgen.

Was sonst noch geschah

  1. September 1945 Ehemalige Kaserne in der Mühlenstraße als drittes Krankenhaus in der Stadt eröffnet.
  2. September 1969 Gründung der Ingenieurhochschule Wismar.
  3. September 1946 Die erste neu gewählte Stadtverordnetenversammlung nach dem II. Weltkrieg tritt im Saal des Hotel „Zu Sonne“ zusammen.
  4. September 2011 Einweihung des Kundencenter der Stadtwerke Wismar im alten Güterschuppen von 1847 (ehem. Bahnhof).
  5. September 1955 Eröffnung der Fachschule für Bauwesen.
  6. September 1902 Seebad Wendorf wird städtisches Eigentum.
  7. September 1950 Gründung des Tanzensemble der Werft, daraus gingen die „Danzlüüd ut Wismar e.V. von 1990“ hervor.
  8. September 1950 Gründung des Chores der Hansestadt Wismar.
  9. September 2005 Einweihung des Seniorenwohnprojektes der Diakonie „St. Martin“ in der Papenstraße.
  10. September 1921 Antrag bei der Stadtkämmerei in Dargetzow, Wohnhäuser zu errichten.
  11. September 2011 Die Evangelische Schule Wismar erhält den Namen des am 19. April 1951 im NKWD-Gefängnis in Schwerin umgekommenen Pfarrers Dr. Robert Lansemann.
  12. September 1928 Einweihung des Feuerwehrdepots an der Frischen Grube 13.
    6. September 1259 Schutzbündnis zwischen Lübeck, Rostock und Wismar. Beginn des Wendischen Quartiers der Hanse.
  13. September 1925 Gründungsversammlung der Niederdeutschen Bühne Wismar.

Detlef Schmidt

 

 

 

 

 

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