Kalenderblatt zum 12. Juli

Mit der Eisenbahn bekam Wismar den Anschluss an die weite Welt
Am 12. Juli 1848 wurde die Eisenbahnlinie Wismar-Schwerin eröffnet

Am 12. Juli 1848 erhielt Wismar mit der Fertigstellung der Strecke zwischen Wismar und dem Flecken Kleinen den lange ersehnten Anschluss an das deutsche Eisenbahnnetz.
Nachdem am 7. Dezember 1835 die erste mit Dampf betriebene Eisenbahn die Strecke von Nürnberg nach Fürth eröffnete, wurde man auch in anderen deutschen Teilstaaten aufmerk-sam. Schon unter dem 1835 verstorbenen tatkräftigen Wismarer Bürgermeister Haupt entstan-den erste Bestrebungen, eine Eisenbahnstrecke in Richtung Boizenburg zu bauen. Damit hätte man Anschluss an die hannoverschen und preußischen Strecken gehabt. Damit wurde die Wichtigkeit einer Nord-Süd Verbindung unterstrichen, die noch heute nichts von ihrer Aktua-lität eingebüßt hat. 1836 wurden mit den ersten Vermessungsarbeiten begonnen, wozu am 22. Februar 1836 der Wismarer Louis Frege, der 1845 Ehrenbürger wurde, in Wismar das Ei-senbahnkomitee gründete. Doch das Vorhaben geriet wegen des Eisenbahnbaus Berlin – Hamburg ins Stocken. Die Wismarer erkannten sehr wohl die Chance einer Eisenbahnverbin-dung in das Hinterland und stellten zum Bau einer Eisenbahnstrecke umfangreiche Ländereien zur Verfügung und erklärten sich auch bereit ein Aktienpaket von 150.000 Talern zu über-nehmen. Leider hat dies alles nichts genützt und andere Strecken erhielten den Vorrang. Von Schwerin wurde eine Strecke nach Rostock über das Dorf Kleinen gebaut und legte somit den Grundstein für den später wichtigen Eisenbahnknotenpunkt Bad Kleinen. Von hier aus ist dann die Strecke nach Wismar als sogenannte Nebenstrecke eingerichtet worden. Am 1. Mai 1846 begannen im Wismarer Stadtbereich die Erdarbeiten am Platter Kamp. Die Arbeiten gin-gen zügig ohne Verzug voran und so konnte mit festlichem Empfang der erste Eisenbahnzug von Schwerin kommend am 12. Juli 1848 in Wismar begrüßt werden. Über eine Probefahrt berichtet eine Zeitung: „Am vorgestrigen Tage befuhr zum ersten Mal die Lokomotive die Eisenbahn von hier nach Wismar. Für Wismar ein Ereignis! Der Lokomotive, geschmückt mit Fahnen und Kränzen, waren Personenwagen angehängt…. Um 8 Uhr Morgens fuhren wir ab, sehr vorsichtig und langsam; gegen 10 Uhr waren wir in Wismar…“
Der erste Fahrplan von 1848 hatte drei ankommende Züge und drei abgehende Züge ver-zeichnet und die Fahrzeit nach Schwerin betrug gut eine Stunde. In Wismar kamen die Rei-senden in ein zunächst provisorisches „Empfangsgebäude“ gegenüber der Grubenmühle unter. Die Lokomotive und die Wagen wurden über den 1847 errichteten Güterschuppen umgeleitet, denn Wismar war und blieb zum Leidwesen vieler Wismarer ein sogenannter „Sackbahnhof“. Der ehemalige Güterschuppen beherbergt seit dem 1. September 2011 das Kundencenter der Stadtwerke und private Unternehmen. Am 1. Juli 1857 konnte dann das neue repräsentative Bahnhofsgebäude eingeweiht werden und nur Teile der Stadtmauer trennten die Eisenbahn von der Stadt. Deshalb „bröckelte“ hier die Stadtmauer zuerst. Wismar blieb an einer Neben-strecke und noch heute gibt es keine Direktverbindung nach Lübeck. Nach Rostock kam die erste Verbindung im Dezember 1883. Wichtig für die Erschließung des wirtschaftlichen Hinterlandes war die 1887 eröffnete Strecke Wismar-Karow, die wegen der überquerenden Au-tobahn A 20 seit 1998 stillgelegt wurde.
1890 entstand der heute unter Denkmalschutz stehende Ringlokschuppen. Dieser gehörte ab 1935 zum damals gegründeten Bahnbetriebswerk Wismar, das am 31.Dezember 1993 seinen Betrieb einstellte. Heute kümmert sich der Verein „Eisenbahnfreunde Wismar e.V.“ um die Geschichte und Erhalt der Bahnanlagen. Wie wichtig die Eisenbahn für Wismar war, zeigt die 1893 von Heinrich Podeus mit seinem Sohn Paul gegründete Eisenbahnversuchsanstalt, in der 1895 der erste Eisenbahnpersonenwaggon gefertigt wurde. 1917 kam hier der 100.000 Waggons aus der Produktion. Der Hafen expandierte ebenfalls und so wurden vor dem Bahnhofsgebäude ein Teil der Hafengeleise gelegt. Um einen reibungslosen Zugang zu den Bahnsteigen zu haben erfolgte der Neubau eines Bahnhofempfangsgebäudes, das am 15. November 1908 mit der Unterführung und einer „Koffertransportanlage“ fertiggestellt wurde. „Schön ist er nicht geworden“, mäkelten damals schon einige Zeitgenossen an diesem Bauwerk herum. Die Überdachung für die neue Bahnhofshalle wurde aus Rostock geliefert. Dort hatte man die alte Überdachung des Friedrich-Franz-Bahnhofes abgerissen und man fand sie für Wismar noch ganz „passabel“. Ein Buchhändler eröffnete 1906 auf dem Bahnhof sein Geschäft und 1907 wurde der erste Fernsprecher auf dem Bahnsteig aufgestellt.
Der Fußgängertunnel in der Rostocker Straße unter der Eisenbahnstrecke ist dann nach drei-monatiger Bauzeit am 20. November 1909 eingeweiht worden.
Ein ehrgeiziges Ziel der DDR-Wirtschaftsführung war die durchgehende Elektrifizierung der Eisenbahn. Am 29. Mai 1987 konnte die Bahnstrecke Wismar-Bad Kleinen mit einer E-Oberleitung übergeben werden. Wismar wäre ohne Hafen nichts aber der Hafen wäre auch ohne Eisenbahn im „schwierigen Fahrwasser“. So zieht sich der Aufbau der Verkehrsinfrastrukturen seit Stadtgründung wie ein roter Faden durch unsere Geschichte und nachdem in den vergangenen zwanzig Jahren hier viel aufgeholt wurde, entwickelt sich in den nächsten Jahren mit der Neuverlegung der Hafengeleise die Infrastruktur weiter für eine noch bessere wirtschaftliche Anbindung der Hansestadt Wismar. Hoffnung für einen neuen Bahnhofsvorplatz mit dem alten, immer noch „schmucken“ Bahnhofsgebäude kann man sich machen.

Was sonst noch geschah:
12. Juli 1874 Fritz Reuter in Eisenach gestorben.
12. Juli 1924 Einweihung des Hauses der Kaufmanns-Kompagnie in der Lübschen Straße 21/23.
13. Juli 1945 Karl Keuscher (KPD) wird zum Bürgermeister berufen.
14. Juli 1926 Gausängerfest in Wismar und Werbekonzert mit Festumzug.
14. Juli 1945 1.600 Umsiedler treffen auf dem Bahnhof Wismar ein.

7. Juli 1993 Erster Auftritt von Tanzensembles des CIOFF Festivals in Wismar.
16. Juli 1935 Schließung des Wismarer Logenhauses und Enteignung der Freimaurer.
17. Juli 2010 Amtswechsel im Bürgermeisteramt. Dr. Rosemarie Wilcken -Thomas Beyer.

Detlef Schmidt

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