Kalenderblatt zum 15. Juli

Als das CIOF-Festival die Wismarer begeisterte

Am 15. Juli 1993 fand das von Anfang an umjubelte 1.Internationale CIOFF Festival der Danzlüüd in Wismar statt. Tänzer aus Togo, der Slowakei, der Türkei, Irland und aus Malaysia waren Gäste der „Danzlüüd ut Wismer“. Besonders die maorischen Tänzer mit ihren martiali-schen Grimassen eroberten die Wismarer. „Cheforganisator“ Wolfgang Voß hatte mit seinem Team alle Hände voll zu tun, um dieses Ereignis auf die Beine zu stellen. Viele kleine Wisma-rer Unternehmen halfen und die Wismarer Stadtverwaltung war von Anfang an als Partner mit im Boot. Alle zwei Jahre sollte nun dieses Festival in Wismar stattfinden, doch keiner ahnte, dass 2013 mit dem 12. Festival das letzte CIOFF Festival in Wismar war. Am 13. April 2014 verstarb Wolfgang Voß und der „Hauptmotor“ der „Danzlüüd“ verstummte.
1950 gegründet durch den Wismarer Hans Draempaehl als Volkstanzgruppe im Klampfenchor der damaligen Geschwister-Scholl-Oberschule Wismar, wurden die jungen Tänzer und Tänze-rinnen schon im Herbst 1950 Landesmeister beim 1. Landesausscheid Mecklenburg Das war der Beginn eines der erfolgreichsten Volkstanzensemble Deutschlands. 1951 erfolgt die Über-nahme in die Betriebsträgerschaft der MTW Schiffswerft Wismar zum Wismarer Werften-semble und ab 1970 als Tanzensemble der Mathias–Thesen–Werft Wismar bis 1990. Kontinu-ierlich entwickelte sich das Volkstanzensemble in den Folgejahren zu einem Spitzenensemble, nicht zuletzt durch Rosemarie und Wolfgang Voß. Während Wolfgang Voß von Anfang an dabei war, „zog“ er seine spätere Frau Rosemarie 1958 nach Wismar. Ohne diese beiden akti-ven Organisatoren und Tänzer hätte das Ensemble nicht die Ausstrahlung besessen. Dazu hat-ten sie mit der aus Neustrelitz stammenden Ballettdirektorin Rosemarie Ehm-Schulz eine Fachfrau von internationalem Format an der Seite. Diese Mischung zwischen Amateurtanz und der Verbindung zum professionellen Bühnentanz, gepaart mit eiserner Disziplin, waren sicher der Grundstein für die erzielten Erfolge. Diese blieben nicht aus und bei den Arbeiter-festspielen holten sie regelmäßig in ihrem Genre Preise und bekam auch den Preis für künstle-risches Volksschaffen 1. Klasse der DDR. Seit 1972 vertrat das Tanzensemble die DDR bei Internationalen Folklorefestivals. Hinzu kamen Auftritte im ganzen Land und es gab kein Fest in der Region, wo das Tanzensemble der Werft nicht vertreten war. Zwischenzeitlich hatten Rosi und Wolfgang Voß drei Kinder, die wie selbstverständlich in das Ensemble integriert wurden. Gerade Rosi Voß war es, die die „Ensemblelütten“ betreute und jederzeit den richti-gen Ton für sie fand. Die Zeit nach 1990 war auch für das Tanzensemble eine einschneidende Zäsur. Nicht nur, dass wichtige Unterstützungen wegfielen. Auch die Arbeitsverhältnisse än-derten sich grundlegend. 1990 wurde aus dem Tanzensemble der Mathias–Thesen-Werft Wismar der gemeinnützige Verein „Danzlüd ut Wismer“ e.V.“ – Folkloreensemble der Han-sestadt Wismar. Rosi Voß wurde Vereinsvorsitzende und Wolfgang Künstlerischer Leiter. Die Idee zum neuen Vereinsnamen kam von den befreundeten „Maaten“ der Niederdeutschen Bühne, mit denen eine traditionelle gute Zusammenarbeit besteht. Doch gerade in der schwie-rigen Zeit bewährte sich der Zusammenhalt des Ensembles und auch die Wismarer wollten „ihr“ Ensemble behalten. Da Probenräume auch verloren gingen, zog man geradezu von einem Raum zum anderen und fand im Theater seinen Sitz. Seit 2004 hatten sie darüber hinaus in Gägelow durch die Vermittlung des beinahe legendären Fritz Kalf, eine Probebühne im selbst hergerichteten „Danzhus“ erhalten. Es gab 76 aktive TänzerInnen aller Altersklassen bei den „Danzlüd ut Wismer“ e.V. Sie waren ordentliches Mitglied der CIOFF Sektion der Bundesre-publik Deutschland, Mitglied des Tanzverbandes Mecklenburg–Vorpommern, Co-Organisator der Internationalen Folklorefestivals des CIOFF der Hansestadt Wismar und Tanzensemble des CIOFF International. Seit nunmehr 1993 fand alle zwei Jahre das Internationale CIOFF-Festival in Wismar Dank den Aktiven der „Danzlüd“ statt. Das 12. Festival und zugleich letz-te fand 2013 statt, nicht ahnend, dass ein Jahr später Wolfgang Voß verstarb. 2012 waren Rosi und Wolfgang Voß langsam schon in einem Alter wo manche längst im Lehnstuhl sitzen und beide versicherten damals lachend „noch ein paar Jahre“ weiter zu machen. Sie blicken optimistisch in die Zukunft, kannten sie doch die Schwierigkeit, so einen Verein zu führen und gleichzeitig einen Beruf auszuüben. Leider sollte es anders kommen. Nach vielen Überle-gungen und sicherlich schlaflosen Nächten der Verantwortlichen entschloss man sich Ende 2014 zur Auflösung des Traditionsensemble. Die „Danzlüd ut Wismer“ verabschieden sich am 31. Januar mit zwei Vorstellungen im Wismarer Theater. Das Folkloreensemble trat in den 64 Jahren ihres Bestehens in 20 Ländern vor rund 3 Millionen Menschen auf und richtete seit 1993 Jahre das internationale Folklorefestival „CIOFF“ in der Hansestadt Wismar aus. Rose-marie Voß jedoch legt heute noch nicht die Hände in den Schoß und betreut Kinder an der städtischen Musikschule. Es geht also etwas ruhiger zu aber das unschätzbare Wissen der ehemaligen hoch ausgezeichneten Tänzerin wird weitergegeben und wer weiß, vielleicht knüp-fen spätere Generationen an die Tradition der „Wismarer Danzlüüd“ an.

Was sonst noch geschah:
16. Juli 1935 Schließung des Wismarer Logenhauses und Enteignung der Freimaurer.
17. Juli 2010 Amtswechsel im Bürgermeisteramt. Dr. Rosemarie Wilcken -Thomas Beyer.
19. Juli 1803 Ratifizierung des Vertrags von Malmö durch den König von Schweden.
19. Juli 1945 Einundsechzig Polizisten erhalten ihr Entlassungsschreiben, neue Polizisten kommen aus der organisierten Arbeiterschaft.
19./20. Juli 1940 3. Luftangriff: Luftangriff mit vier bis sechs Kampfflugzeugen vom Typ „Mosquitos“ der Royal Air Force in der Nacht mit vier Spreng- und etwa dreißig Brandbom-ben.
20. Juli 1629 Erstmalige Bezeichnung das Wismar vorgelagerten Insel als Walfisch in einem Wismarer Ratsprotokoll.

Detlef Schmidt

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