Kalenderblatt zum 15. März

Gustav Willgeroth – ein Wismarer Chronist

Am 15. März 1937 ist in Wismar der Heimatforscher und Geneologe Gustav Willgeroth gestorben. Würdig reiht er sich der am 11. November 1865 in Wismar geborene Gustav Willgeroth, in die Reihe der Forscher der Geschich-te der Hansestadt Wismar ein.
Man kann ihn getrost als Quer- oder Seiteneinsteiger in die historische For-schung einreihen, der durch seine Publikationen aber auch durch einen im-mensen Fleiß, sich weite Achtung in der Fachwelt erworben hat. Sein Vater, Louis Willgeroth, gründete 1862 das erste Wismarer „Taback- und Cigarren-spezialgeschäft“ in der Hegede 1. Dieses Haus stand noch bis 1978, danach wurde es abgerissen und durch den jetzt bestehenden historisierenden Bau ersetzt. In der Hegede 1 wuchs Gustav Willgeroth als ältestes Kind mit zwei weiteren Brüdern auf. Er besuchte extern die Große Stadtschule und schloss diese mit dem Abitur ab. Danach studierte er zunächst Theologie in Rostock und Erlangen, jedoch ohne Abschluss und studierte noch einige Semester Nationalökonomie. Beide Fachrichtungen entsprachen nicht seinen Vorstel-lungen und so begann er 1889 eine berufliche Laufbahn als Journalist, wo er zunächst die „Lyrischen Blätter“ herausbrachte und selbst auch mit eigenen Gedichten dazu beitrug. 1893 gründete Gustav Willgeroth mit dem Buchdru-cker Paul Menzel in der Lübschen Straße 24, später in der Bohrstraße 10 und ab 1899 in der Breiten Straße 7, die Buchdruckerei Willgeroth & Menzel. Ab 1894 führte er die Druckerei unter diesem Namen allein. Die „Lyrischen Blätter“ brachten nicht den gewünschten Erfolg und so erschien bei Will-geroth & Menzel einige Schriften anderer Autoren zur Geschichte Wismars und 1898 kam Gustav Willgeroths erstes Werk zu Wismar, die „Geschichte der Stadt Wismar bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts“ heraus. Dies ist heute nahezu vergessen ist und erhielt auch nicht gerade das Lob von Ratsarchivar Friedrich Techen. Diese beiden hatten zunächst ein gespanntes Verhältnis, das sich jedoch im Laufe der weiteren Jahrzehnte löste. Gustav Willgeroth benutzte nahezu täglich das Ratsarchiv und 1903 erschien zur 100-Jahrfeier der Loslösung Wismars von Schweden die „Bilder aus Wismars Vergangen-heit“ bei Willgeroth & Menzel. Dieses Buch, dessen leicht verständliche Art den Nutzer noch heute begeistert, nimmt den Leser auf eine virtuelle Reise durch die Straßen der Stadt, erzählt Wissenswertes zu Handel und Hand-werk, sowie Verwaltung und beschreibt Häuser und andere wichtige Bege-benheiten aus der Stadtgeschichte. Daran anknüpfend gibt er 1911 die „No-tizen zur Geschichte Wismars“ heraus. ebenfalls an die „Bilder“ anknüpfend mit weiteren Fakten aus dem ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts. Beide Bücher erschienen vor einigen Jahren als Reprint Ausgabe und sind längst vergriffen. Sie sind ein wahrer Schatz Wismarer Geschichtsforschung. Will-geroth hatte sich inzwischen 1906 von seiner Druckerei getrennt und wurde Vorsteher des Wismarer Vorschussvereins und Filialleiter der Rostocker Bank in Wismar. Er forschte über seine Heimatstadt weiter und veröffent-lichte zahlreiche Beiträge in den „Jahrbüchern des Vereines für mecklenbur-gische Geschichte und Altertumskunde“. 1924 brachte der „Die mecklenbur-gischen Pfarren seit dem Dreißigjährigen Krieg“ heraus, ein durchaus pro-fundes Werk, das heute noch starke Beachtung findet und als Quellenwerk besonderen Ranges über Mecklenburg hinaus bezeichnet werden kann. Es wird bis heute unter seinen Namen als „Verzeichnis mecklenburgischer Pas-toren“ fortgeführt. Fünf Jahre später folgen „Die mecklenburgischen Ärzte von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart“ als Nachlagewerk, das ebenfalls seines gleichen sucht. Willgeroth wendet sich seit 1924 immer mehr biogra-phisch-genealogischen Forschungen seiner Heimat zu. So erscheinen 1932 die „Beiträge zur Wismarschen Familienkunde“, 1934 „Zur Poeler Familien-kunde“ und 1935 die „Lehrer der Großen Stadtschule“, die unabdingbare Bücher zur Heimatforschung sind. Alle seine Bücher sind noch heute ge-schätzte Werke von besonderem Rang geworden und gehören zu den Raritä-ten in der Heimatforschung. Sie sind aber auch Ausdruck eines beeindru-ckenden Fleißes und immensen Arbeitsaufwandes, denn alles schuf er neben seinen verantwortungsvollen Tätigkeiten. Gustav Willgeroth wechselte 1928 von der Rostocker Bank zum Kirchensteueramt, dem er bis 1936 als Leiter vorstand. Gleichzeitig war er Geschäftsführer des Wismarer Vereins Cre-ditreform e.V. Gustav Willgeroth war seit 1899 verheiratet mit Anna Haeß-ler aus Rostock. Ihre einzigste Tochter Anneliese arbeitete im Geschäft ihres Onkels in der Hegede 1. Die Familie Willgeroth wohnte in der Lindenstraße 61, heute Dr.-Leberstraße. Am 16, März 1937 verstarb Gustav Willgeroth plötzlich und für alle völlig unerwartet. Es heißt, er war inmitten „seines Schaffens und noch neuer Pläne“ verstorben. Für die Wismarer Forschung war es ein herber Schlag. Das Familiengrab der Willgeroths befindet sich auf dem Wismarer Ostfriedhof unmittelbar rechts hinter dem Eingang von der Schweriner Straße aus.

Was sonst noch geschah
15. März 1990 Der „Runde Tisch“ übernimmt in Wismar die Entscheidungsbefugnisse und konstituiert sich als beschlussfassendes legislatives Gremium.
15. März 1991 Beginn der 1. Informations- und Verkaufsausstellung vom 15. bis 18. März 1991 mit 120 Ausstellern in vier Hallen auf dem Weidendammplatz. Hieraus entwickelte sich in den Folgejahren die Hanseschau.
16. März 1956 Die ehemalige Gaststätte „Hafenhalle“ wird „Internationaler Club der Seeleu-te“ .1997 eröffnete hier das Hotel „New Orleans“.
16. März 1990 Willy Brandt spricht auf einer Wahlkundgebung auf dem Wismarer Markt
18. März 1920 Söldner unter Leutnant Rossbach verschanzen sich während des Kapp-Putsches vier Tage lang im Rathaus.
18. März 1990 Letzte und einzige demokratische Wahl zur Volkskammer der DDR: In Wis-mar liegt die CDU mit 36,33 % knapp vor der SPD mit 35,19 %. Die PDS kommt auf 15,27 % und die FDP auf 4,27 %.
18. März 2014 Maik Dittberner wird neuer Präsident der TSG Wismar e.V
18. März 2014 Übergabe des neuen Jobcenter zwischen Dr.-Leber-Straße und Podeusstraße in der Werkstraße 2. 4.600 qm² für 170 Mitarbeiter in 100 Büros.

Detlef Schmidt

 

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