Kalenderblatt zum 11. Dezember

Dr. Hugo Unruh – ein verdienstvoller Mediziner

Am 11. Dezember 1854 wurde im mecklenburgischen Sudenhof bei Hagenow Hugo Unruh geborengeboren. Sein Vater war der Pächter des Gutes Sudenhof, der 1910 in Wismar ver-starb. Hugo Unruh studierte an der Universität Greifswald Medizin, das er 1878 mit der Pro-motion abschloss. Nach einigen Jahren als Assistenzarzt in Greifswald und in Chemnitz be-gann er eine kurze Tätigkeit als Schiffsarzt. Doch schon 1882 ließ er sich in der Wismarer Großschmiedestraße 5 als praktischer Arzt nieder. Hier heiratete er 1886 Auguste Crull, Toch-ter des Wismarer Ingenieurs Friedrich Crull, Enkelin des Wismarer Stadtphysikusses Dr. Franz Crull und Nichte des Wismarer Arztes und Historikers Dr. Friedrich Crull. Auguste Unruh, geborene Crull, verstarb nach einjähriger

Dr. Hugo Unruh – ein verdienstvoller Mediziner

Ehe mit 21 Jahren und Hugo Unruh blieb bis zu sei-nem Tod Witwer. Er hatte zwar noch ein Verlöbnis mit Frieda Crull, die jüngere Schwester seiner verstorbenen Frau, die jedoch als seine Braut im Alter von 30 Jahren 1898 verstarb.
Rasch hatte sich die umsichtige Arbeit und Fähigkeit des Mediziners Unruh in Wismar ver-breitet und so wurde er am 1. Oktober 1888 zum Kreisphysikus für den Medizinalbereich Wismar durch den Rat berufen. Hauptaugenmerk war für ihn die Verbesserung der medizini-schen Hygiene und als große Bewährungsprobe kann die 1892/93 in Norddeutschland einset-zende Choleraepedemie angesehen werden. Zwar waren nur drei Fälle bekannt geworden, wovon zwei Personen an dieser Erkrankung verstarben, doch umsichtig ließ er auf der Insel Walfisch in der Wismar-Bucht eine Quarantänestation einrichten. Er wollte sofort die Er-krankten isolieren, damit diese keine weitere Ansteckungsgefahr wurden. Auf Walfisch hatten sich alle den Wismarer Hafen einlaufenden Schiffe zu melden, die dann vor Weiterfahrt nach Auffälligkeiten untersucht werden. Den weitsichtigen Vorsichtmaßnahmen und energischer Durchsetzungskraft von Dr. Hugo Unruh ist es zu verdanken, dass die Cholera in Wismar nicht weiter um sich griff.
Als Kreisphysikus unterstand ihm auch das Wismarer Krankenhaus am Katersteig, das 1833 im ehemaligen Refektorium des Schwarzen Klosters der Dominikanermönche eingerichtet worden war. Dieses Gebäude genügte in keiner Hinsicht mehr den Ansprüchen einer guten, dem damaligen Standard entsprechenden medizinischen Versorgung. Die Aufnahmekapazität des Hauses war völlig erschöpft und auch die hygienischen Bedingungen genügten in keiner Weise. Wismar hatte um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert etwa 20tausend Einwoh-ner, die stetig durch die zunehmende Industrialisierung weiter anstieg. Hinzu kamen Patienten aus dem Umland.
Dr. Unruh setzte sich unentwegt für einen Krankenhausneubau ein und nicht zuletzt wegen seiner Hartnäckigkeit aber besonders durch seine Fachlichkeit, konnte er die Wismarer Bürger-schaft für einen Neubau überzeugen. Anfang 1907 wurde dann der erste Krankenhausneubau in der Geschichte Wismars im südlichen Bereich von Wismar an der ehemaligen schwedischen Befestigung „Dahlberg“ begonnen. Der „Dahlberg“ ist nach dem schwedischen Festungsbauer Graf Erik Dahlberg benannt. Das Krankenhaus befand sich somit am Stadtrand und am Rand der neuen Bebauung um den Turnplatz und den Turnerweg. Hier war die Bebauung schon weitestgehend abgeschlossen und der Standort des neuen Krankenhauses versprach auch die notwendige Ruhe für die Patienten.
Am 25. Mai 1909 konnte dann das neue städtische Krankenhaus seiner Bestimmung überge-ben werden. Hier befanden sich helle große Patientenräumlichkeiten, eine Desinfektionsanstalt und auch eine abgeschlossene Abteilung für Patienten mit ansteckenden Krankheiten. Das Krankenhaus trug eindeutig die „Handschrift“ des energischen Wismarer Mediziners Dr. Hugo Unruh, der bis 1919 dieses Haus leitete. Am 9. April 1918 erhielt er den Ehrentitel „Ge-heimer Medizinalrat“ verliehen.
Trotz schwerer Erkrankung versah Dr. Hugo Unruh bis zu seinem Tod am 18. Februar 1923, seinen Dienst als Kreisarzt des Medizinalbereiches Wismar. Er starb mit 69 Jahren in seiner Wohnung Lindenstraße 54. Im Krankenhaus Dahlberg war im Eingangsbereich jahrzehntelang eine Plakette mit dem Bild von Dr. Unruh zu sehen, die aber auch nun schon seit Jahrzehnten verschwunden ist.
Das alte Krankenhaus von 1833 diente nach Inbetriebnahme des neuen Krankenhauses am „Dahlberg“ als „Siechenhaus“, das heißt, hier fristeten alte Menschen förmlich ihre letzten Jahre. Erst 1979 konnte ein neues Alters- und Pflegeheim im Bereich Friedenshof diesem Missstand ein Ende bereiten und seit 2002 ist im ehemaligen Refektorium der Dominikaner-mönche ein modernes Wohnhaus für pflegebedürftige Bürger eingerichtet worden, dass ein würdiges Leben der letzten Lebensjahre ermöglicht.
Dr. Unruh ist den Wismarern in guter Erinnerung als Initiator des Krankenhauses am „Dahl-berg“, doch seine Verdienste nur darauf zu reduzieren, würde ihn nicht gerecht werden lassen. Die Bürger der Hansestadt Wismar ehrten ihren großen Arzt 1924 mit der Benennung einer Straße in unmittelbarer Nähe seiner alten Wirkungsstätte am „Dahlberg“. Das Wismarer Be-zirkskrankenhaus beschloss 1975 einen Dr.-Unruh-Preis für Mediziner mit besonderen wis-senschaftlichen Leistungen und Arbeit auszuloben. Am 11. Oktober 1976 überreichte der da-malige Ärztliche Direktor, Prof. Dr. Hans Wilcken den Dr.-Unruh-Preis erstmalig an die Me-diziner Dr. Strantz, Dr. Jacobi und Dr. Nauwald. Seit dieser Zeit wird der Dr.-Unruh-Preis kontinuierlich vergeben.

Was sonst noch geschah
11. Dezember 1989 Auf Anweisung der Regierung der DDR werden alle Kreisdienststellen des MfS sofort aufgelöst.
11.Dezember 1989 Erstmals fordern Bürger auf einer Montagsdemonstration des Neuen Fo-rums in Wismar auf dem Marienkirchplatz die Wiedervereinigung.
11.Dezember 1990 Bundespräsident Richard von Weizsäcker ist in Wismar zu Gast.
13.Dezember 1849 Carl Dethloff Hinstorff bekommt in Wismar vom Rat die Zulassung als Bürger und Buchhändler.
13.Dezember 1989 Eine erst am 21. Juni 1989 an den ehemaligen SED-Kreisparteisekretär Karl-Heinz Kalusche (8.12.1925 – 31.1.1999) verliehene Ehrenbürgerschaft gab dieser zurück.
13.Dezember 1997 Bundespräsident Roman Herzog zur Fernsehweihnachtssendung in St. Nikolai.
13.Dezember 2012 Bürgerschaft beschließt die Gesamtsumme für Theatersanierung von 5.040.000 Euro.
14.Dezember 1905 Benennung der Kanalstraße und der Runden Straße.
14.Dezember 1923 Die Wismarer Kaufmanns-Kompagnie erwirbt die Häuser Lübsche Straße 21/23 vom im Mai 1923 verstorbenen Justizrat Oskar Lembke. Es wird am 12. Juli 1924 als „Haus der Kaufmanns-Kompagnie“ eingeweiht.
15. Dezember 1815 Die neue Anlage vor dem Altwismartor, erhielt am 5. Dezember 1815 durch eine Zeitungsveröffentlichung den Name „Lindengarten“.
15. Dezember 2012 Bundespräsident Joachim Gauck zur Sendung „Weihnachten mit dem Bundespräsidenten“ des ZDF in St. Georgen.
16. Dezember 1918 Mit der neuen Ortssatzung wird der Unterschied zwischen Bürgern und Einwohnern abgeschafft.
17. Dezember 2002 Das Wismarer Amtsgericht übernimmt den komplett sanierten Fürstenhof nach mehrjähriger Abwesenheit (seit 28. Februar 1997 im Diamanthof untergebracht) und am 14. Februar 2000 begonnenen Bauarbeiten.
18. Dezember 1918 Obst- und Gartenbauverein für Wismar und Umgebung gegründet.
18. Dezember 1990 In der Nacht zum 19.12.90 bricht im Wismarer Rathaus ein Brand, ausge-löst durch einen Schornsteinbrand, aus.
19. Dezember 1941 Der Wismarer Rat nimmt die Erbschaft der am 22. August 1941 verstor-benen Lilly Michaelis an, das Haus Hinter dem Rathaus 3 („Der Weinberg“) dauernd zu über-nehmen, zu erhalten und teilweise museal zu nutzen.

Detlef Schmidt

 

 

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