Kalenderblatt zum 13. April

Erstmalig erscheint nach dem Krieg die Landeszeitung

Am 13. April 1946 erschien mit der „Landeszeitung“ erstmalig eine Tageszeitung nach dem Ende des II. Weltkrieges in Wismar schon mit dem Untertitel „Organ der Sozialistischen Einheitspartei“, obwohl die Vereinigung von KPD und SED erst am 22. April 1946 stattfand. In Mecklenburg fand diese Vereinigung jedoch am 7. April im Schweriner Capitol statt. So war das Meinungsmonopol der SED von Anfang an auf eine gemeinsame Basis gestellt. Die Mitglieder der SPD taten sich schwer mit der Vereinigung und auch KPD Mitglieder hatten ihre Bedenken, waren die beiden Parteien doch seit den zwanziger Jahren in inniger Feindschaft verbunden und die SPD erinnerte an die paramilitäri-schen Verbindungen auch der KPD, die den Sozialdemokraten das Leben schwermachte. Nun sollte alles besser werden, doch bald zeigte sich, dass die Parteineugründung von der KPD dominiert wurde, wie später auch die SED. Die Redaktion und Geschäftsstelle befand sich in der Lübschen Straße 13.
Die Wismarer Zeitungsgeschichte beginnt sporadisch im 17. Jahrhundert, ehe dann ab 6. Dezember 1749 Wismarer Zeitungen regelmäßig erscheinen. Am 15. April 1867 erhielt der Wismarer Verleger Carl Dethloff Hinstorff die Konzession für die „Neue Wismarsche Zeitung“, die dann am 1. März 1877 auf das herausgegebene „Mecklenburger Tageblatt“ mit dem Lokalteil „Wismarsche Zeitung“ überging. Diese Zeitung erschien ununterbrochen 68 Jahre bis zum Februar 1945 in der ehemaligen Hinstorffschen Druckerei Hinter dem Rathaus 15 in Wismar. Die Nazis brachten in Wismar den vom Gauleiter Friedrich Hildebrandt 1927 gegründeten „Niederdeutschen Beobachter“ als ideologisches Sprachrohr der Nazis heraus.
Noch vor Ende des 2. Weltkrieges stellten die Wismarer Zeitungen ihr Erscheinen ein und die engli-schen und später russischen Besatzungsmächte brachten ihre Anordnungen und Befehl auf Plakat-anschläge und Handzetteln heraus.
Die Sowjetische Militärverwaltung enteignete sofort nach der Besetzung alle Verleger. Druckereien gingen an die SBZ-Verwaltung über, die den Druck von Zeitungen organisierte. Das SMAD-Blatt Tägliche Rundschau übernahm sofort die Führungsrolle in der SBZ. Es wurde ausschließlich von der sowjetischen Nachrichtenagentur beliefert. Nach der Bildung von Parteien erhielt jede ein Zentral-organ. Die SED hatte dabei ein deutliches Übergewicht und dominierte zudem wöchentlich er-scheinende Kreis- und Betriebszeitungen. Die Journalistenausbildung wurde an der Universität Leipzig und an der Berliner Rundfunkschule zentralisiert. Nachdem im August 1945 laut Anordnung der Besatzungsmächte wieder Zeitungen herausgegeben werden durften, erschien am 13. April 1946 die die erste Ausgabe der „Landes-Zeitung – Organ des Landesvorstandes des SED in Meck-lenburg-Vorpommern“. Die Zeitung erhielt umfangreiche Papierzuteilungen und konnte 1946 eine Auflage von 100.000 Exemplaren drucken, die sich 1947 auf 170.000 Exemplare steigerte. Gleichzei-tig wurden die genehmigten Auflagen der Wettbewerber auf 20.000 Exemplare begrenzt. So sah der beginnende „sozialistische Wettbewerb“ aus. Erste Chefredakteure wurden Heinz Alois Pohl-meyer (SPD) und Erich Glückauf (KPD). Die neue Landeszeitung erschien mit einer Seite Wismarer Lokalnachrichten. Dazu kamen die „Wismarsche Nachrichten“ als reines wöchentliches Mitteilungs-blatt mit Billigung der sowjetischen Administration am 13. September 1946 heraus. Beide Zeitungen erleichterten den Aufbau einer neuen Administration in einem völlig zerstörten System immens.
Nach der Verwaltungsneuordnung vom 25. Juli 1952 in der DDR über die Bildung von neuen Ge-bietsstrukturen nach dem Vorbild der Sowjetunion mit der Bildung von Bezirken, erschien am 15. August 1952 mit der OSTSEE-ZEITUNG bis heute Wismars einzige regionale Tageszeitung. Damals hatte die Ostsee-Zeitung eine Auflage von 260.400 Exemplaren und war somit die die auflagen-stärkste Tageszeitung im Norden der DDR. Mit der gesellschaftlichen Umstrukturierung 1989 be-gann auch die Zeitung, sich von ihrer alten umklammernden Parteistruktur zu lösen, indem sich die Belegschaft der Ostsee-Zeitung in einem basisdemokratischen Prozess von ihrem Herausgeber, der SED-Bezirksleitung Rostock, lossagte. Am 22. Januar 1990 erscheint die Ostsee-Zeitung erstmalig mit neuer Unterzeile „Die Unabhängige im Norden“. Mit 132-tausend Exemplaren gehört die Ostsee-Zeitung immer noch zu den auflagenstärksten Tageszeitungen.

 

Was sonst noch geschah
13. April 1988 Verleihung der Ehrenbürgerschaft an die Leichtathletin Marita Meier-Koch.
14. April 1266 Die Stadt Wismar erhält das Lübische Recht.
14. April 1921 Eingliederung der Landgemeinde Mittel Wendorf aus dem Amt Wismar in die Stadt und den selbstständigen Stadtbezirk Wismar.
14./15. April 1945 12. Luftangriff: Zerstörung von St. Marien, St. Georgen und die Alte Schule im Gotischen Viertel.
15. April 1945 BBC London meldet die erfolgreiche Zerstörung der 35.000 Einwohner zählenden Hansestadt Wismar.
16. April 2014 Das Haus Hinter dem Rathaus 3, „Der Weinberg“, wird nach Sanierung und Restaurie-rung seit 2011 übergeben.
17. April 1817 Die Bürger Wismars haben 14 000 Taler zur Wiederherstellung bzw. Neubau des Rat-hauses gespendet.
18. April 1951 Gründung der „Bank für Handwerk und Gewerbe eGmbH“ im Wismarer Kulturhaus, Lübsche Straße 23 (ehemals Kaufmannskompagnie).
18. April 1991 Gründung des Wirtschaftskreises „Mittwochsrunde zu Wismar“.
18. April 1816 Heinrich Thormann, Architekt und Erbauer des Wismarer Theater, geboren.
18. April 2016, West Kai im Westhafen wird für 2,1 Millionen Euro saniert für die Sportschifffahrt mit 16 Liegeplätzen übergeben.

Detlef Schmidt

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