Kalenderblatt zum 13. August

Carl Drewes wurde Bürger und schuf Grünanlage vor der Stadt

Am 13. August 1850 erhielt Carl Drewes aus Krickow bei Neustrelitz das Wismarer Bürgerrecht, ein Vorgang der bei vielen heute in Vergessenheit geraten ist. Sich als Bürger einer mittelalterli-chen Stadt anzusehen, war schon ein großer Vorzug, bedeutete er doch Sicherheit und sogar Rechtsschutz. Wer Bürger der Hansestadt Wismar werden wollte, hatte dann auch eine bestimmte Summe zu zahlen, die sich besonders nach dem “Stande” richtete. So hatten nach dem Bürgervertrag aus dem Jahre 1600 die Angehörigen des Adels 60 Taler, die Kaufleute, Brauer und “gelehrten Herren 40 Taler, die Notare, ”gemeine” Kaufleute und “führnehme” Handwerker 20 Taler und alle übrigen “Bürgerwilligen” nach Ermessen des Rates zu zahlen. Söhne von eingesessenen Bürgern hatten lediglich zehn Schillinge nach Erreichen ihrer Volljäh-rigkeit bei der Stadtkasse abzuliefern. Der zu schwörende Bürgereid lautete: „Ich schwöre, dass ich meinem Gnädigen Herrn, dem Herzoge zu Mecklenburg, und dem Ehrsamen Rathe zu Wismar treu und hold sein, ihr Bestes wissen, ihr Ärgstes kehren, kein Verbündnis wider den Rath und die Stadt machen, ..einem Jedem volles Gewicht und Maaß liefern, alle meine binnen und außer der Stadt habenden Güter alle Jahr getreulich versteuern, und ein gehorsamer Bürger sein will…”. Wurde ein neuer Bürger angenommen, hieß es: „Hei wakt und schatet mit“. 1835 war der Preis des Bürgerrechtes schon weiter gesunken. Er betrug für Personen des Ersten Standes nur noch 20 Taler, doch es kamen noch eine Reihe anderer Zahlungen hinzu. So für Wassergeld fünf Taler, Eimergeld vier Taler, Rekrutengeld zwei Taler und zur Ablösung der Kriegsschuld elf Taler, um nur einige Positionen zu nennen. Insgesamt betrug die Summe nicht ganz 60 Ta-ler. Um diese Zeit noch ein ganz schöner Batzen Geld, den sich nicht jeder leisten konnte. 1870 wurde dann nur noch einheitlich von allen Personen, die das Wismarer Bürgerrecht erwerben wollten, l5 Taler verlangt. Die Zeiten, da das Bürgerrecht Vorteile mit sich brachte, war 1890 endgültig vorbei und so wurde Bürgereid und Bürgergeld in diesem Jahr abgeschafft. Am 24.Juni 1890 wurde eine neue Verordnung über das Wismarsche Bürgerrecht herausgebracht, worin die Wahlberechtigung und auch die Wählbarkeit zur Wismarer Bürgerschaft festgelegt wurde. Danach konnte nur Bürger der Hansestadt Wismar werden, wer das 25.Lebensjahr vollen-det hatte und einen Wohnsitz in der Stadt besaß. Nicht in das Bürgerbuch wurde aufge-nommen, wer “wegen Geistesstörung oder Verschwendung unter Kuratel steht” oder “wegen Unvermögens“ von der Zahlung der städtischen Abgaben befreit ist.
Carl Drewes war beim Erwerb des Bürgerrechtes schon ein gestandener Mann von 28 Jahren. Er ließ sich als „Seidenkrämer“ Hinter dem Rathaus 7 nieder und gründete mit seiner Frau Sophie Weyer-gang, Tochter eines Kaufmannes aus Lauenburg, eine Familie mit immerhin acht Kindern. Durch seine Tüchtigkeit als Tuch- und Seidenhändler brachte er es zu einem gewissen Wohlstand und An-sehen in der überschaubaren Wismarer Gesellschaft. 1864 ist Carl Drewes zum Ratsherrn gewählt und gehörte bis zu seinem Tode im Jahre 1892 dem Rat als unbesoldetes Ratsmitglied und Senator an. Man hätte den Senator Carl Drewes mit Sicherheit heute vergessen, wenn nicht ein Stück „Wis-marer Grün“ seinen Namen trägt: Das Dreweswäldchen. 1885 wurde neben der 1834 angelegten Schweriner Chaussee ein Spazierweg zum 1832 eröffneten Friedhof mit einer Baumpflanzung ange-legt. Diese Grünanlage fügt sich ein in die in diesem Jahrhundert angelegten Promenaden und Vil-lenstraßen um die Wismarer Altstadt und allmählich verschwanden die morastigen Verhältnisse vor der Stadt. Der stets gepflegte Weg zum Friedhof führte vom unteren Ende der Dankwartstraße bis zum Gaswerk und von da aus durch das heutige „Dreweswäldchen“, geschützt vor Verkehr und Schmutz. 1902 ließ Wilhelm Hermes, Junggeselle und vermögender Kaufmann, zu Ehren für Sena-tor Carl Drewes einen Erinnerungsstein im Dreweswäldchen aufstellen. Der Name jedoch für den Weg gab nicht etwa Carl Drewes sondern die Wismarer Bürger und ist seitdem bis heute im regen Gebrauch. Viele Wismarer gehen täglich durch das kleine Wäldchen und genießen in heißen Som-mer die angenehme Kühle. Aber auch Kinder wissen mit ihren Fahrrädern und Skatern die Sicher-heit zu schätzen, Dank Senator Carl Drewes vor über 130 Jahren.

Was sonst noch geschah
13. August 1951 Demontage des Seegrenzschlachthauses im Hafen.
14. August 1935 Aufstellung eines Prangers (Marktplatz bei Trinkhalle) durch die Nationalsozialis-ten. Es werden Bilder von Wismarern und Juden aufgehängt, die gegen die Ideologie der National-sozialisten verstießen.
15. August 1929 Der Stralsunder Museumsdirektor, Dr. Adler, hat die Konzeption und Ordnung des Museumsbestandes übernommen. Das Museum in der renovierten Alten Schule wird zur 700-Jahr Feier Wismars der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
15. August 1951 Anerkennung der Vereinigten Stiftungen (hervorgegangen aus den Geistlichen Hebungen) der Hansestadt Wismar. Sie wird am 4. April 1996 neu gegründet und hat einen auto-nomen Rechtsstatus.
15. August 1952 Die OSTSEE-ZEITUNG ist Wismars einzige regionale Tageszeitung. Sie löste damals die ab 1946 erscheinende Landes-Zeitung ab.
15. August 1991 Gründung der Stadtwerke Wismar GmbH
15. August 1948 Einweihung des Ehrenfriedhofes der Roten Armee für 348 gefallene Militärange-hörige auf dem Wischberg.
16. August 2003 Eröffnung und Übergabe der Osttangente mit Verkehrsfreigabe.
16. August 1835 Frau Susanne Ockel (geb. 16.August 1757) stirbt in Wismar mit 78 Jahren und wird am 17. August 1835 in St. Marien beigesetzt. Mit ihr hören die Bestattungen in den Wismarer Kirchen auf. Susanne Ockel hatte der St. Marienkirche ein Legat von 500 Talern hinterlassen, mit der Bedingung, dass sie in St. Marien neben ihrem Mann bestattet werde.
17. August 1880 Einweihung des Neubaus (Architekt Helmuth Brunswig aus Wismar) der Knaben-Bürgerschule (Schwarzes Kloster). Die Kirche wurde abgerissen und der Chor blieb für Turnhalle und Aula erhalten. Seit 1948 ist es die Goethe -Schule, heute IGS Johann Wolfgang von Goethe-Schule.
18. August 2000 Die Hansestadt Wismar begeht das 1. Schwedenfest, woraus sich in den Folgejah-ren das größte „schwedische Fest außerhalb Schwedens“ entwickelt.

Detlef Schmidt

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