Kalenderblatt zum 13. Februar

Ein Haus in bester Lage für die Offiziere

Am 13. Februar 1903 wurde das Offizierskasino für das II. Bataillon des Großherzoglichen Füsilier Regimentes Nr. 90 in der ehemaligen Villa des Wismarer Architekten Heinrich Thormann eingeweiht.

Bevor am 10. Oktober 1627 zogen die kaiserlichen Truppen Wismar besetzten, hatte die Stadt keinerlei Militär, sondern lediglich eine Bürgerwehr. Für das jetzt einrückende Militär musste Quartier für die Soldaten und Offiziere bereitgestellt werden und sie hatten das Militär mit Speis und Trank zu versorgen. Die schwedische Belagerung war 1631 erfolgreich und am 7. Januar 1632 zogen die Schweden in Wismar ein. Die kaiserlichen Truppen verließen am 12. Januar 1632 die Stadt mit „fliehenden Fahnen und Musik“ aber mit einer Kugel im Mund(!). Ab 1632 war Wismar in schwedischer Besatzung mit teilweise bis zu 3000 Soldaten, die eben auch ihr Quartier bei den Bürgern hatten. Nach dem Abzug der Schweden 1803 wurde Wismar in die Eroberungszüge Napoleons einbezogen, dessen Truppen am 28. November 1806 in Mecklenburg einmarschierten und Wismar am 30 August 1813 wieder verließen. Auch hier gab es Einquartierungen der Soldaten bei den Bürgern und 1810 nutzten sie den Fürstenhof. Ab 1813 zog dann das 1. Mecklenburgische Musketier-Bataillon in die Stadt, die 1820 Wismar wieder zur Garnisonstadt machten. Etwa 300 Offiziere und Soldaten mussten bei den Bürgern untergebracht werden und alle drei Wochen wurden die Quartiere gewechselt. Im Fürstenhof waren die Montierungskammer und das Instruktionslokal, sowie die Küche für die Soldaten. Zwischen Militär und dem Wismarer Rat gab es seit 1869 Streit über die Unterbringung von Soldaten, die man schon gerne in eigenen Quartierhäusern (Kasernen) unterbringen wollte. Es wurde vorgeschlagen, alle Soldaten kaserniert im Fürstenhof und im ehemaligen schwedischen Packhaus unterzubringen. Ein Kasernenneubau sollte 26.000 Taler kosten und als Alternative wurde die Aufstockung des Packhauses vorgeschlagen. Das sollte eben die Hansestadt Wismar bezahlen und man wartete ab. Immer noch waren die Soldaten in den Bürgerhäusern untergebracht und dies erschwerte die militärische Arbeit. Erst 1877 wachten die Bürgervertreter auf, als sie erfuhren, dass durch das Gesetz über die allgemeine Kasernierung des Reichsheeres, Wismar nicht mehr als Garnisonstadt für das mecklenburgische Füsilier-Regiment Nr. 90 existieren sollte. Diese sollten nach Rostock verlegt werden. Das „Mittel“ saß, denn die Wismarer bangten um die Einnahmen für das „Stadtsäckel“. Daraufhin wandten sich die Wismarer mit einer Petition vom 31. März 1877 an den Reichstag und klagten, dass ihnen doch beim Wegzug der Füsiliere großer Schaden entstehen würde. Die Petition hatte Erfolg und im März 1881 besichtigten Militärs und der Wismarer Architekt Helmuth Brunswig die vorgesehenen Standorte in der Scheuerstraße und Mühlenstraße. Das „Quartierhaus 1“ sollte auf dem ehemaligen Armen- und Arbeitshaus in der Scheuerstraße entstehen. Insgesamt dauerten die Bauarbeiten ein gutes halbes Jahr und hatten ein Baukostenvolumen von 46.360 Mark. In den Schlafsälen wurden 20 Soldaten untergebracht. Insgesamt waren hier etwa 220 Militärangehörige untergebracht. Damit hörte die Einquartierung bei den Bürgern auf. Nach Aufgabe der Wismarer Garnison 1920 kamen hier zunächst zwei Hundertschaften der Ordnungspolizei unter. Später war es Obdachlosenheim, Wohnungen, Berufsschule, Arbeitsamt und heute Feuerwehr und Bürogebäude der Hansestadt Wismar.

Als zweiter Standort für eine kasernierte Unterbringung war das 1690 erbaute schwedische Proviant- und Packhaus an der Mühlenstraße vorgesehen. Auch hier war es Helmuth Brunswig, der die Umbauarbeiten und Aufstockung des Gebäudes leitete. 1882 war auch das „Quartierhaus 2“ fertig, doch reichten die beiden neuen innerstädtischen Kasernen nicht aus, um alle Militärangehörigen der Wismarer Garnison unterzubringen. So wurde 1895 das Haus hinter dem Packhaus neu erbaut und 1912 wurde auch das Packhaus noch einmal erweitert und modernisiert. Erst 1917 erhielten die Kasernen elektrischen Strom und an das städtische Kanalnetz waren sie 1921 angeschlossen. Im April 1920 wurde die Wismarer Garnison aufgegeben. In die Mühlenstraße zogen zunächst die kasernierte Ordnungspolizei ein und in den dreißiger Jahren vor dem II. Weltkrieg war hier der Sicherheitsdienst der SS untergebracht. Am 5. Januar 1948 eröffnete Dr. Claus Peters in der ehemaligen Polizei- und SS-Kaserne am Lindengarten mit der Poliklinik eine moderne medizinische Einrichtung. Ab 1994 bis zum März 2014 war hier das Wismarer Arbeitsamt untergebracht.

Die strenge Hierarchie des Militärs machte deutliche Standesunterschiede zwischen Offizier und Soldat. Die Offiziere gehörten zur gesellschaftlichen Oberschicht der Stadt und dementsprechend ist ihr Wunsch nach einem eigenen repräsentativen „Kasino“ verständlich. Auf dem Grundstück des ehemaligen „Herrenstall“ in der heutigen Bauhofstraße, baute 1864 der bekannte Wismarer Architekt Heinrich Thormann eine repräsentative Villa. Es war die beste Lage am Rande der Stadt mit freiem Blick in den Lindengarten und unmittelbar am damals noch stehenden Altwismartor gelegen. Am 15. Februar 1890 stirbt der Architekt Heinrich Thormann in seiner Villa. Seine Witwe überlebt ihn um zwölf Jahre und stirbt 1902. Die Erben verkaufen die Villa am 9. September 1902 an die Stadt Wismar.  Ein Eckflügel des Hauses wurde abgerissen, um die verkehrsgünstige Straßenbreite an der Altwismarstraße zu bekommen, die diese am 12. November 1902 erhielt. Im Haus wurde nun das Offizierskasino für das II. Bataillon des Großherzoglichen Füsilier Regimentes Nr. 90 am 13. Februar1903 festlich eingeweiht.

Ab 1920 war Wismar durch Auflösung des Regimentes keine Garnisonsstadt mehr und das städtische Gebäude diente verschiedenen städtischen Aufgaben, wie als Speisesaal der Ingenieur-Akademie und später der Heeresstandortverwaltung Wismar und teilweise zu Wohnungszwecken. Nach dem 2. Weltkrieg zog ein Teil des Finanzamtes ein und später nutzte der ehemalige Rat des Kreises Wismar bis 1994 dieses Haus für seine Verwaltung. Nach einigen Jahren Leerstand und seit 2014 sind in diesem geschichtsträchtigen Haus Wohnungen eingebaut. Die gegenüber der ehemaligen Stadtmauer befindliche und heute noch stehende Häuserreihe wurde ab 1863 neu erbaut. Am 24. August 1876 wurde die Straße „hinter dem Herrenstall“ mit der Bauhofstraße zu einer Straßenbezeichnung zusammengeführt.

Was sonst noch geschah

14. Februar 1825 Bürgermeister Karl von Breitenstern (geb. 25. Juni 1777) gestorben. Er war Gründer des „Musikverein 1818“.

14. Februar 1990 Die Ostsee-Zeitung Wismar berichtet über Wahlfälschungen bei der 1989 durchgeführter Kommunalwahl in Wismar.

14.Februar 2000 Gründung des Fördervereines „Poeler Kogge e.V.“

15. Februar 1937 Übergabe des 196 Meter langen dreistöckigen Wohnblockes in der Rostocker Straße.

15. Februar 1950 Der kommunale Stadtverkehr nimmt seinen Betrieb mit zwei Linien auf.

15. Februar 1890 Heinrich Thormann, Wismarer Architekt, gestorben. Geboren 18. April 1816.
16. Februar 1806 Rechtsanwalt Peter Düberg am Markt 10 geboren. Wortführer der Unruhen von 1830 und 1848.

16. Februar 1856 Rudolph Karstadt in Grevesmühlen geboren, gestorben am 19. Dezember 1944 in Schwerin.

16. Februar 1934 Scheinauflösung der Wismarer Freimaurerloge.

17. Februar 1975 Eröffnung der Mülldeponie Müggenburg. Schließung der Deponie Müggenburg 1994.

18. Februar 1923 Geheimer Medizinalrat Dr. Hugo Unruh gestorben.

18. Februar 1957 Ehrenbürgerin (1987) und Weltmeisterin Marita Meier-Koch geboren.

20. Februar 1843 Polarforscher Gustav Wilhelm Bade in Hohen Wieschendorf geboren. Verstorben 27. Juli 1903 mit 61 Jahren. (Inhaber der „Nordlands-Passagierfahrten).

21. Februar 1952 Beschluss über die Benennung der Wendorfer Straßen nach den Sozialdemokraten Rudolf Breitscheidt und Kommunisten Etkar Andre, Katja Niederkirchner, Rudi Arndt, Bruno Tesch, Hanno Günther, Lieselotte Herrmann.

20. Februar 2006 Die Straßenzüge Puschkinstraße und Heinrich-Mann-Straße werden zugunsten der Molkerei abgerissen. Eine neue Straße am Lehensruher Weg wird „Henrich-Mann-Straße“. Lediglich die Heinrich-Heine-Straße bleibt erhalten.

 

Detlef Schmidt

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