Kalenderblatt zum 15. Dezember

  Modellschiffe mit höchster Präzision entstanden am Ziegenmarkt
Schiffsmodellbauer Robert Dähncke schuf eine beachtliche Flotte

Am 15. Dezember 1960 verstarb 94jährig der stadtbekannte Schiffsmodellbauer Robert Dähncke in seinem Haus am Ziegenmarkt 5. Wie berichtet wird, hatte er das Leben einfach satt und meinte öfters zu seinen Besuchern: „Mi het de leiw Herrgott woll vergäten“, und das wollte er so nicht hinnehmen und ging auf seine Weise zu ihm.
Robert Dähncke wurde am 4. Oktober1866 als Sohn des Schiffers Johann Dähncke am Zie-genmarkt 5 geboren. Anders als sonst in einer Schifferfamilie üblich, konnte er wegen seiner geringen Körpergröße nicht zur See fahren. Er absolvierte eine Kaufmannslehre in der Materi-alwarenhandlung von Heinrich Dinnies an der Runden Grube 2. Sein Interesse für die See-fahrt war nach wie groß und in der Wismarer Hafengegend gab es genug davon zu sehen, be-sonders in der Zeit zwischen „St. Martin“ und „St. Petri-Stuhlfahrt“ im beginnenden Frühjahr. In dieser Zeit fuhren die Schiffe nicht hinaus, sondern blieben im Winterlager und Wismar war ein sehr begehrtes. Der junge Dähncke hatte also genug Anschauungsmaterial vor sich, er begann erste Zeichnungen zu machen und erste vorsichtige aber gute Modellbauversuche. Nach Lehrabschluss zog es ihn doch hinaus – wenn schon nicht als Seemann dann in seinem Beruf. Gut zehn Jahre war er als Handelsvertreter unterwegs, ehe er sich 1895 im elterlichen Haus am Ziegenmarkt 5 mit einem kleinen Kolonialwarenladen selbstständig machte. Seine kaum mehr als Bastelleidenschaft zu nennende Arbeit mit Schiffsmodellen entwickelte sich jetzt erst richtig. Viele Feinheiten ließ er sich von erfahrenen Seeleuten erklären, ging auf die im Hafen liegenden Schiffe und wurde so zum begehrtesten Schiffsmodellbauer Wismars. Viele Kaufleute bestellten bei Robert Dähncke ein Modell und kaum eine hanseatische Diele ohne ein schmückendes Modell. Seinen kleinen Kolonialladen führte Robert Dähncke nun nahezu nebenbei weiter. Er baute die Schiffe aus der spanischen Armada, genauso wie Ham-burgs „Bunte Kuh“ und die „Wappen von Hamburg“ mit der Klaus Störtebeker bezwungen wurde. Seine Modelle wurden auf den Weltausstellungen in Paris und in Chicago bewundert. Die Schiffe hatten immerhin eine stattliche Größe bis zu 160 Zentimeter und er baute ein bis zwei Monate an einem Modell, je nachdem wie aufwändig es war. Stellte er die ersten Model-le noch unentgeltlich her, so hatte er in den späteren Jahren eine „Preistabelle“. So kostete das Modell des englischen Royal Flaggschiffes gegen die spanische Armada mit einer Rumpflänge von 135 Zentimeter, 250 Mark und der Nachbau einer Hanse Kogge von 1435 und 100 Zen-timeter, 120 Mark. Reich wurde Robert Dähncke davon nicht aber mit seiner Hände Arbeit und dem kleinen Laden führte er ein beschauliches und in Wismar sehr anerkanntes Leben Insgesamt schuf er in seinem doch recht langen Leben über 500 Modelle. Robert Dähncke hielt im Alter von 85 Jahren auf, Schiffsmodell zu bauen. Die Hände wollten nicht mehr so und auch die Augen wurden schwächer.
Gute und fachlich hergestellte Schiffsmodelle ziehen auch in der heute technisierten Welt vie-le Blicke an. Besonders in einer Hafenstadt, sind Votivschiffe in den Kirchen weit verbreitet. Der Name „Votiv“ leitet sich aus dem lateinischen ab und bedeutet „Gelübde“. Der Brauch, Votivschiffe in den Kirchen aufzuhängen, entstammt dem katholischen Glauben. Ein See-mann, der sich auf See in höchster Not befindet, verspricht oder gelobt, wenn er überlebt, in der nächsten Kirche oder in seiner Kirche ein Modelschiff zu stiften.
Ein Votivschiff ist am 2. Februar 1411 in der St. Nikolaikirche, der Kirche der Seefahrer, da der heilige Nikolaus auch der Schirmherr ist, anlässlich der Gründung der Marienbruderschaft dokumentiert. Schiffsmodelle herzustellen war jahrhundertelang eine der Freizeitbeschäfti-gungen der Seeleute auf See. In Wismar war dies auch durchaus üblich, doch keiner erreichte die Perfektion auf diesem Gebiet wie Robert Dähncke und seine Schiffsmodelle gehören noch heute zu den heißbegehrtesten Arbeiten.

Was sonst noch geschah
16. Dezember 1675 Der dänische König Christian V. zieht in die Stadt ein.
16. Dezember 1918 Mit der neuen Ortssatzung wird der Unterschied zwischen Bürgern und Einwohnern abgeschafft.
18. Dezember 1945 Verstorbene Umsiedler werden wegen fehlender Särge in Reihengräbern beigesetzt.
18. Dezember 1990 In der Nacht zum 19.12.90 bricht im Wismarer Rathaus ein Brand, ausge-löst durch einen Schornsteinbrand, aus.
19. Dezember 1941 Der Wismarer Rat nimmt die Erbschaft der am 22. August 1941 verstor-benen Lilly Michaelis an, das Haus Hinter dem Rathaus 3 („Der Weinberg“) dauernd zu über-nehmen, zu erhalten und teilweise museal zu nutzen.
19. Dezember 1992 Symbolischer erster Spatenstich für die A-20 südlich von Wismar – Rich-tung Metelsdorf.
20. Dezember 1945 Die Wismarer Dornierwerke erhalten den Demontierungsbefehl.
21. Dezember 2009 Der Abschnitt der Autobahn 14 zwischen Wismar und Schwerin wird für den Verkehr frei gegeben.
22. Dezember 1883 Eröffnung der Bahnstrecke Rostock-Wismar.

Detlef Schmidt

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