Kalenderblatt zum 13. März

 

Ein Wismarer schuf die Tauzieher

Zum 80. Geburtstag  von Professor Karl-Henning Seemann

Für die Wismarer ist seine Plastik „Die Tauzieher“, das wohl bekannteste Werk des in Wismar geborenen Bildhauers Professor Karl-Henning Seemann. Am 13. März begeht der in Wismar am Burgwall 25 Geborene seinen 80. Geburtstag. Hier verbrachte der Sohn eines Lehrerpaares seine Kindheit, erlebte die Schrecken des Krieges hautnah und legte sein Abitur 1953 an der damaligen Geschwister-Scholl-Schule ab. Seine künstlerische Ausbildung zum Bildhauer begann an der Kunsthochschule Berlin-Weissensee, die er ab 1955 mit dem „Gang in den Westen“ in Berlin Charlottenburg fortsetzte. An der Akademie der Künste in Stuttgart legte er das Staatsexamen als Kunsterzieher ab und wurde 1972 an die Fachhochschule Aachen berufen. Von 1974 bis 1999 lehrte er als Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Seit 1975 lebt er in Löchgau an der Schwäbischen Alb. Zahlreiche von ihm geschaffene Werke sind über ganz Deutschland verteilt, die ihm auch Würdigungen und renommierte Preise einbrachten.

Seiner Heimatstadt Wismar ist er immer verbunden geblieben, was man schnell im Gespräch mit ihm merkt – sofort geht es ins Plattdeutsche über. Da haben auch der 40jährige Einfluss der Schwaben nichts anhaben können. Vielleicht auch ein Verdienst seines ehemaligen Grundschullehrers Willi Tack, einem Mitbegründer der Niederdeutschen Bühne Wismar von 1925. Seemanns  Plastik „Die Tauzieher“ wurde erstmalig 1994 vor dem Wismarer Rathaus aufgestellt. Sie gibt dem Betrachter viel Spielraum für eigene Interpretationen und symbolisiert das gemeinsame Ringen um die beste Lösung. „All trecken an eenen Strang. Wenn de een los lött, föllt de anne up´n Noors“: so schmunzelnd Karl-Henning Seemann und meint, das eben alle sich anstrengen müssen. Eine weitere Plastik, „Die Vereinigung“, eine Hommage an die deutsche Einheit, ist in der Ausstellung des Wismarer Ratskellers zu sehen. Für die St. Georgenkirche hat Seemann mit der Gestaltung des Nordostportales etwas sehr besonderes und auch persönliches geschaffen. Das Portal ist sein Werk und Geschenk an St. Georgen, die seine nichtreligiöse Interpretation biblischer Themen ausdrückt, wie die Symbolisierung der Flüchtlingswellen durch die Flucht der Israelis aus Ägypten, den Heiligen Christopherus als Weltenretter und die St. Georgs-Legende.

Unzählige Besuche in den letzten Jahren nach der politischen Wende in seiner Heimatstadt sind ihm ein inneres Bedürfnis, wobei er ein aufmerksamer und auch kritischer Beobachter des Wandels in der Stadt ist. Dazu ist er ständiger Gast bei den internationalen Backsteinbaukongressen in St. Georgen, der auch diesem Jahr wieder im September stattfindet. Er ist ein vehementer Unterstützer für die vorsichtigen Rekonstruktionsmaßnahmen an der Sichtbarmachung des Kirchenschiffes von St. Marien, die er durch das leider nicht mehr stattfindende Schaumauern mehrmals unterstützte und dem Wiederaufbau der Alten Schule. Seine „Tauzieher“, die nunmehr einen festen Platz im Schiff von St. Marien haben, sind da an Symbolik kaum zu überbieten.

Was geschah weiter in dieser Woche  

  1. März 1902 Grundsteinlegung der katholischen St.-Laurentius-Kirche.
  2. März 1925 Die Stadt Wismar übernimmt das bisher von einem privaten Verein geführte Museum.
  3. März 1933 NSDAP-Kreisleiter und Landtagsabgeordneter Alfred Pleuger wird von der mecklenburgischen Staatsregierung als kommissarischer Bürgermeister eingesetzt.
  4. März 1937 Regionalhistoriker Gustav Willgeroth gestorben.
  5. März 1988 Verleihung der Ehrenbürgerschaft an der Leichtathletin Marita Meier-Koch.
  6. März 1991 Beginn der 1. Informations- und Verkaufsausstellung vom 15. bis 18. März 1991 mit 120 Ausstellern in vier Hallen auf dem Weidendammplatz. Hieraus entwickelte sich in den Folgejahren die Hanseschau.
  7. März 1956 Die ehemalige Gaststätte „Hafenhalle“ wird „Internationaler Club der Seeleute“ (Interclub). 1997 eröffnete hier das Hotel „New Orleans“.

 Detlef Schmidt

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

fünf + 18 =