Kalenderblatt zum 12. Juni

Wismars erster Ratsarchivar geboren

Am 12. Juni 1859 wird in der Hegede 7 mit Friedrich Techen einer der bedeutendsten Histo-riker Wismars geboren. Sein Hauptwerk, die 1929 erschienene „Geschichte der Seestadt Wis-mar“ gehört als „der Techen“ zur Standardliteratur jedes geschichtsinteressierten Wismarer. Der Großvater Johann Friedrich Techen kam 1801 von Güstrow nach Wismar. Der Vater Friedrich Techens, der Buchbinder Georg Techen war über seine Frau Marie weitläufig mit der Kaufmanns- und Reederfamilie Thormann verwandt. Dr. med. Ludwig Techen, ein Onkel von Friedrich Techen, war Stadtphysikus in Wismar.
Friedrich Techen wuchs gemeinsam mit seinem ein Jahr später geborenen Bruder Ludwig Te-chen auf, der später Gymnasialprofessor wurde. Von 1867 bis 1879 besuchte Friedrich Techen die Große Stadtschule gemeinsam mit seinem Bruder und legte hier 1879 das Abitur ab. Beide Brüder schlugen nun auch die Laufbahn als Lehrer für höhere Lehranstalten ein. Friedrich Techen studierte an den Universitäten Leipzig, München, Tübingen und Göttingen alte Spra-chen, Geschichte und Germanistik. Zielstrebig und genau, nahezu penibel, wie Friedrich Tech-en sein ganzes Leben über war, legte er 1886 seine Dissertation über „Die Lieder des Herrn Jacob von Warte“ ab und wurde zum Dr. phil. promoviert. Gleichzeitig absolvierte er die Staatsprüfung für das Lehramt an höheren Schulen. Er bewarb sich erfolgreich im mecklen-burgischen Schuldienst und wurde Lehrer in Schwerin und Bad Doberan. Doch Friedrich Te-chens Leidenschaft war die wissenschaftliche Erforschung der Geschichte seiner Heimatstadt. Der Wismarer Arzt und Historiker, Dr.med. Friedrich Crull, der sich seit seinem sechzigsten Lebensjahr ganz der Wismarer Forschung hingegeben hatte und der sich mit Techen ange-freundet hatte und nicht unwesentlich Techen beeinflusste, führte den Jüngeren 1889 in das Wismarer Ratsarchiv der Hansestadt Wismar ein. Friedrich Crull beendete mit 80 Jahren 1902 die Arbeit im Ratsarchiv und Friedrich Techen arbeitete dort als sein Nachfolger weiter. Am 4. Januar 1905 wurde Dr. phil. Friedrich Techen der erste hauptbesoldete Ratsarchivar Wis-mars vom Rat angestellt und 1927 erhielt er den Titel „Archivrat“ auf Lebenszeit.
Friedrich Techens große Verdienste war die Schaffung einer einheitlichen Ordnung, Ver-zeichnung und intensive Auswertung des Ratsarchivs nach einem gültigen Prinzip. Die von ihm angelegte Zettelkartei war Grundlage seiner zahlreichen Veröffentlichungen vor allem zur Wismarer, mecklenburgischen und Hansegeschichte, und ist bis heute ein wichtiges Arbeits-mittel im Stadtarchiv Wismar geblieben. Man trifft dort kaum städtische Akten, die nicht von Techen erfasst und registriert worden sind. Er erarbeitete die Sachregister zu einzelnen Bän-den des „Mecklenburgischen Urkundenbuchs“ und auch die zugehörigen Wort- und Sachre-gister. An dem von Friedrich Schlie herausgegebenen Werk „Die Kunst- und Geschichtsden-kmäler des Großherzogthums Mecklenburg-Schwerin“ von 1898, arbeitete er besonders an dem Wismar betreffenden Kapiteln mit. Einen großen Teil seiner wissenschaftlichen Arbeiten widmete er der Hanseforschung, wozu er zahlreiche Veröffentlichungen machte. Die Bearbei-tung der Hanserezesse verdient noch heute höchste Anerkennung. Bekannt ist, dass Friedrich Techen über 70 Veröffentlichungen zur Geschichte Wismars herausgegeben hat und kaum ein Band des „Mecklenburgischen Jahrbuches“ ist ohne einen Beitrag des Wismarer Historikers Friedrich Techen erschienen. Den Höhepunkt und das Hauptwerk seiner Forschungen zur Wismarer Geschichte stellt seine 1929 aus Anlass der 700-Jahr-Feier Wismars veröffentlich-te „Geschichte der Seestadt Wismar“ dar, die 1993 unverändert nachgedruckt wurde. Es ist ein wissenschaftliches Werk, das immer noch seinesgleichen sucht, als Quellliteratur unange-fochten ist und bisher in dieser Qualität nicht wieder erreicht wurde.
1920 wurde Techen in den Vorstand des Hansischen Geschichtsvereins berufen, war korres-pondierendes Mitglied der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen und Ehrenmitglied des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde und des Vereins für Lübe-ckische Geschichte.
Friedrich Techen blieb unverheiratet und seine nahezu pedantische Gründlichkeit wird wohl durch den Ausspruch von Zeitgenossen dokumentiert, die ihre Uhr danach stellten, wenn der Archivrat in das Rathaus kam. Eben immer zur gleichen Zeit. Seine gestochene Handschrift lässt erahnen, mit welcher Akribie er seine Arbeiten erledigte. Er wohnte zusammen mit der Familie seines Bruders Ludwig im Schützenweg 3, der heutigen Schweriner Straße.
1930 erlitt Friedrich Techen einen Schlaganfall und zog zu seinem Neffen, dem Kaufmann Franz Techen und Sohn seines Bruders Ludwig, nach Wandsbek bei Hamburg. Am 30. März 1936 ist er dort gestorben und hier in Wismar begraben. Die Stadt Wismar ehrte ihren ersten Ratsarchivar 1938 durch die Benennung einer neuen Straße im neu erschlossenen Wohngebiet im Bereich der Parkstraße (Philipp-Müller-Straße) und Bismarckstraße (Am Köppernitztal).

Was sonst noch geschah
12. Juni 1997 Gründungstag FC Anker Wismar von 1997 e.V..
13. Juni 1850 Ratsschreiber Lorenz nimmt Badeanstalt vor Wendorf (auch „Lorenzhöhe“ ge-nannt) in Betrieb.
14. Juni 1821 Hammersches Badeschiff am Wendorfer Ufer in Dienst gestellt.
14. Juni 1908 Einweihung der schwedischen Seemannsmission im Haus Kleine-Hohe-Straße 26 (Eckhaus) mit einem kirchlichen Seemannsfest, abgehalten vom schwedischen Pastor Se-telius aus Kiel.
15. Juni 1945 400 Beschäftigte produzieren in den Dornier-Werken Aluminiumgeschirr, repa-rieren Landmaschinen und übernehmen Bauarbeiten.
15. Juni 1990 Seehafen Wismar wird eine GmbH.
15. Juni 2002 Stadtpartnerschaft mit Kalmar (Schweden).
15. Juni 2014 Kerstin Weiss wird neue Landrätin von Nordwestmecklenburg
16. Juni 1947 Dr. Rosemarie Wilcken, Bürgermeisterin 1990 – 2010, geboren.
17. Juni 1991 Seehafen Wismar GmbH gehört nach 44 Jahren wieder zu 75 Prozent der Han-sestadt Wismar und zu 25 Prozent dem Land Mecklenburg- Vorpommern. Wird danach auf 90 zu 10 Prozent umgewandelt.
18. Juni 1859 Gründung der städtischen Feuerwehr.

Detlef Schmidt

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