Kalenderblatt zum 10. Juli

 

Wismarer Schützen haben eine jahrhundertealte Tradition

Am 10. Juli 1745 gründete sich die Wismarer Schützenzunft des „zweiten Standes“. Sie bildeten somit eine Zunft, die sich von den Kaufleuten unterschied. Ihren Schießplatz hatten sie vor dem Altwismartor bei Karlsdorf. Karlsdorf war ein Bauern

gehöft. Es befand sich dort, wo jetzt ein Autohaus in der

Rostocker Straße steht. Leider geraten diese unmittelbar an der Stadt angrenzenden Umlandorte mehr in Vergessenheit, wie Bernittenhof, Schwartzkopfenhof und Gustavshof und weitere. Doch das ist eine andere Geschichte.

Noch waren die Schweden „Herrscher“ in Wismar und so verpachtete der schwedische König der Wismarer Schützengilde die Schützenkoppel vor dem Mecklenburger Tor für eine Jahrespacht von 30 Taler. Hier waren schwedische Festungsanlagen errichtet, die nach dem Nordischen Krieg ab 1721 laut Friedensvertrag zerstört werden mussten und. So kam noch etwas Geld in die „Staatsschatulle“. Für Wismar kann man als ersten Nachweis für die Schützen, die Abbildung eines Vogels im ältesten Stadtwappen auf dem Bugspriet eines Schiffes erkennen. Wahrscheinlich ein Papagei, ist er auch der Namensgeber der „Papagoyengesellschaft“, die mit den Brauern und Kaufleuten im „Neuen Haus“ hinter dem Rathaus ihren Sitz hatten. Vermutet wird, dass der Vogel im Wismarer Wappen auf die Papagoyengesellschaft zurück geht. Daraus kann man erkennen welchen hohen Stellenwert diese Vereinigung hatte. Später entwickelte sich die „Kaufmanns- und Papagoyengesellschaft“, wie sie noch 1784 genannt wird und bis 1945 als „Kaufmanns-Compagnie“ existierte. Wie notwendig eine Schützengesellschaft ist, zeigt eine Episode von 1511. Dort erschienen plötzlich mitten im schönsten   Pfingstmarkttrubel   die   Dänen mit 20 Schiffen vor dem Hafen. Der Türmer von St. Marien merkte dies, und alarmierte die Bürgerwehr, die zwar alles etwas betrunken waren, aber die Dänen schnell vertrieben. Die Mitglieder der Wismarer „Papagoyengesellschaft“ der Kaufleute und Brauer bildeten die Wismarer Schützen. Sie übten regelmäßig und einmal im Jahr trafen sie sich im Mai zum Vogelschießen. Ein aufgemalter Vogel stellte das Ziel dar. Zuvor wurde der „Maigraf“ gewählt, der wiederum die maßgebliche „Jury“ war und den Schützenkönig mitb

estimmte und bewirtete. Gefeiert wurde im „Neuen Haus“ Hinter dem Rathaus 15, dass auch als städtisches Festhaus diente. Das allgemeine Volk man im Rosengarten, der sich im Bereich des heutigen Lindengarten befand.

Neben der Papagoyengesellschaft gab es schon vor 1527 die Schützengesellschaft der Krämer, die 1682 als St. Annenbruderschaft vom schwedischen König eine Prämie von 100 Talern und ein Fass Bier. Zudem war der Sieger ein Jahr von der Steuer befreit.

Ihre Schießübungen machten sie auf dem Lehmberg an der Straße nach Dargetzow. Der Lehmberg erhielt auch zeitweise den Namen „Vogelstangenberg“. Der Schützenkönig hatte die Pflicht, bis spätestens eine Woche nach Pfingsten ein Essen zu geben und eine Tonne Bier zu spendieren, was mit 100 Talern wohl keine Schwierigkeit bereiten sollte. Die St. Annenbruderschaft begann erst 1819 in Bernittenhof mit dem Vogelschuss. Im November 1823 kam es zu einer Vereinigung der Wismarer Schützen, dass sie mit einem Festessen am 27. Juli 1824 im noch nicht ganz fertig gestellten Schützenhaus an der Schweriner Chaussee feierten. Die nunmehr 87 Schützen begingen am 29. Juli 1824 den ersten gemeinsamen feierlichen Königsschuss. Das Schützenhaus wurde von den Wismarern sehr gerne als Ausflugslokal aber auch für gesellschaftliche Anlässe wie Bälle aber auch politische Veranstaltungen angenommen. Der hinführende Weg neben der nach Schwerin führenden Chaussee wurde folgerichtig Schützenweg genannt. Leider wurde der Weg am 19. August 1949 in Ernst-Thälmann-Straße umbenannt, eine Bezeichnung, die ab 1954 für die gesamte Schweriner Straße angewendet wurde. In das seit 1992 leerstehende Schützenhaus zog am 1. April 2014 die Kindertagesstätte „Hanseatenhaus“ ein.

Eine der ersten Vereinsgründungen, war der „Schützenverein Hanse e.V.“ am 28. März 1990 mit 14 Mitgliedern. Vorbei die Zeiten, als man ihnen „militärisches Gehabe und reaktionäre Einstellungen“, wie in der DDR, unterstellte, wo man vom Kindergarten ab, militärisch beeinflusst wurde. Die Wismarer Schützen sind seitdem nicht mehr aus dem Erscheinungsbild wegzudenken. Kaum ein Ereignis, wo die schmuck gekleideten Schützen nicht auftreten. Ein Fest ohne die Schützen wäre undenkbar. Aktuell hat der Wismarer Schützenverein 80 Mitglieder. In ihrem Schützenhaus an der Poeler Straße wird neben Übungen auch das Brauchtum und das kulturelle Erbe Wismarer Schützen gepflegt, das unserer Stadt gut ansteht. 1998 gründeten sie die „Militärhistorischen Einheiten“, die als mecklenburgische Musketiere und schwedische Grenadiere ein farbenfroher Botschafter unserer Hansestadt Wismar sind.

Was sonst noch geschah

10. Juli 1992 Eröffnung des Wismarer Frauenhauses.

10. Juli 2000 Kiellegung der Poeler Kogge.

11. Juli 1311 Heinrich der Löwe von Mecklenburg greift Wismar an, um seinen Stammsitz einzurichten.

12. Juli 1848 Inbetriebnahme der Eisenbahn nach Schwerin

12. Juli 1924 Die Wismarer Kaufmanns-Kompagnie eröffnet ihr neues Haus in der Lübschen Straße 21/23.

12. Juli 1963 Internationales Radrennen auf dem Hanseatenring.

14. Juli 1949 Bei der Fischräucherei Wesenberg wird ein 2,60 Meter lange Walfisch ausgestellt, der in der Bucht bei Hoben gefangen worden ist.

18. Juli 1956 Inbetriebnahme der größte Kali-Kippanlage Deutschlands.

20. Juli 1947 Der Rat der Stadt ruft an Sonntagen die Bevölkerung zu Torfsticharbeiten auf. Beteiligte erhalten je 3 Zentner Torf für die Familie kostenlos.

 

Detlef Schmidt

 

 

 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

20 + 8 =