Kalenderblatt zum 15. Dezember

Ohne Wasser saßen die Wismarer auf dem Trockenen

Am 15. Dezember 1675 marschiert König Christian von Dänemark nach schweren Kämpfen in die Stadt ein und besetzt sie. Auf Drängen des französischen Königs begann Schweden einen Krieg mit Brandenburg und holte sich in der historischen Schlacht bei Fehrbellin am 18. Juni 1675 eine blutige Nase. Damit hatte der brandenburgische Kurfürst freie Hand und der alte Feind der Wismarer und auch der Schweden, die Dänen, schlossen sich bereitwillig zu einem Bündnis gegen die Schweden mit ihren Land- und Seestreitkräften an, nachdem ihnen die Brandenburger bei Erfolg Wismar als Kriegsbeute zugesagt hatten, und kreisten ab September 1675 die Stadt regelmäßig ein.
Dänemark und die Hansestadt Wismar hatten schon frühzeitig Berührungen, was sicherlich auch in der kurzen Distanz beider Länder über der Ostsee geschuldet ist. Schon lange vor der Stadtgründung fiel der Name „Wismar“ 1147 in der „Knytlinga Saga“, die 1260 in Island geschrieben wurde, als der Dänenkönig Sven Grade in „Qismar Havn“ anlandete. König Waldemar von Dänemark landete 1164 in „Wismar Havn“. Das sind die frühesten Zeugnisse von Dänen in der Region Wismar. Es wurde jedoch nicht ein Hafen beschrieben, sondern le-diglich ein Ankerplatz in der Bucht. Nachdem sich der Hansebund etablierte, fürchteten die Dänen um ihre Vormachtstellung und holten sich letztendlich eine „blutige Nase“ und es kam zum „Frieden von Stralsund“ am 24. Mai 1370 zwischen dem dänischen König Waldemar IV. und dem Bündnis der Hansestädte in der Hansestadt Stralsund. Ein weiteres Erlebnis mit den Dänen hatten die Wismarer zum Pfingstmarkt 1511. Die Dänen, die alten Feinde der Wisma-rer, wurden mit 20 Schiffen vor dem Hafen gesichtet. Der Türmer von St. Marien merkte dies, aber Bürgermeister Heinrich Malchow schlug dies als “betrunkene Gehirngespinste” ab und verbot Alarm zu schlagen. Doch nachdem die Dänen immer näherkamen, tutete der Türmer in sein Horn und die „Bürger sprangen auf wie ein verschreckter Haufen Schweine”, so der Chronist Reimar Kock. Ratsherr Görges Zarnekow soll so betrunken gewesen sein, dass er mit einem Schiff ohne ausreichende Bewaffnung dem Feind entgegen fuhr und von diesen natürlich sofort gefangen genommen und nach Kopenhagen gebracht wurde. 1675 standen sie nun wiederum vor der schon arg geschwächten Hansestadt. Das erste und leichteste Opfer war das schwedische Poel, dass im September 1675 ohne große Gegenwehr von den Bran-denburgern besetzt wurde, während die Einnahme des Forts Walfisch schwieriger sein sollte. Die Schweden hatte dort einen Orlog, ein Segelkriegsschiff, die „Falke“ stationiert. Hier hat-ten die dänischen Schiffe das Glück auf ihrer Seite. Bei Niedrigwasser und im dichten No-vembernebel wurde das Kriegsschiff am 5. November 1675 überfallen und in Besitz gebracht. Der Besatzung des Forts Wallenstein blieb nichts weiter übrig, als sich der Übermacht zu er-geben. Am 13. Dezember nahmen die Dänen das Mecklenburger Tor ein und somit war das schwedische Wismar unter dänischer Besatzung. Dabei schnitten sie den Wismarern auch von der Wasserzufuhr von Metelsdorf ab. Einen Tag später, am 14. Dezember 1675 hatten die schwedischen Soldaten die Stadt zu räumen und ihnen wurde gestattet, sich noch drei Tag in der Nähe Wismars aufzuhalten, um offenen Rechnungen oder Abmachungen mit den Wisma-rern auszugleichen. Danach wurden sie von den brandenburgischen und dänischen Truppen nach Stralsund geleitet. Sicher ist sicher! Die schwedischen Beamten konnten frei abziehen, durften aber auch in der Stadt bleiben. Alle anderen Privilegien der Stadt, die der Stadt im westfälischen Frieden zugesagt waren, wie etwa die Selbstverwaltung, ließen die Dänen un-angetastet. Am 15. Dezember 1675 zog König Christian V. von Dänemark in Wismar ein. „Groß ist Wismar ja nicht und wenn nicht die mächtigen Kirchen und Festungswerke da wä-ren, könnte man es als kleinen Flecken bezeichnen“: sagte er zu seinem Adjutanten Graf Fre-derik Kogen. Der gesamte Rat der Hansestadt Wismar empfing König Christian V. samt Be-gleitung am Mecklenburger Tor und begleitete ihn bis zur Marienkirche. Der dänische Hofpre-diger Dr. Johann Lette, der mit angereist war, hielt die Predigt aber – in dänischer Sprache. Man wollte schon ein Zeichen setzen wer hier der Herr im Hause war und sogleich wurde ver-fügt, dass ab sofort das „Fürbittgebet“ nicht für den schwedischen, sondern für den dänischen König zu halten sei. Nach dem Gottesdienst gingen die neuen Herrscher und der Rat gemein-sam in das Rathaus und in der Ratshalle nahm König Christian V. den Treueeid des Rates entgegen.
Erst durch den Friedensschluss von Fontainebleau kam Wismar 1680 nach kurzem dänischem Intermezzo ins „heimische Schweden“ zurück. Dem umsichtigen Wismarer Bürgermeister Dr. Anton Scheffel ist es zu verdanken, dass Wismars „Achillesferse“, die Wasserleitung von Me-telsdorf, repariert wurde. Er konnte sich noch gut erinnern, wie Trinkwasser knapp wurde und somit zum Teil mit zur Eroberung Wismars durch die Dänen Schuld hatte. Das Trinkwasser kam von den Metelsdorfer Quellen zur Wasserkunst. 1682 ist der Wachturm am Lindengarten zum Wasserturm umgebaut worden. Man holte mit einem von einem Pferd angetriebenen Gö-pelwerk Süßwasser aus dem Bach und brachte es in den Turm, um es von hier zu verteilen. 1715 wurden die Leitungen des Wasserturmes mit der Wasserkunst auf dem Markt verbunden und eine Schwachstelle in Wismars Verteidigung war geschlossen. Nachdem 1700 der Große Nordische Krieg maßgeblich durch die Schweden begonnen wurde, standen 1711 die Dänen wieder vor Wismar. Ganze fünf Jahre konnte sich die Festung Wismar halten, ehe sie sich 1716 den Dänen ergeben musste. Diese veranlassten die Beseitigung aller Festungsanlagen in Wismar, ehe die Stadt 1721 wieder an Schweden zurückfällt.
Heute gibt es zu Dänemark freundschaftliche Beziehungen und seit 1961 gehört das dänische Aalborg zu den ersten Partnerstädten unserer Hansestadt.

Was sonst noch geschah
18. Dezember 1918 Obst- und Gartenbauverein für Wismar und Umgebung gegründet.
18. Dezember 1990 In der Nacht zum 19.12.90 bricht im Wismarer Rathaus ein Brand, ausge-löst durch einen Schornsteinbrand, aus.
19. Dezember 1941 Der Wismarer Rat nimmt das Testament der am 22. August 1941 verstor-benen Lilly Michaelis (geb. 27. Juni 1877 in Burghersdorp/Südafrika,) an, das Haus Hinter dem Rathaus 3 („Der Weinberg“) dauernd zu übernehmen, mit allem Mobiliar zu erhalten und teilweise museal zu nutzen.
19. Dezember 1992 Symbolischer erster Spatenstich für die A-20 südlich von Wismar – Rich-tung Metelsdorf.
20. Dezember 1945 Die Wismarer Dornierwerke erhalten den Demontierungsbefehl.
21. Dezember 2009 Der Abschnitt der Autobahn 14 zwischen Wismar und Schwerin wird für den Verkehr frei gegeben.

Detlef Schmidt

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