Kalenderblatt zum 10. Mai

„Uns Fritzings“ würdiger Ort
Fritz Reuter hat in der Dahlmannstraße besonders viele Denkmale

Am 10. Mai 1988 wurde die Büste von Fritz Reuter vor die Fritz-Reuter-Schule aufgestellt. Sie hatte bis dahin schon zwei verschiedene Standorte. Ursprünglich stand sie im Lindengarten am Hauptweg gegenüber dem Zu-gang von der Gerberstraße in einiger Entfernung von dem am 8. Dezember 1873 nach einem Entwurf des Wismarer Baumeisters Heinrich Thormann eingeweihtem Kriegerdenkmal. Das Denkmal ist für die Gefallenen aus dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 errichtet, und 1974 „über Nacht“ ent-fernt worden. Die Fritz-Reuter-Büste wurde vom Berliner Bildhauer Fried-rich Zimmermann 1897 für Auguste Hinstorff, Witwe des Verlegers Hinst-orff, geschaffen, die sie der Hansestadt Wismar zum Geschenk übergab. We-gen Umbauarbeiten des Lindengartens musste das Reuter-Denkmal 1933 in eine etwas vergessene Ecke an der Giebelseite zur Bauhofstraße 7 umziehen.
Dort lag es sehr versteckt und auch die Büsche ließen kaum Sicht zu. Auf Wunsch der Fritz-Reuter-Schule mit ihrem damaligen hochgeachteten Direk-tor Joachim Ritter, stimmt der Wismarer Stadtrat für Kultur, Wolfgang Voß, gemeinsam mit der Denkmalpflege dem Vorhaben zu. Für die Schule war die Aufstellung der Fritz-Reuter-Büste eine große Anerkennung, umso größer war das Entsetzen, dass 1990 diese Büste dem Vandalismus zum Opfer fiel. Der Wismarer Denkmalpflege gelang es jedoch in kürzester Zeit, diese fach-gerecht wieder instand zu setzen. Heute steht Fritz Reuter vor der Reuter-Schule, als stünde er hier schon mehr als einhundert Jahre. Die Dahlmann-straße hat mit Fritz-Reuter-Platz und Reuter-Eiche insgesamt drei Denkmale für den großen niederdeutschen Dichter. Aber es befinden sich in der Dahl-mannstraße auch drei, von in der Zeit zwischen 1880 und 1907 gebauten sechs Schulneubauten Wismars, die sich immer noch nach notwendigen Um-bauten für den heutigen Schulbetrieb eignen. Das war sicherlich damals auch ein großer finanzieller Kraftakt, der aber unbedingt notwendig war, da die Stadt, hier dringenden Nachholbedarf hatte. Wenn man sich heute die Standorte der Schulen ansieht, so sind sie alle in einer, zumindest damals, ruhigen Umgebung mit sehr viel Grün angesiedelt, was mit Bestimmtheit kein Zufall war, sondern durchaus gewollt.
1888 beschloss der Wismarer Rat nach Vorbild der 1880 neu erbauten Knaben-Bürgerschule, eine Mädchen-Bürgerschule zu errichten. Der Schul-bau am Ende der ehemaligen „Reiferbahn“, der heutigen Dahlmannstraße begann 1890 unter Leitung des Wismarer Architekten Gustav Dehn. Am 1. April 1891 konnte die Mädchen-Bürgerschule ihrer Nutzung übergeben wer-den. Doch die ersten Schüler kamen aus der Großen Stadtschule, da diese ebenfalls neu gebaut wurde und hier für ein Jahr Unterricht hatten. Ostern 1892 nahmen dann 657 Schülerinnen den Unterricht in ihrer neuen Schule auf.
Zwischen 1910 und 1930 hatte die Schule regen Zulauf und es wurden sogar zweizügige Klassenstufen eingerichtet. Man zog damals in Erwägung, das Schulhaus mit dem Ausbau des Dachbodens zu erweitern und plante den Bau einer Turnhalle. Beides konnte aufgrund der Kosten für die damalige Zeit nicht mehr realisiert werden. Lediglich im Keller wurde 1932/33 eine Küche durch den evangelischen Frauenverein errichtet. Mit der Machtergreifung der Nazis 1933 kam es auch im Bildungsbereich zu massiven Eingriffen mit ideologischen Verwerfungen. Schülerinnen der 1. und 2. Klasse „erba-ten“ vom jetzigen, erst am 8. März 1933 eingesetzten neuen Rat, die Umbe-nennung der Mädchen-Bürger-Schule in „Adolf-Hitler-Schule“, dem am 2. April 1933 auch stattgegeben wurde.
Nach der Befreiung von der braunen Diktatur erhielt die Schule sofort wie-der ihren alten angestammten Namen. Dieser war jedoch dem neuen Wisma-rer Rat, der die jetzt nun aktuelle sozialistische Ideologie vertrat, nicht mehr zeitgemäß. Am 15. Oktober 1948 beschloss die Wismarer Stadtverordne-tenversammlung die Umbenennung der Mädchen-Bürgerschule in „Fritz-Reuter-Schule“, die heutige „Grundschule Fritz Reuter“.

Was sonst noch geschah
10. Mai 1989 Das endgültige Wahlergebnis der letzten DDR-Kommunalwahl vom 6.5.89 bestätigt 137 Abgeordnete und 46 Nachfolgekandidaten zur Stadtverordnetenversammlung Wismar. Es gab zwölf Bürgereingaben gegen die Wahl.
12. Mai 1945 Die Engländer veranstalten eine Siegesparade auf dem Markt.
12. Mai 1950 Erstes Schiff an der neuen Kaliverladeanlage, der modernsten Europas, beladen.
13. Mai 1984 Besuch von Delegierten der in Rostock vom 12.5.-18.5.1984 stattfindenden Tagung Welt-ICOMOS-Rates in Wismar.
13. Mai 1785 Historiker Friedrich Christoph Dahlmann in Wismar geboren.
14. Mai 1881 Rudolph Karstadt eröffnet sein erstes „Tuch-, Manufactur- und Confectionsge-schäft“ in der Krämerstraße 7 unter dem Namen seines Vaters Christian.
14. Mai 2001 Der Rudolph-Karstadt-Platz erhält seinen Namen.

Detlef Schmidt

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