Kalenderblatt zum 15. Dezember

Die Wismarer Bürger müssen ab sofort für den Dänenkönig beten

Am 15. Dezember 1675 marschiert König Christian von Dänemark nach schweren Kämpfen in die Stadt ein und besetzt sie.
Das 17. Jahrhundert mit seinen vielen einschneidenden Ereignissen, gehörte im mitteleuropäi-schen Raum wohl zu den schwierigsten Zeiten bis zum 20. Jahrhundert. Wismar war beileibe nicht ausgeschlossen. 1618 brach der Dreißigjährige Krieg aus. Wismar wurde am 10. Oktober 1627 durch die Besetzung der kaiserlichen Truppen mit dem wallensteinschen General Hans Georg von Arnim eingenommen. Die Schweden besetzten Wismar 1632 mit ihren schwedi-schen und finnischen Soldaten. Die kaiserlichen Truppen erhielten am 12. Januar 1632 freies Geleit mit „Musik, fliehenden Fahnen und einer Gewehrkugel im Mund“, damit sie ja nicht noch Schaden anrichten sollten. Dafür hielten sich die neuen Besatzer schadlos an der Bevöl-kerung und Zeitgenossen berichten von einer „großen Verwüstung“. Der „große Krieg“ der 1648 bekanntlich mit dem westfälischen Frieden endete, brachte Wismar in äußerst schwierige wirtschaftliche Umstände. Durch den Friedensschluss wurde Wismar, die Insel Poel (außer den lübischen Dörfern auf Poel) und Neukloster schwedisches Eigentum, das zusammen mit dem Herzogtum Verden und Teile Pommerns und Vorpommerns in eine schwedische Provinz aufging. Schweden unterließ in der europäischen Politik kaum ein Feld aus, wo es kriegerisch mit einwirken konnte. Das spürten nicht nur die skandinavischen Länder, sondern ging bis weit in das europäische Festland hinein.
Auf Drängen des französischen Königs begann Schweden einen Krieg mit Brandenburg und holte sich in der historischen Schlacht bei Fehrbellin am 18. Juni 1675 eine blutige Nase. Da-mit hatte der brandenburgische Kurfürst freie Hand und der alte Feind der Wismarer und auch der Schweden, die Dänen, schlossen sich bereitwillig zu einem Bündnis gegen die Schweden mit ihren Land- und Seestreitkräften an, nachdem ihnen die Brandenburger bei Erfolg Wismar als Kriegsbeute zugesagt hatten, und kreisten ab September 1675 die Stadt regelmäßig ein. Das erste und leichteste Opfer war das schwedische Poel, das im September 1675 ohne große Gegenwehr von den Brandenburgern besetzt wurde, während die Einnahme des Forts Walfisch schwieriger sein sollte. Die Schweden hatte dort eine Orlog, ein Segel-kriegsschiff, die „Falke“ stationiert. Hier hatten die dänischen Schiffe das Glück auf ihrer Seite. Bei Niedrigwasser und im dichten Novembernebel wurde das Kriegsschiff am 5. No-vember 1675 überfallen und in Besitz gebracht. Der Besatzung des Forts Wallenstein blieb nichts weiter übrig, als sich der Übermacht zu ergeben. Am 13. Dezember nahmen die Dänen das Mecklenburger Tor ein und somit war das schwedische Wismar unter dänischer Besat-zung. Einen Tag später, am 14. Dezember 1675 hatten die schwedischen Soldaten die Stadt zu räumen und ihnen wurde gestattet, sich noch drei Tag in der Nähe Wismars aufzuhalten, um offenen Rechnungen oder Abmachungen mit den Wismarer auszugleichen. Danach wur-den sie von den brandenburgischen und dänischen Truppen nach Stralsund geleitet. Sicher ist sicher! Die schwedischen Beamten konnten frei abziehen, durften aber auch in der Stadt blei-ben. Alle anderen Privilegien der Stadt, die der Stadt im westfälischen Frieden zugesagt wa-ren, wie etwa die Selbstverwaltung, ließen die Dänen unangetastet.
Am 15. Dezember 1675 stand nun König Christian von Dänemark V. vor Wismar: „Groß ist Wismar ja nicht und wenn nicht die mächtigen Kirchen und Festungswerke da wären, könnte man es als kleinen Flecken bezeichnen“: sagte er zu seinem Adjutanten Graf Frederik Kogen. „Sir, Sie haben sicher recht, doch wir haben den Schweden tüchtig zugesetzt, um ihre hochge-priesene Festung einzunehmen. Für unser Land ist sie schon viel wert, denn von hier aus kön-nen wir mehr unsere Feinde und auch Verbündete beobachten“. Christian V. gab ihm Recht, wusste er doch zu gut, wie schnell aus Verbündete Feinde und umgekehrt würden.
„Graf, lassen Sie den Tross in Bewegung setzen. Ich will doch mal sehen, wie die Wismarer mich empfangen.“: sagte er kurz und wendete sein Pferd. Wenige Zeit später konnte man von Wismar aus den Zug des dänischen Königs sehen und man wartete mit Spannung auf ihn. Der gesamte Rat der Hansestadt Wismar empfing König Christian V. samt Begleitung am Meck-lenburger Tor und begleitete ihn bis zur Marienkirche. Der dänische Hofprediger Dr. Johann Lette, der mit angereist war, hielt die Predigt aber – in dänischer Sprache. Man wollte schon ein Zeichen setzen wer hier der Herr im Hause war und sogleich wurde verfügt, dass ab sofort das „Fürbittgebet“ nicht für den schwedischen sondern für den dänischen König zu halten sei.
Nach dem Gottesdienst gingen die neuen Herrscher und der Rat gemeinsam in das Rathaus und in der Ratshalle nahm König Christian V. den Treueeid des Rates entgegen.
Nach einem kräftigen Essen mit gutem Wein, das die schon arg gebeutelten Wismarer auch noch „spendieren“ mussten, zog der Dänenkönig noch am gleichen Tag aus Wismar ab und bezog sein neues Heerlager beim Dorf Mecklenburg.
Erst durch den Friedensschluss von Fontainbleau kam Wismar 1680 nach kurzem dänischem Intermezzo ins „heimische „ Schweden zurück. Dem umsichtigen Wismarer Bürgermeister Dr. Anton Scheffel ist es zu verdanken, dass Wismars „Achillesferse“, die Wasserleitung von Me-telsdorf, repariert wurde. Er konnte sich noch gut erinnern, wie Trinkwasser knapp wurde und somit zum Teil mit zur Eroberung Wismars durch die Dänen Schuld hatte.
Da dies zur Versorgung der Stadt und nicht zu den Verteidigungsanlagen gehörte beriet sich Anton Scheffel mit seinem Stadtbaumeister Zacharias Voigt und der versprach nach Mittel und Wegen zu suchen, dass so etwas nicht wieder passieren sollte.
Ganz von Süßwasser konnte man Wismar ja nicht absperren, denn die gesamte Stadt war da-von umgeben und der größte Zufluss kam aus dem Viechelschen Bach, der vor Jahrhunderten durch den mecklenburgischen Hofbaumeister Tilemann Stella für kurze Zeit mit 19 Schleusen schiffbar gemacht wurde. Er verlief an der Stadtvorbei und ein weiterer Auslauf führte am Ravelin Horn weiter bis an die Stadtmauer beim Rosengarten (dem heutigen Lindengarten) vorbei und trieb erst die städtische Mühle an und weiter durch den künstlich geschaffenen Wasserlauf, der Grube, durch das Gewölbe am Hafen. Das Trinkwasser kam von den Metels-dorfer Quellen zur Wasserkunst. 1682 ist der Wachturm am Lindengarten zum Wasserturm umgebaut worden. Man holte mit einem von einem Pferd angetriebenen Göpelwerk Süßwas-ser aus dem Bach und brachte es in den Turm, um es von hier zu verteilen. 1715 wurden die Leitungen des Wasserturmes mit der Wasserkunst auf dem Markt verbunden und eine Schwachstelle in Wismars Verteidigung war geschlossen.

Was sonst noch geschah
15. Dezember 2012 Bundespräsident Joachim Gauck zur Sendung „Weihnachten mit dem Bundespräsidenten“ des ZDF in St. Georgen.
16. Dezember 1873 Die Wismarer Brigg „Alexandrine“ strandet bei Korsoer.
16. Dezember 1918 Mit der neuen Ortssatzung wird der Unterschied zwischen Bürgern und Einwohnern abgeschafft.
17. Dezember 2002 Das Wismarer Amtsgericht übernimmt den komplett sanierten Fürstenhof nach mehrjähriger Abwesenheit (seit 28. Februar 1997 im Diamanthof untergebracht) und am 14. Februar 2000 begonnenen Bauarbeiten.
18. Dezember 1945 Verstorbene Umsiedler werden wegen fehlender Särge in Reihengräbern beigesetzt.
18. Dezember 1990 In der Nacht zum 19.12.90 bricht im Wismarer Rathaus ein Brand, ausge-löst durch einen Schornsteinbrand, aus.
19. Dezember 1941 Der Wismarer Rat nimmt das Testament der am 22. August 1941 verstor-benen Lilly Michaelis (geb. 27. Juni 1877 in Burghersdorp/Südafrika,) an, das Haus Hinter dem Rathaus 3 („Der Weinberg“) dauernd zu übernehmen, mit allem Mobiliar zu erhalten und teilweise museal zu nutzen.
19. Dezember 1992 Symbolischer erster Spatenstich für die A-20 südlich von Wismar – Rich-tung Metelsdorf.
21. Dezember 2009 Der Abschnitt der Autobahn 14 zwischen Wismar und Schwerin wird für den Verkehr frei gegeben.

Detlef Schmidt

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