Kalenderblatt zum 15.September

Wismarer Holzcluster entsteht auf ehemaligen Flugplatz

Am 15. September 1999 begann für das holzverarbeitende Unternehmen EGGER eine nunmehr 15 Jahre andauernde unternehmerische Erfolgsgeschichte. Gemeinsam mit dem ein Jahr zuvor eröffneten Sägewerk von KNT und der Hüttemann GmbH, begründeten sie das Industriegebiet Haffeld und seitdem spricht man vom „Wismarer Holzcluster“.

Das EGGER Werk umfasst heute  90 Hektar Gewerbeland, was etwa 126  Fußballfelder ausmacht, und ist aktuell mit rund 800 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber Wismars und steht damit auf Platz 23 in Mecklenburg-Vorpommern.

Das gesamte Areal des Haffelds hat in den letzten 80 Jahren eine wechselhafte Geschichte erlebt. Vorgesehen als Hafenerweiterungsgebiet, gab es in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts verschiedene Vorstellungen, um das attraktive Gelände zu nutzen.

Wismar hatte 1933 die „Nase“ vor einigen Mitbewerbern vorn, als die Dornier-Werke aus Friedrichshafen ein neues Werk errichten wollten. Am 1. Dezember 1933 wurden die Dornier-Werke Wismar GmbH, die ab 1938 in Norddeutsche Dornier-Werke GmbH mit Sitz in Wismar“ firmierten, in Wismar gegründet. Der Hauptverwaltungssitz befand sich in der Adolf-Hitler-Straße 24 (heute Dr.-Leber-Straße). Auf dem Haffeld begannen emsige Bauarbeiten und schon 1934 waren die ersten Hallen, wie die „Seehalle“  und später die „Flughalle“, fertig. Viele Wismarer fanden nach der großen Arbeitslosigkeit hier Beschäftigung. Landeten die Flugzeuge zunächst noch auf einer Gras- und Sandbahn, so war 1938 die betonierte Start- und Landebahn fertig. Nach Beginn des 2. Weltkrieges änderte sich die Situation schlagartig, da die Dornier-Werke natürlich als Rüstungsbetriebe eingestuft wurden und so auch Ziel von Luftangriffen wurden. Gleich der erste Luftangriff vom 24. Juni 1940 galt den Flugzeugwerken. Weitere Angriffe folgten und der schwerste Angriff kam am 25. August 1944, wo Teile des Werkes I und auch des Haffelds zu 80 Prozent zerstört wurden und 205 Menschen den Tod fanden.

Nach dem Krieg ordneten die Engländer am16. Mai 1945 an, dass Mitarbeiter der Dornier-Werke die Panzersperren abbauten und per 15. Juni 1945 stellten die Dornier-Werke endgültig auf Frieden um und produzierten Küchengeschirr aus Aluminium und reparierten Landmaschinen. Am 20. Dezember 1945 erhielten die Norddeutschen Dornier-Werke Wismar den Demontagebefehl und das Werk hörte auf zu existieren.

Die Rote Armee, seit dem 2. Juli 1945 in Wismar, quartierte sich in die nunmehr leer stehende Flakkaserne ein und das Dornier-Gelände auf dem Haffeld nutzten sie als Übungsgelände und später auch als Tanklager. Die alten Hallen waren demontiert und auch das Flugfeld war unbrauchbar. Mit dem endgültigen Abzug der Roten Armee am 30. Juni 1993 aus Wismar konnte man an die Revitalisierung des Geländes gehen. Die Hansestadt Wismar hat mit eigenen finanziellen Mitteln und öffentlichen Fördermitteln das Gelände dekontaminiert und so für eine Gewerbeansiedlung attraktiv hergerichtet. Dazu kam die Anbindung an den Seehafen und der Anschluss an die Autobahn A 14 über die am 16. August 2003 eröffnete Osttangente. Am 24. August.2006 war der erste Teilabschnitt der A 14 bis Jesendorf fertig.

Diese und andere günstigen Umstände trugen im Wesentlichen zur Gründung des Holzclusters und weiterer Gewerbebetriebe bei. Das Familienunternehmen EGGER aus St.Johann in Tirol (Österreich), erkannte die gute Lage und bereits ein Jahr nach dem ersten Spatenstich für die Errichtung eines neuen Werkes in Wismar begann die erste Fertigungslinie zu produzieren. Heute erzeugt EGGER Wismar pro Jahr bis zu 55 Millionen Quadratmeter Laminat, das sind etwa pro Minute 100 Quadratmeter und gehören damit zu den TOP 3 in der Welt. Ein weiteres Produkt von EGGER ist die Bauplatte „OSB“ (Oriented Strand Board) für kontsruktive Anwendungen. Täglich werden rund  30 Lastkraftwagen und Container oder auch ganze Schiffe beladen und verlassen das Werk in die ganze Welt.Das entspricht in etwa 70-tausend Einfamilienhäusern in Holzbauweise pro Jahr. Das bedeutet aber auch, dass das Werk rund um die Uhr und am Wochenende arbeitet. Die EGGER-Leute sind stolz auf das Erreichte, das sie im Wesentlichen guten Mitarbeitern, dem Know How aber auch stetiger Investitionen der Unternehmensgruppe verdanken. So investierte EGGER in den vergangenen 15 Jahren runde 500 Millionen Euro in den Standort Wismar.

Die auf dem Haffeld angesiedelten Unternehmen sind ein gutes Beispiel dafür, wie ehemals militärisches Gelände sehr gut für friedliche Zwecke genutzt werden kann. Dennoch sollte man die Vergangenheit nicht aus den Augen verlieren.

Was sonst noch geschah:

  1. September 1675 Die Dänen nehmen die Festung Wismar nach mehreren Sturmangriffen ein.
  2. September 1940 Das Museumsgebäude im ehemaligen Logenhaus der Freimaurer für kriegswichtige Behörden geräumt, die Bestände ausgelagert.
  3. September 1945 Bauarbeiten sind künftig genehmigungspflichtig.
  4. September 1927 Richard Eckner betreibt die erste regelmäßige private Buslinie in Wismar. Wurde 1943 von der Stadt Wismar übernommen.
  5. September 1895 Der Dampfer „WISMAR“ sinkt in einem Sturm.
  6. September 1800 Bürgermeister Anton J. F. Haupt geboren (gest. 22. November 1835).19. September 1977 – 23. September 1977, Regionaltagung (Europa) des ICOMOS in Rostock und Wismar.

Detlef Schmidt

 

 

 

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