Kalenderblatt zum 13. September

Hurra, die Schule beginnt

Am 13. September 1945 erließ die SMA Schwerin einen Befehl, dass der Unterricht in Mecklenburg-Vorpommern am 1. Oktober zu beginnen hat und der Unterricht wurde an Wismars Schulen wiederaufgenommen. Zuvor gab es am 11. September 1945 einen Beschluss des Rates der Stadt, wegen mangelnden Heizmaterials und anderweitiger Belegung der Gebäude noch nicht zu eröffnen, doch gegen die Russen war man machtlos. Der Sommer 1945 war außergewöhnlich warm und zog sich bis in den Herbst hinein, jedoch im darauffolgenden Winter kam es zu starken Kälteeinbrüchen und da das Heizmaterial fehlte, gab es dann „Kältefrei“. Es gab sogar Beispiele, wo Eltern ihren Kindern Heizmaterial mitgaben. Es war eben eine schwierige Zeit, die von Vielen das Letzte abforderten. Zwar gab es in Mecklenburg schon seit 1756 ein Schulzwang Gesetz, jedoch in Wismar wurde dies erst am 1. März 1855 durchgesetzt. Ein Bericht der Kommission zum Schulwesen kam am 10. Dezember 1847 zum Ergebnis, dass „von der Freischule (Kochsche Stiftung) bis zur Großen Stadtschule sich in Wismar im Schulwesen die erheblichsten Lücken und Mängel finden“. Dabei war das Schulgeld für die Wismarer schon maßgebend, denn Eltern hatten einen Schilling pro Woche für ihre Kinder zum Schulbesuch einer Volksschule zu zahlen, wogegen Schüler der Bürgerschule jedes Quartal einen Taler und 16 Schillinge abgeben mussten. Das sah 1945 gänzlich anders aus. Es fehlte nicht nur Heizmaterial, Schulbüchern und Unterrichtsmaterial, sondern auch Schulmobilar und Lehrkräfte, denn die vormaligen Nazi-belasteten Lehrer wurden nicht im Schuldienst übernommen. Möbel und Inventar sind zusammengesuchte Stücke; statt Schulbänken, Tische und Hocker. Das neue Schuljahr beginnt am 1.September 1946 entsprechend dem Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule mit neuem Unterrichtsinhalt, anhand neuer Lehrpläne und neuer Lehrbücher. Die Knaben-Volksschule in der Dahlmannstraße (heute Gerhard-Hauptmann-Gymnasium) war 1945 Lazarett und 1946 Lehrer-Ausbildungsstätte, kann wieder genutzt werden. Die Absolventen des Acht-Monate-Neulehrer-Kurses treten in den Schuldienst ein. Damit sind rund 75 Prozent des Lehrkörpers in Wismar Junglehrer. Zusammen mit den Altlehrern richten sie die neue allgemeine Grundschule mit acht Klassenstufen und die darauf aufbauende Oberschule mit den Klassen 9- 12 ein. Am 14. April 1947 gibt es eine Überprüfung zum Schulwesen. Danach konnten von den sechs Schulen Wismars, die alle im 19. Jahrhundert, bzw. Anfang des 20. Jahrhundert erbaut wurden, vier Schulen genutzt werden. Das waren die Grundschulen für Knaben und Mädchen in der Dahlmannstraße sowie die Große Stadtschule. In den drei Schulgebäuden an der Dahlmann-Straße sind jeweils zwei Schulsysteme untergebracht. 107 Lehrer haben 6.470 Grundschüler in 145 Klassen zu unterrichten; 55 Räume stehen dafür zur Verfügung. Das Schulgebäude im Badstaven, lange Zeit Unterkunft für Umsiedler, ist 1946 fertig renoviert für den Schuldienst übergeben worden. Die Abteilung Kultur und Volksbildung drängt auf die Freigabe des Lyzeums, das bislang von der Militärkommandantur der Roten Armee genutzt wurde, aber jetzt freisteht, doch erst zehn Jahre später am 12. Januar 1956 zog am 12. Januar 1956 die DSF-Schule, heute Musikschule, ein. Am 11. Mai 1946 wurde die Große Stadtschule von der Krankenhausverwaltung geräumt und für den Schulbetrieb freigegeben. Die Oberschule für Jungen und die Oberschule für Mädchen werden zusammengelegt zur „Großen Stadtschule“ mit 344 Schülern und 23 Lehrern. Noch 1948 stellte man nach einer Untersuchung fest, dass die Versorgung mit Lehrmitteln (außer mit Bleistiften) ausreichend ist. Jedes Kind erhält drei Schreibhefte, wobei in den unteren Klassen noch die Schiefertafel dominiert. Die Schülerzahl stieg im neuen Schuljahr am 1.September 1947 durch den Zuzug vieler Menschen stark an, was sich auch in den Schülerzahlen widerspiegelt. Es wurden 900 Kinder eingeschult, für die Schulbücher und Lernmaterial nun ausreichend vorhanden sind. Es mangelte jedoch an den Schiefertafeln für die Grundschüler. Der Zugang von Neulehrern ermöglicht es, die 65jährigen Lehrer in Rente zu schicken. Sie können aber neben der Rente weiter tätig sein. Die neue Stadtverwaltung und die Stadtverordnetenversammlung drängten auf die Umbenennung der Schulen, denn die alten Namen waren nicht zeitgemäß und entsprachen nicht der neuen vorherrschenden Ideologie. Der Beschluss dazu erfolgte am 15. Oktober 1948. Die Große-Stadtschule änderte ihren Namen in Geschwister-Scholl-Schule schon am 19. April 1949. Die Mädchenbürgerschule erhielt den Namen Fritz-Reuter-Schule, die Knabenvolksschule den Namen Gerhart-Hauptmann-Schule, die Mädchen-Volksschule den Namen Pestalozzi-Schule, und die Knaben-Bürgerschule erst am 11. November 1949 den Namen Goethe-Schule. Schon gleich nach der Befreiung von den Nazis, sind die Schulnamen Adolf Hitler für Fritz-Reuter-Schule und Horst Wessel für Goetheschule verschwunden. Beide Schulen wurden am 2. April 1933 mit „viel Brimborium“ von den Nazis so benannt.

Dringend wurden neue Schuleinrichtungen benötigt und so entstand im ehemaligen Luftwaffenlazarett die „Friedenschule“. Diese erhielt am laut Beschluss vom 4. März 1949 ihren Namen, ebenso wie das alte Lazarettgebäude den Namen „Friedenshof“ als bezeichnender Name für die vielen Flüchtlinge und Umsiedler, die hier Unterkunft fanden. Mit dem Baubeginn des neuen Wohngebietes wurde der Name „Friedenshof“ für den gesamten Stadtteil übernommen. Die Friedensschule konnte ihren Schulbetrieb 1949 aufnehmen, wobei Einrichtung der Friedensschule bis auf Wandtafeln, einige Stühle für den Zeichensaal und Ausrüstung für das Rektorenzimmer komplett und Bänke für 500 Schüler vorhanden sind.

Übrigens Schülertransport gab es nicht. Man musste schon zur Schule laufen. So sind 1946 über die Schulen 800 Paar Schuhe verteilt und 1949 gab es eine Anordnung vom Schulrat, dass Schuhe für Kinder grundsätzlich nur durch die Schulen vergeben werden. In dringenden Fällen erfolgt die Zuteilung durch den Schulrat beim Kulturamt.

Was sonst noch geschah

  1. September 1945 Der Postbetrieb wird wiederaufgenommen.
  2. September 1946 Mit den „Wismarschen Nachrichten“ erscheint erstmalig nach dem Krieg wieder ein Mitteilungsblatt.
  3. September 1831 Rat und Quartiere entscheiden sich für einen neu angelegten Friedhof vor dem Mecklenburger Tor.
  4. September 1940 Das Museumsgebäude im ehemaligen Logenhaus in der Lübschen Straße wird für kriegswichtige Behörden geräumt, die Bestände ausgelagert.
  5. September 1945 Bauarbeiten sind künftig genehmigungspflichtig.
  6. September 1927 Erste regelmäßige private Buslinie in Wismar (Richard Eckner 1892 – 1959). Wurde 1943 von der Stadt Wismar übernommen.
  7. September 1800 Bürgermeister Anton J. F. Haupt geboren (gest. 22. November 1835).
  8. September 1977 – 23. September 1977, Regionaltagung (Europa) des ICOMOS in Rostock und Wismar.
  9. September 1990 Arbeitslosenquote liegt in Wismar bei 7,1 %, das sind über 3.000 Menschen.

 

 

Detlef Schmidt

September 2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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