Kalenderblatt zum 10. September

In Wismar wurde die erste Bürgerstiftung gegründet

Am 10. September 1998 erhielt die „Bürgerstiftung der Hansestadt Wismar“ vom Innenminis-terium Mecklenburg-Vorpommern die Genehmigung für das Stiftungsgeschäft, nachdem am 5. August 1998 das Finanzamt Wismar eine vorläufige Bescheinigung ausgestellt hatte. Nicht immer reichen kommunale finanzielle Mittel aus, um soziale Bereiche zu unterstützen, die da-zu beitragen, Wismar lebens- und liebenswert zu erhalten. Das war der Grund, eine Bürgerstif-tung ins Leben zu rufen.
Die Bürgerstiftung der Hansestadt Wismar ist eine rechtsfähige gemeinnützige Stiftung bür-gerlichen Rechts zur Förderung sozialer, kultureller und sportlicher Belange. Mit dem Stif-tungsgeschäft, d.h. der Zusammenkunft der Gründungsstifter am 16. August 1998, wurde sie von 84 Stiftern und einem Stiftungskapital von 267.294,11 DM als erste Bürgerstiftung in den neuen Bundesländern ins Leben gerufen. Die Genehmigung durch die Stiftungsaufsicht er-folgte am 10. September 1998. Somit gilt dieses Datum auch als Gründungsdatum.
Durch die Bürgerstiftung Wismar werden ausschließlich Projekte und Maßnahmen begleitet und finanziell unterstützt, die im Interesse der Hansestadt Wismar und ihrer Bürger liegen. Somit ist sie eine echte Bürgerstiftung, die von Bürgern getragen und für Bürger arbeitet. Alle Tätigkeiten in und für die Stiftung werden ehrenamtlich geleistet. Jährlich erhalten viele Ver-eine, Organisationen oder auch Einzelpersonen aus der Hansestadt Wismar nach sorgfältiger Prüfung durch Stiftungsvorstand und Kuratorium, Zuwendungen, das aus den jährlichen Zinserträgen des Stiftungskapitals gewonnen wurde. Über 700 Zustifter sind seit der Grün-dung hinzugekommen.
Stiftungen haben in Wismar eine jahrhundertealte Tradition und sind Ausdruck eines sozialen Bürgerengagements. Für viele Berufsgruppen, vom Handwerker, dem Kaufmann, bis hin zu den Fischern und Seeleuten, wurden Stiftungen gegründet, die zumeist sozialen Charakter haben. Viel Not wurde dadurch im Alter gemildert. Noch heute sieht man an einigen Häusern Inschriften, die auf die ursprünglichen Stifter hinweisen, wie die „Gebrüder-Meyer-Stiftung“ Am Schilde, oder das „Schwartzkopffsche Gasthaus“, das 1873 in der Baustraße neu gebaut wurde, aber schon 1487 durch den Ratsherrn Schwartzkopff als einer der ältesten Privatstif-tungen für „arme Leute aus rechtschaffenem Stande“ gegründet wurde. Es gab Stiftungen zur Absicherung im Alter und bei Krankheit. So gab es die „Fräulein Amalie Burmeister Stif-tung“, die sich für „hülfsbedürftige“ Augenkranke einsetzte. Die „Heinrich Podeus-Stiftung“ setzte sich für die Arbeiter in ihren Unternehmen ein. Das „Rüdemann´sche Testament“ be-dachte die Unterhaltung des Armenhauses und zur Unterstützung Armer. Das „Mauesche Legat“ war für Arme über 60 Jahre gedacht. Die „von Bassewitz´sche Stiftung“ nahm sich besonders den „verschämten“ Armen an.
Da Wismars Stiftungen zumeist mehrere Jahrzehnte und Jahrhunderte bestanden, konnten sie aus den Zinsen teilweise eine sehr gute Unterstützung geben, wovon vielfach die Armen der Gesellschaft profitierten. Natürlich konnten die Unterstützten damit keine „großen Sprünge“ machen, aber für Essen und Trinken, Wohnen und Gesundheit wurde gesorgt. Das „Krämer-witwenhaus“ in der Bliedenstraße wurde 1846 erbaut und geht auf eine Stiftung der Familie Velthusen von 1742 zurück. Die Erben des Ratsherrn Velthusen gründeten am 21. Oktober 1742 die Velthusensche Stiftung, aus deren Kapital eben das Krämerwitwenhaus in der Bliedenstraße erbaut werden konnte. Das Krämerwitwenhaus wurde 2001 umfassend durch die Vereinigten Stiftungen der Hansestadt Wismar saniert. Diese Stiftung besteht aus 68 ehe-maligen Wismarer Einzelstiftungen, die gemäß Verfügung der Landesregierung Mecklenburg- Vorpommern vom 14. August 1951 zu einer Stiftung zusammengefasst wurden. Zweck der Stiftung ist es, die Erträge des Stiftungsvermögens zur Unterstützung bedürftiger Personen, die ihren Wohnsitz in der Hansestadt Wismar haben, zu verwenden. Der Stiftungszweck wird insbesondere durch die Bewirtschaftung der stiftungseigenen Immobilien und Grundstücks-flächen verwirklicht.
Es gibt weitere Stiftungen neuerer Zeit, die an die Stiftungstradition in Wismar anknüpft sind, so die Hochschul-Stiftung, die Bürgerstiftung der Volks- und Raiffeisenbank, die Sparkassen-Stiftung und auch die „Anne-Zangemeister-Stiftung“, die am 20. Oktober 2007 als rechtsfä-hige Stiftung bürgerlichen Rechts zum Erhalt des Museums Schabbelhaus gegründet wurde. Diese Stiftung ist nach Anne Zangemeister, einer Wismar-Verehrerin, benannt und verfügt über 200.000 Euro.
Neu ist die „Wismarer Sportstiftung“, die am 25. August 2014 als Treuhandstiftung der Bür-gerstiftung der Hansestadt Wismar gegründet wurde und die sich, wie schon der Namen aus-drückt, insbesondere für die Entwicklung des Sportes einsetzt. Zu den Wismarer Stiftungen muss man auch die Mecklenburger „AnStiftung“ mit Sitz in Wismar zählen. Hier wird Bür-gerengagement für die Zukunft von Mecklenburg-Vorpommern mobilisiert und Strategiede-batten organisiert, die Netzwerke schaffen und Ideen zu Initiativen werden lassen.
Ziel der Hochschulstiftung ist es, Maßnahmen zu fördern, die die hohe Qualität von Lehre und Forschung an der Hochschule Wismar langfristig sichern. Die „Bürgerstiftung der Hanse-stadt Wismar“ konnte zu ihrem 10jährigen Jubiläum am 14. Oktober 2008 Bundespräsident Horst Köhler begrüßen. Seit dem 16. Mai 2014 sind auf einer sogenannten Stiftertafel alle Stifter der letzten Jahre aufgeführt. Auch das ist eine Tradition in der Hansestadt, um das Bürgerengagement öffentlich zu ehren. Der Stiftung stehen ein Vorstand mit Gerhard Raabe und ein Kuratorium mit Detlef Schmidt als Vorsitzende vor, deren Gremien regelmäßig tagen und über die Fördermittelanträge eingehend beraten. Über 200 Projekte konnten so seit der Gründung unterstützt werden. Zustifter kann gern jedermann und auch mit kleinen Beiträgen werden.

Detlef Schmidt

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