Kalenderblatt zum 12. Juni

Der Weltmeister kam vom Wismarer Fußballverein Anker

Am 12. Juni 1997 ist im Autohaus Algie im Gewerbegebiet Kritzow der Verein „FC Anker von 1997 e.V.“ von 96 fußballbegeisterten Bürgern gegründet worden. Erster Vorsitzender wurde der Rechtsanwalt Dr. Karsten Simoneit, dem kurz darauf der damalige Sparkassenvorsitzende Gerhard Raabe folgte. Dieser Vereinsgründung, die die Wismarer Fußballszene neu regelte, gingen viele Gespräche mit anderen Sportvereinen mit der Sparte „Fußball“, wie der TSG und dem SV Schiff-fahrt-Hafen voraus. Mit der Neugründung, dessen Name an den bereits 1949 vorhandenen Verein „Anker“ anknüpfte, strebte man eine Konzentrierung der Kräfte an. Die Willensbekundung der TSG und „Schifffahrt-Hafen“ vom 2. Mai 1997 bekräftigte dies: „Wir wollen, dass der Fußball-Sportplatz in Wismar wieder zu einer Begegnungsstätte wird, wo Freude, Spannung, Spaß und Erholung gebo-ten werden. Die Jugend soll sich über einen leistungsstarken Fußballverein mit Wismar identifizie-ren können und darin einen Sinn für Fan, Sport und Freizeit sehen. Dazu werden wir den FC Anker Wismar gründen. Sportliches Ziel ist es, dass er leistungsfähig, attraktiv für die Jugend und ein Aus-hängeschild der Hansestadt Wismar wird.“ Wie schwierig die Gründung war, zeigt, dass die TSG Wismar nach der Vereinsgründung sehr zögerlich war. Das ist insofern auch verständlich, denn die TSG hat mit ihrer Fußballsparte maßgeblich das Geschehen in der Region und im Bezirk Rostock mitbestimmt. Sie spielten bis zur DDR Liga und scheiterten letztendlich am Aufstieg zur Oberliga. In der Oberliga spielte der Sportverein „Anker“ 1949 kurzfristig, ehe dieser in Motor Wismar umbe-nannt wurde und 1961 in die TSG aufging. Am 31. Januar 2003 trat schließlich die Fußballabteilung der TSG dem FC Anker Wismar bei.
Bei „Anker Wismar“ spielte von 1946 bis 1950 der Fußballer Fritz Laband, der mit seiner Familie aus Oberschlesien nach Wismar flüchtete. Er wurde mit der legendären Nationalmannschaft 1954 Weltmeister. Von Wismar aus ging er zum Hamburger SV und setzte dort seine Kariere fort.
Wismars Fußballtradition geht bis zum Anfang des 20. Jahrhundert zurück. 1904 gab es den FC Elite Wismar und ein Jahr später der Wismarer FC 1905. Beide spielten in der A-Klasse Mecklenburg. Um 1909 bis in die 1930er Jahre spielte in verschiedenen Mecklenburger Ligen „Germania Wismar“. Seine Spielstätte war ab 1921 der Germania-Sportplatz an der Goethestraße, dem heutigen Jahnsportplatz. Er fasste damals 10.000 Zuschauer. Von 1942 bis zum Kriegsende spielte der TSV Wismar in der Gauliga Mecklenburg, zu dieser Zeit eine der 16 höchsten Spielklassen in Deutsch-land. Nach 1945 belebte sich die Wismarer Fußballlandschaft auch durch den Zuzug vieler Flüchtlin-ge aus den deutschen Ostgebieten. Die Vereine hießen „Fortschritt“, „Motor“ oder „Einheit“. Ge-spielt wurde auf dem Jahnplatz und auch im 1952 erbauten Kurt-Bürger-Stadion. Gute Spieler sind aus Wismar gekommen, so Joachim Streich, der Weltmeisterschütze von 1974, Klaus-Peter Stein, Heinz Minuth, Herbert Holtfreter, Fiete Sykora, Heino Kleiminger, Andreas Zachhuber, Carsten Jancker, um nur einige der leistungsstärksten zu nennen. Mit der Gründung der TSG Wismar am 3. Februar 1961, sollten Kräfte gebündelt werden und schaffte somit eine leistungsstarke Mann-schaft. Diesem Grundgedanken folgte man 1997 auch, denn nach der „Wende“ waren die soge-nannten Trägerbetriebe nicht mehr da und es mussten neue Finanzquellen erschlossen werden. Begonnen haben die „Rot-Weißen“, wie die Spieler auch wegen ihrer Trikotfarbe genannt werden, 1997 in der Verbandsliga. In den darauffolgenden Jahren wechselte die Mannschaft zwischen Oberliga und Verbandsliga. Sie wurden mehrfach Landesmeister und auch Teilnehmer am DFB Po-kal. Wenn Mannschaften wie der HSV oder Hertha BSC ihre Kräfte in Freundschaftsspielen in Wis-mar messen wollen, ist es schon ein Achtungserfolg des FC Anker. Doch der hat mehr zu bieten, als nur eine leistungsstarke Oberliga Mannschaft. Gegenwärtig sind es 17 Mannschaften von der G-Jugend bis zu Herren Mannschaft, die hier ihre sportliche Heimat gefunden haben. Damit wird auch ein nicht unerheblicher Beitrag zum sozialen Frieden und Miteinander in Wismar geleistet. Spiel-heimat ist das unter Denkmalschutz stehende Kurt-Bürger-Stadion, dem trotz vieler baulicher Mängel, die aufgrund des schlechten Baugrundes schon seit Jahrzehnten bestehen, Wismars Fuß-ballbegeisterte die Treue halten. Hier befindet sich auch die Geschäftsstelle des FC Anker, die auch die nahezu 500 Vereinsmitglieder betreuen. Präsident ist Stefan Säuberlich, der mit 15 weiteren Vorstandsmitgliedern engagiert an den Zielen des Vereins arbeitet.

Was sonst noch geschah
14. Juni 1821 Hammersches Badeschiff am Wendorfer Ufer in Dienst gestellt.
15. Juni 1990 Seehafen Wismar wird eine GmbH.
15. Juni 2002 Stadtpartnerschaft mit Kalmar (Schweden).
18. Juni 1859 Gründung der städtischen Feuerwehr.
18. Juni 1933 Eröffnung des Heimatmuseums im Schabbellhaus.
18. Juni 1958 Auflösung der sowjetischen Kommandantur.
19. Juni 1966 Einweihung der evang.-luth. Kirche als „Haus der Begegnung“ in Wendorf, Rudi-Arndt-Straße.
19. Juni 1992 Das erste Wismarer Hafenfest findet statt.
20. Juni 1948 Die Konsumgenossenschaft Wismar übernimmt das Kaufhaus von Ernst Marwedel, Hinter dem Rathaus 17 und eröffnet hier am 1. Juli 1948 das „Konsum-Kaufhaus“.
20. Juni 1969 Grundsteinlegung der Sport- und Kongresshalle an der Bürgermeister-Haupt-Straße. Architekt Otto Schmeier. Eröffnung 30. Dezember 1970.
21. Juni 1989 Auf einer außerordentlichen Stadtverordnetenversammlung erhält Karl-Heinz Kalu-sche, ehemals 1. Sekretär der Kreisleitung der SED, die Ehrenbürgerschaft. Er gibt diese am 13. De-zember 1989 zurück.
23. Juni 1824 Gründung der Ersparniß-Anstalt Wismar (Sparkasse).
23. Juni 1946 Wiedereröffnung der am 10. April 1919 gegründeten Volkshochschule Wismar im Ho-tel „Zur Sonne“.

Detlef Schmidt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

2 × 2 =