Kalenderblatt zum 13. Mai

Friedrich Christoph Dahlmann – eine nationale Persönlichkeit aus Wismar
Der „Vater“ der deutschen Verfassung wurde am 13. Mai 1785 in Wismar geboren

Der über Wismars Grenzen in ganz Deutschland hochgeachtete Historiker und im 19. Jahrhundert außerordentlich populäre Politiker Friedrich Christoph Dahlmann, wurde am 13. Mai 1785 im städtischen Syndicatshaus in der Mecklenburger Straße als Sohn des Wismarer Syn-dicus und späteren Bürgermeisters, Johann Ehrenfried Dahlmann, geboren. Das Geburtshaus musste 1886 dem 1888 eingeweihten neuen Postgebäude weichen. Eine erst 1882 angebrachte Erinnerungstafel wurde „gerettet“ und ins städtische Museum gebracht, wo sie noch heute aufbewahrt wird. Friedrich Christoph Dahlmann wuchs als sechstes Kind gemeinsam mit zehn Geschwistern auf. Zwei seiner älteren Brüder traten ebenso wie der Vater und Großvater in städtische Dienste als Stadtsyndicus ein. Die Kindheit und Schulzeit auf der Großen Stadtschule im damals schwedischen Wismar prägten den jungen Dahlmann, von dem man schon früh sagte, dass „seine Welt die Bücher seien“. Nach Abschluss der Reifeprüfung an der Gro-ßen Stadtschule, begann er 1802 ein Studium an der Universität Kopenhagen und setzte es 1804 in Halle fort. 1805 kehrte er wegen des plötzlichen Todes seines Vaters nach Wismar zurück und bereitete sich auf seiner Dissertation vor, die er 1810 in Wittenberg erfolgreich verteidigte. Er habilitierte 1811 an der Universität Kopenhagen und erhielt mit 28 Jahren 1813 seine erste außerordentliche Professur an der Universität im dänischen Kiel. 1829 wurde er an die Uni Göttingen als ordentlicher Professor berufen. Er arbeitete dort an einer, für damalige poltische Verhältnisse, äußerst progressiven Verfassung für das Königreich Hannover mit, die 1833 in Kraft trat und 1835 erschien dort sein Hauptwerk „Die Politik auf den Grund und das Maaß der gegebenen Zustände zurückgeführt“.
1837 setzte der neue hannoversche König, Ernst August diese Verfassung außer Kraft und verlangte von allen Beamten, so auch von den Professoren, einen Huldigungseid. Dahlmann und weitere seiner Kollegen, unter ihnen die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, verweigerten diesen, und Friedrich Dahlmann wurde als Wortführer außer Landes verwiesen. Als „Göttin-ger Sieben“ ging dies in die Deutsche Geschichte ein. In vielen deutschen Kleinstaaten wur-den sie gefeiert, so auch in Wismar, das Dahlmann im September 1839 letztmalig besuchte. Viele „Honoratioren“ Wismars „huldigten“ ihrem großen berühmten Sohn und manch Ehren-gedicht wurde ihm gewidmet. 150 Unterschriften der Wismarer Gesellschaft forderten die Ehrenbürgerschaft, die die Wismarer Bürgerschaft aus ängstlicher „Rücksicht“ gegenüber dem hannoverschen König nicht verlieh. Der damalige Rektor Friedrich Crain von der großen Stadtschule lud ihn zum 300. Schuljubiläum im Jahre 1841 ein, das er aber nicht wahrnehmen konnte.
1842 nahm Dahlmann eine Professur an der Universität Bonn an, wo er bis zu seinem Lebens-ende blieb. Seine Vorlesungen gehörten zu den besuchtesten an der Uni Bonn und er galt als politische Autorität in Preußen. In den nationalen revolutionären Bewegungen um 1848 nahm er eine der zentralen Rolle ein. Er wurde preußischer Bundesgesandter und Vertrauensmann in der Nationalversammlung und der von ihm mit erarbeitetem Verfassungsentwurf von 1849 zur Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche, ist maßgeblich auf Friedrich Christoph Dahlmann zurückzuführen. Er stirbt am 5. Dezember 1860 in Bonn und ist dort auch begra-ben. Die Wismarer Grabstelle der Familie Dahlmann, wo unter anderem sein Bruder begraben liegt, befindet sich auf dem ehemaligen „Galgenberg“ in der Nähe des Grabes von Bürger-meister Anton Haupt. Wismar ehrte ihren berühmten Sohn am 1. Dezember 1881 mit der Be-nennung einer neuen Straße im Bereich der ehemaligen Stadtmauer, der „Dahlmannstraße“- zu einer Ehrenbürgerschaft konnte sich die Wismarer Bürgerschaft nicht entschließen! Seit eini-gen Jahren wird am Postgebäude in der Mecklenburger Straße 18 mit einem Erinnerungsschild an der Stelle seines ehemaligen Geburtshauses auf den „Wortführer der Göttinger Sieben und Vater der ersten gesamtdeutschen Verfassung von 1849“ hingewiesen.

Was sonst noch geschah:
14. Mai 1881 Rudolph Karstadt eröffnet sein erstes „Tuch-, Manufactur- und Confectionsge-schäft“ in der Krämerstraße 7.
14. Mai 2001 Der Rudolph-Karstadt-Platz erhält seinen Namen.
16. Mai 1903 Zustimmung des schwedischen Reichstages zur Regierungsvorlage zur Rück-gabe Wismars.
17. Mai 1653 das Wismarer Tribunal nimmt seine Arbeit auf.
19. Mai 1675 König Karl XI. bestätigt einen Plan zum Ausbau der Walfischbefestigung als fünfeckige Sternschanze.
19. Mai 1819 Der Wismarer Rat verkauft die ihm gehörige Ratsapotheke zur Finanzierung des Rathausneubaus für 8000 Taler.
19. Mai 1946 Erste Schiffe laufen den Wismarer Hafen nach dem Krieg an.
20. Mai 1983 Übergabe des fertiggestellten Torraumes im Wassertor an den Club maritim.

Detlef Schmidt

Wismar, den 9. Mai 2014

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