Kalenderblatt zum 15. August

  Ostsee-Zeitung erscheint mit erster Ausgabe

Am 15. August 1952 erschien erstmalig in Wismar die OSTSEE-ZEITUNG mit einem Wisma-rer Lokalteil. Sie löste die seit dem 13. April 1946 erschienene „Landeszeitung“ ab.
Die Verwaltungsreform der DDR über die Neubildung der Bezirke anstatt der alten Länder, wurde 1952 umgesetzt. Die drei neuen Nordbezirke Rostock, Schwerin und Neubrandenburg deckten damit das alte Land Mecklenburg und Vorpommern ab. Wohlweislich hatte die sow-jetische Militäradministration das seit 1934 bestehende Land „Mecklenburg-Vorpommern“ in „Mecklenburg“ umgewandelt. Damit sollte alles was auf den Namen „Pommern“ hinwies ge-löscht werden. In den neu entstehenden Bezirken erschienen eigenständige Zeitungen, die der SED gehörten und auch als ihr „Organ“ bezeichnet wurden.
So wurde der Name „Ostsee-Zeitung“ genommen, der gute zum „Ostseebezirk Rostock passte, der aber schon in Wismar bekannt war. Kurzzeitig gab es die „Mecklenburgische Ostsee-Zeitung“ mit dem Untertitel „Wismarsche Zeitung“, die ab dem 19. September 1893 in einer Auflage von 5.000 Stück erschien. „Willgeroth& Menzel“ ein Wismarer Ver-lag aus der Bohrstraße konnte sich mit der Zeitung jedoch nur kurz behaupten. Eine weite-re Ostsee-Zeitung gab es in Stettin, die von 1845 bis 1928 in Unterbrechungen herausgege-ben wurde und in die Stettiner Abendpost überging.
Seit dem 6. Dezember 1749 gab es mit den „Wismarschen Intelligentz= und andere Nach-richten“ die erste regelmäßige Zeitung bis zum 6. Juni 1750 in der Hansestadt. Ab 1783 erschienen dann die „Wismarschen privilegierten wöchentlichen Ausgaben“ und seither versorgen Zeitungen mit den unterschiedlichsten Namen bis heute die Wismarer mit den notwendigen Informationen. Die ersten Zeitungen waren kleine zweiseitige Ausgaben, die zwei bis dreimal wöchentlich erschienen. Es gab darin einen weltpolitischen Teil, der erst-mals einer breiteren Schicht die Sicht auf Ereignisse in Deutschland und der Welt eröffne-te. Lokalnachrichten gab es keine. Wozu auch, was in der Stadt passierte, war sowieso gleich rum erzählt. Dafür gab es einige wenige „Proclamata“ – Anordnungen des Rates und viele Verkaufs- und Vermietungsanzeigen, die aber auch sehr klein gehalten waren. Sie geben bei aufmerksamen Lesen doch ein Bild vom Geschehen früherer Zeit. Am 27. Au-gust 1835 ließ der Schlachtermeister David Steffen in der „Wismarschen Zeitung“ wörtlich folgende Annonce veröffentlichen: „Da ich meinen Lehrburschen Carl Ahrens aus der lehre entlassen habe, so warne ich Jeden, demselben etwas auf meinen Namen zu verabfolgen zu lassen, indem ich für nichts hafte“. Doch der Lehrling Carl Ahrens war um keine Antwort verlegen, und so erschien in der nächsten Ausgabe der Zeitung, am 1. September 1835, seine öffentliche Antwort: „Infolge der neuerlichen Insertion in hiesiger Zeitung, vom Schlachtermeister Steffen, nichts auf seinen Namen verabfolgen zu lassen, bemerke ich: dass man mir leider zu öfters auf seinen Namen nichts mehr verabfolgen ließ, und dieses als Hauptgrund unserer Entzweiung zu betrachten ist, dass ich von ihm kam“. Nachdenklich stimmt dagegen die Anzeige von Frau Bacher aus Nummer 62 der „Wismarschen Zeitung“ von 1810, in der sie schreibt: „Ich zeige dem geehrten Publicum an, daß ich mich von mei-nem Mann getrennt habe und bitte dem geehrten Publicum, wenn er sollte Jemand die Kar-toffeln zum Kauf stellen, die ich auf dem Rumpschen Acker habe, daß keiner ohne meinen Willen sie käuft, indem ich gedenke mit meinen drei unmündigen Kindern davon zu le-ben“.
Am 15. April 1867 erhielt der Wismarer Verleger Carl Dethloff Hinstorff die Konzession für die „Neue Wismarsche Zeitung“, die dann am 1. März 1877 auf das herausgegebene „Meck-lenburger Tageblatt“ mit dem Lokalteil „Wismarsche Zeitung“ überging. Diese Zeitung er-schien ununterbrochen 68 Jahre bis zum Februar 1945 in der ehemaligen Hinstorffschen Dru-ckerei Hinter dem Rathaus 15 in Wismar. Die Nazis brachten in Wismar den vom Gauleiter Friedrich Hildebrandt 1927 gegründeten „Niederdeutschen Beobachter“ als ideologisches Sprachrohr der Nazis heraus.
Noch vor Ende des 2. Weltkrieges stellten die Wismarer Zeitungen ihr Erscheinen ein und die englischen und später russischen Besatzungsmächte brachten ihre Anordnungen und Befehl auf Plakatanschläge und Handzetteln heraus.
Nachdem im August 1945 laut Anordnung der Besatzungsmächte wieder Zeitungen heraus-gegeben werden durften, erschien am 13. April 1946 die „Landeszeitung“, schon damals der SED gehörig mit einem Wismarer Lokalteil. Die „Wismarsche Nachrichten“ kamen als reines wöchentliches Mitteilungsblatt am 13. September 1946 heraus. Beide Zeitungen erleichterten den Aufbau einer neuen Administration in einem völlig zerstörten System immens.
Mit der gesellschaftlichen und politischen Umstrukturierung in der „Wendezeit“ 1989 be-gann auch die Zeitung, sich von ihrer alten umklammernden Parteistruktur zu lösen, indem sich die Belegschaft der Ostsee-Zeitung in einem basisdemokratischen Prozess von ihrem Herausgeber, der SED-Bezirksleitung Rostock, lossagte. Am 22. Januar 1990 erscheint die Ostsee-Zeitung erstmalig mit neuer Unterzeile „Die Unabhängige im Norden“ und 1994 wird sie zur besten europäischen Zeitung des Jahres gewählt, eine Auszeichnung, die nicht von ungefähr kommt.
Die Wismarer Lokalausgabe der Ostsee-Zeitung hat seit der „Wende“ ihren Anteil stets erhöht von anfangs zwei Seiten bis heute auf fünf Seiten mit allen wichtigen Themen aus der Hansestadt und dem umgebenden Landkreis mit umfangreichem Sportteil.

Was sonst noch geschah
15. August 1991 Gründung der Stadtwerke Wismar GmbH .
15. August 1948 Einweihung des Ehrenfriedhofes der Roten Armee für 348 gefallene Militär-angehörige auf dem Wischberg.
16. August 2003 Eröffnung und Übergabe der Osttangente mit Verkehrsfreigabe.
16. August 1835 Frau Susanne Ockel stirbt in Wismar mit 78 Jahren und wird am 17. August 1835 als letzte Bestattung in St. Marien beigesetzt.
17. August 1880 Einweihung des Neubaus von Architekt Helmuth Brunswig aus Wismar der Knaben-Bürgerschule. Die Kirche wurde abgerissen und der Chor blieb für Turnhalle und Au-la erhalten. Seit 1948 ist es die Goethe -Schule, heute IGS Johann Wolfgang von Goethe-Schule.
18. August 1906 Richtfest an der höheren Töchterschule am Turnplatz.
18. August 2000 Die Hansestadt Wismar begeht das 1. Schwedenfest, woraus sich in den Folgejahren das größte „schwedische Fest außerhalb Schwedens“ entwickelt.

Detlef Schmidt

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