Kalenderblatt zum 12. September

Musikbegeisterter Bürgermeister gründete 1. Musikfestival in Wismar

Am 12. September 1816 gründete der musikbegeisterte Wismarer Bürgermeister Carl von Breitenstern das erste Musikfest in Mecklenburg. Es war auch erst das zweite Musikfest, nachdem im thüringischen Frankenhausen 1810 das erste Musikfest gegründet wurde.

Carl von Breitenstern ist am 25. Juni 1877 als Sohn des Vizepräsidenten des obersten Tribunals im ehemaligen Fürstenhof geboren. Carl besuchte die Große Stadtschule und er absolvierte nach dem Abitur ein dreijähriges  juristisches Studium an den Universitäten Jena und Göttin­gen. Ab 1801 ist er Sekretär beim königlichen Gouvernement Wismar und Justitiar der Ämter Poel und Neukloster. Seine Leistungen müssen schon gut gewesen sein, denn 1803 wurde er Syndikus in der nunmehr mecklenburgischen Stadt Wismar. Für so einen jungen Juristen eine beachtliche Leistung, die nahezu 20 Jahre später der bekanntere Bürgermeister Anton Haupt erreichte, mit dem er ab 1823 noch kurze Zeit gemeinsam im Rat saß. Carl von Breitenstern wurde 1814 zum ersten Bürgermeister der Stadt der Stadt gewählt. Schon vor seiner Wahl zum Bürgermeister galt er als Förderer der Wissenschaft aber auch besonders den Künsten. Der musikinteressierte Carl von Breitenstern organisierte in Wismar Konzerte, zu denen auswärtige Künstler eingeladen wurden. Er setzte sich für die Gründung eines Musikvereins ein, der die Ausbildung talentierter Musiker unterstützen sollte. Auch seine Schwester Ulrike von Breitenstern wurde als Musikerin bekannt. Maßgeblichen Anteil hat er an der Gründung des ersten mecklenburgischen Musikfestes, das am 12. September 1816 in der Wismarer St. Nikolaikirche stattfand und dessen Initiator der musikbegeisterte Bürgermeister war. Auf dem Wismarer Musikfest musizierte die Hofkapelle aus Ludwigslust gemeinsam mit bürgerlichen Musikkreisen. Dies war nicht selbstverständlich und zunächst war die Hofkapelle unter dem Franzosen Louis Massonneau, der Konzertmeister und Konzertdirektor in Ludwigslust war und der Hofkapelle vorstand, nicht so begeistert mit „Laien“ zusammen zu arbeiten. Doch die Nachhaltigkeit des 1. Mecklenburgischen Musikfestes muss die „Profis“ aus Ludwigslust arg beeindruckt haben.  Besonderer Höhepunkt des Musikfestes war die Aufführung von Joseph Haydns Schöpfung in der Nikolaikirche mit 100 Chorsängern aus den umliegenden Städten. Nach der vorherigen Zurückhaltung höfischer Kreise war dies in Norddeutschland ein Durchbruch in Richtung auf mehr Gemeinsamkeit. Bekannt ist, dass am 11. September 1816 Fürst Leberecht von Blücher, der Held von Waterloo, Wismar besucht und Gast im Hotel Stadt Hamburg ist. Zwar ist ein Besuch am einen Tag später eröffneten mecklenburgischen Musikfest nicht belegt, doch anzunehmen wäre es schon, dass Wismars damalige Stadtväter diesen hohen Gast eingeladen haben.

Dieser ersten größeren gemeinsamen Aufführung musikalischer Werke in Wismar folgten in den nächsten Jahren weitere. So wurde 1819 das II. Mecklenburger Musikfest in Rostock veranstaltet und das III. Mecklenburger Musikfest fand 1820 wieder in Wismar statt und diesmal vom Hofkonzertdirektor Louis Massonneau persönlich veranstaltet, der wohl seine Voreingenommenheit durch die Leistungen der Darbietungen, abgelegt hatte. Die Hofkapelle konzertierte gemeinsam mit den bürgerlichen Oratorienchören, insgesamt mehr als 200 Personen. An zwei Tagen erfolgten die Aufführungen von Georg Friedrich Händels  Judas Maccabaeus sowie des Requiems von Wolfgang Amadeus Mozart.

Nachdem sich in Lübeck ein  Musikverein gründete und in Wismar schon 1814 es dazu Bestrebungen gab, kam es am  5. November 1818 im heutigen Fründt´s Hotel an der Schweinsbrücke im Briesemann´schen Saal zur Gründung des Wismarer Musikvereines durch die Initiative des Bürgermeisters Carl von Breitenstern.  Es ist der zweitälteste in Deutschland. Breitenstern initiierte  einen Verein, der sich der Instrumentalmusik widmete, und einen weiteren, der Opernarien mit Klavierbegleitung aufführte. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass Carl von Breitenstern mit seiner Musikbegeisterung und Initiativen viel für das kulturelle Leben und die soziale bürgerliche Gemeinschaft geleistet hat. Am 14. Februar 1825 starb Carl von Breitenstern hochgeachtet im Alter von nur 48 Jahren in Wismar, doch sein Wirken für Wismar hatte langfristige Auswirkungen und etwas zu Unrecht, wird er in der Stadtgeschichte übersehen.

2016 jährt sich die Durchführung des 1. Mecklenburger Musikfestes zum 200. Mal und es wird für die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern Anlass sein, dies zu würdigen. Vorgesehen ist ein Gesangswettbewerb mit einem Spielort in Wismar. Die Hansestadt Wismar ist den Festspielen in besonderer Art verbunden, hat doch hier schon 1989 die erste Begegnung mit den „Festspielmachern“ stattgefunden, die man getrost auch als Geburtsstunde des nunmehr 25 Jahre alten und drittgrößten Klassik-Festival in Deutschland bezeichnen kann.

Was sonst noch passiert

September 1653 Erster Gerichtstag des Wismarer Tribunals.

  1. September 1893 Erste Ausgabe der 2. Wismarer Tageszeitung „Mecklenburgische Ostseezeitung“, die ihr Erscheinen im Mai 1894 einstellte.
  2. September 1935 Neue „Hauptsatzung für die Seestadt Wismar“ tritt in Kraft. Wismar hat einen Oberbürgermeister.
  3. September 1999 Bundespräsident Johannes Rau eröffnet in Wismar die zentrale Eröffnungsveranstaltung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zum Tag des offenen Denkmals 1999.
  4. September 1945 Befehl der SMA Schwerin – Der Unterricht in Mecklenburg-Vorpommern hat am 1. Oktober zu beginnen.
  5. September 1945 Der Postbetrieb wird wieder aufgenommen.
  6. September 1946 Mit den „Wismarschen Nachrichten“ erscheint erstmalig nach dem Krieg wieder ein Mitteilungsblatt.
  7. September 1831 Rat und Quartiere entscheiden sich für einen neu angelegten Friedhof vor dem Mecklenburger Tor.
  8. September 1675 Die Dänen nehmen die Festung Wismar nach mehreren Sturmangriffen ein.

Detlef Schmidt

 

 

 

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