Kalenderblatt zum 14. Juni

 Das ungewöhnliche Schiff des Johann Carl Hammer

Aus der Bädergeschichte Wismars I

Am 14. Juni 1821 verließ ein merkwürdiges Schiff den Wismarer Hafen, das ebenso bestaunt wurde, wie die ersten Containerschiffe im 20. Jahrhundert. Der aus Zingst stammende Schiffbaumeister Johann Carl Hammer hatte die Idee, es war ein 16 Meter langes und acht Meter breites Boot, das an einer 150 Meter langen Brücke am Strand des Dorfes Wendorf festmachte.

Hammer hatte dies Schiff auf einer Wismarer Werft erbauen lassen. Die ersten Besucher – Honoratioren der Stadt – bestiegen das Hammersche Badeschiff, wie es fortan genannt wurde.

1793 wurde in Heiligendamm bei Bad Doberan das erste deutsche Seebad durch das mecklenburgische Herzoghaus auf Anregung von Dr. Samuel Vogel gegründet.

Danach nahm das „Freibaden“ besonders unter den privilegierten Bevölkerungsschichten einen großen Aufschwung. In rascher Folge entstanden in fast allen mecklenburgischen Küstenorten mehr oder weniger große Badeanstalten.

Sind heute die Badestrände weiter von den Städten entfernt, so wurden in den Anfängen des Badewesens die Badeanstalten in die Nähe von größeren Gemeinden und Städten gelegt, um so das Publikum stärker für diese Neuerungen zu erwärmen.

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts begann auch in Wismar das Freibaden Mode zu werden. Besonders eignete sich dafür der Strand von Wendorf, einem damals kleinem Dorf.

Zwar badete die Bevölkerung auch noch im Hafen, im Mühlenteich und bei der Brücke vor dem Poeler Tor, doch das wurde ihr 1822 durch eine Ratsverordnung verboten.

So sah man sich notgedrungen nach anderen Bademöglichkeiten um und der besonders pfiffigen Idee einen Wismarer ist es zu verdanken, daß in Wismar eines der ersten Seebäder Deutschlands im Entstehen war: Seebad Wendorf.

Johann Carl Hammer führte seine Gäste selbst. Unter Deck befanden sich vierzehn gut zweieinhalb Meter hohe Badestuben, neun für kalte und vier für warme Seebäder; die vierzehnte war den Kindern vorbehalten. Aus den Badestuben für kalte Bäder führten Treppen in die freie See. Ebener Sandgrund und eine Wassertiefe von eineinhalb Meter lockten zum Bade. Wer sich vor neugierigen Blicken schützen wollte, bestellte sich einen Schirm.

Über den Badezimmern befand sich ein großer Saal. Hier saß man nach dem erfrischenden Bade zusammen und probierte, was Hammers Küche zu bieten hatte. Der geschäftstüchtige Schiffbaumeister hatte wirklich an alles gedacht. An Bord befanden sich eine Speisekammer, ein Buffet und zwei Küchen, nicht zu vergessen das Sonnendeck, das über dem Saal lag.

Hammer wusste, wie man den Wismarern das Geld aus der Tasche ziehen konnte.

In den ersten Jahren begann die Badezeit schon um vier Uhr morgens und dauerte bis 22 Uhr abends. Von vier bis sieben Uhr durften die Damen alleine baden, danach Damen und Herren gemeinsam.

Da Wismars Frauenwelt scheinbar nicht so früh aus den „Federn“ kamen, wurde die Badezeit für sie später von 9 Uhr bis 11 Uhr festgelegt.

Der Besuch des Badeschiffes blieb jedoch einer kleinen wohlhabenden Schicht vorbehalten. Dafür sorgten schon die Preise. Für die Hin- und Rückfahrt mussten pro Person vier Schillinge bezahlt werden. Für ein warmes Bad nochmals zwölf, für ein kaltes sechs Schillinge.

Leihgebühren für Badeutensilien und die Ausgaben für Erfrischungen und Essen kamen hinzu. Dabei muss man bedenken, dass ein einfacher Zimmermann einen Tageslohn zwischen zwölf und zwanzig Schillinge bekam.

So blieb die Zahl der Besucher beschränkt. 1826 zählte man täglich 15 bis 20 Equipagen in Wendorf und Hammer verkaufte pro Tag Billetts für 80 bis 100 Bäder.

Im Winter wurde das Schiff regelmäßig im Wismarer Hafen für die nächste Saison überholt.

In den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Besitzers, so dass Hammer schließlich im Februar 1850 Schiff und Inventar meistbietend versteigern musste.

 

Was sonst noch geschah:

  1. Juni 1908 Einweihung der schwedischen Seemannsmission in der Kleine-Hohe-Straße 26 mit dem schwedischen Pastor Setelius aus Kiel.
  2. Juni 1945 400 Beschäftigte produzieren in den Dornier-Werken Aluminiumgeschirr, reparieren Landmaschinen und übernehmen Bauarbeiten.
  3. Juni 2002 Stadtpartnerschaft mit Kalmar (Schweden).
  4. Juni 1859 Gründung der städtischen Feuerwehr.
    18. Juni 1933 Eröffnung des Heimatmuseums im Schabbellhaus.
  5. Juni 1958 Auflösung der sowjetischen Stadtkommandantur in Wismar.

 

Detlef Schmidt

 

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