Kalenderblatt zum 15. Oktober

Auf dem Walfisch wird eine Bastion gebaut

Am 15. Oktober 1687 begann mit dem Aufbau einer Festung auf der Insel Walfisch die mili-tärische Nutzung der kleinen Insel in der Wismarer Bucht. Schon ein einfacher Blick auf eine regionale Karte zeigt auch den unerfahrenen Militärstrategen, die hervorragende Lage der In

Insel zum Schutz der Stadt Wismar.

Hier mussten alle Schiffe vorbeikommen und eine Kontrolle konnte schon lebensnotwendig sein. Die Insel Walfisch am Eingang zur inne-ren Wismarbucht fand erste Erwähnung 1271 und wurde hierbei als „Aderholm“ oder später auch als Holm bezeichnet. Einer Aufzeichnung zufolge waren noch 1597 Pferde auf der Insel. Die Insel gehörte der Stadt Wismar und wurde wie auch andere städtische Ländereien an die Bürger für sieben Jahre als „Lot“ verpachtet. Der Inselname mag aus dem skandinavischen Raum kommen, denn dort wird eine kleine Insel als „Holm“ bezeichnet. Am 20. Juli 1629 wird die Insel erstmalig in einem Wismarer Ratsprotokoll als Insel „Walfisch“ bezeichnet. Die Truppen unter Albrecht von Wallenstein, die seit 1627 in Wismar waren haben der Insel die-sen Namen wegen seines, mit einem Walfisch ähnlichen Aussehens gegeben. Wismar sollte als „kayserlicher“ Kriegshafen ausgebaut werden und der Walfisch wurde militärisch befestigt. Seine strategische Bedeutung war unübersehbar. Dies hinderte die Schweden, die seit 1630 schon in Pommern standen, nicht, Wismar einzunehmen und so zogen sie am 7, Januar 1632 in die Stadt und blieben letztendlich bis zum 19. August 1803. Die kaiserlichen Truppen durften am 12. Januar 1632 mit „fliehenden Fahnen und Musik“ aber mit einer Kugel im Mund(!) abmarschieren. Das schwedische Militär erkannte sehr schnell die gute strategische Lage der Insel Walfisch und schon am 29. Februar 1632 schlossen sie in einem Bündnisvertrag mit dem Mecklenburger Herzog die Abtretung Wismars und der Insel Walfisch – was blieb dem armen Herzog auch anderes übrig. Die schwedischen Besatzer haben zunächst einen Militärstütz-punkt errichtet, der zur Sicherung der Hafenzufahrt dienen sollte. Erst nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges und des Westfälischen Friedensvertrages in Münster am 24. Oktober 1648, als Wismar, die Insel Poel und Neukloster schwedisches Staatsgebiet wurden, hatte das schwedische Militär die notwendige Freiheit zum weiteren Ausbau der Wismarer Militäranla-gen. Die Insel Walfisch wurde zum Schutz der Wismarer Hafenzufahrt weiter stark ausgebaut. Am 15. September 1675 nehmen die Dänen Wismar nach mehreren Sturmangriffen ein. Die Schweden hatten die Schlacht bei Fehrbellin verloren und König Christian zieht in die Hanse-stadt ein. Die Dänen interessierten sich auch für eine militärische Nutzung der Insel, zogen aber nach dem Friedensvertrag vom 23. November 1680 von Fontainbleau wieder aus Wismar ab und Graf Königsmarck zieht mit seinen schwedischen Truppen wieder in Wismar ein. Als Lehre aus der Eroberung Wismars begannen die Schweden die Stadt Wismar militärisch aus-zubauen. Dazu gehörte auch der Ausbau eines Wehrturmes am heutigen Lindengarten zum Wasserturm, denn die Dänen hatten bei ihrer Wismarer Belagerung einfach die Wasserzufuhr versperrt. Das sollte nie wieder passieren. Die Festung auf dem Walfisch wurde jetzt richtig ausgebaut. Schon am 19. Mai 1675 hatte König Karl XI. in Stockholm einen Plan zum Ausbau der Walfischbefestigung als fünfeckige Sternschanze bestätigt. Nun wurde am 27. Juni 1682 ein neuer Entwurf für die Walfischfestung vorgelegt, die eine aufgemauerte viereckige Red-oute, vier Eckbatterien, einen massiven dreistöckigen feuerfesten Geschützturm mit zwei Ge-schützgalerien, unterkellerte Außenbastionen und verschiedene Gebäude im Innenraum vor-sah. Baumeister war der schwedische Festungsbaumeister Erik Dahlberg (1625 – 1703). Nach Baubeginn war schon am 18. November 1687 das Kellergewölbe und Erdgeschoss mit erster Galerie auf der Walfischfestung fertig und provisorisch eingedeckt. Doch es sollte bis zum 4. Januar 1696 dauern bis die gesamte Bastion Walfisch fertig gestellt war. Eine lange Lebens-dauer hatte sie nicht, denn nachdem die Schweden im Großen Nordischen Krieg sieglos blie-ben, und Wismar 1716 vor den belagernden Alliierten (Dänemark, Rußland, Hannoveraner und Preußen) kapitulierte, musste eben die Festung entfernt werden und am 2. Februar 1718 sprengten dänische Truppen die Bastion auf dem Walfisch. Durch einen internationalen Ver-trag verpflichteten sich die Schweden, Wismar niemals wieder zu befestigen. Am 1. März 1721 ziehen die letzten Besatzertruppen der Alliierten ziehen aus Wismar ab und Schweden behalten ihre ehemals eroberten Gebiete.
Fortan diente der Walfisch nur noch friedlichen Zwecken. 1831 und noch 1891 wurden hier vorsorgliche Quarantänestationen wegen einer zu erwartenden Choleraepedemie errichtet und am 1. Mai 1905 ist die Insel Walfisch vom Großherzog wieder in das Eigentum der Hanse-stadt Wismar übergeben worden. Seit dem 20. April 1990 offizielles Naturschutzgebiet ist es schon seit Jahrzehnten das Betreten der Insel wegen des reichen Vogelbestandes nur einem ausgewiesenem Personenkreis gestattet und so dürfte der Großteil der Wismarer die ca. 500 Meter mal 300 Meter große Insel nur vom Foto, Boot oder Schiff aus her kennen.

Was sonst noch geschah
15. Oktober 1904 Das Wismarer Kabelnetz des am 19.April 1904 gegründeten städtischen Elektrizitätswerkes wird in Betrieb genommen und unter Spannung gesetzt. Es wird „Licht“ in Wismar.
15. Oktober 1948 Wismarer Stadtverordnetenversammlung beschloss die Umbenennung der Mädchenbürgerschule (Adolf-Hitler-Schule) in „Fritz-Reuter-Schule“.
17. Oktober 1863 Einweihung des Turnplatzes für die Große Stadtschule.
17. Oktober 1915 Zur Kriegsunterstützung wird das Wismarer „Koggen-Wappen“ „genagelt“, d.h. jeder Nagel musste bezahlt werden. Die Prozedur begann um 15.30 Uhr mit einem Auf-marsch der Bürger, Vereine und Verbände vor dem Rathaus und im Rathaus mit einem klei-nen Festprogramm der Bürgerschaft. Die „Nagelung“ endete am 27. Januar 1916.
18. Oktober 1819 Feierliche Eröffnung des neuen Rathauses nach Um- und Neubau einge-weiht (Der Balkon wird 1822 angebaut).
18. Oktober 1989 Offener Brief des Neuen Forums an die Kreisleitung der SED, den Rat des Kreises und dem Rat der Stadt Wismar.
18. Oktober 1989 Das Neue Forum stellt sich vor 2.000 Menschen in der Kirche zu Proseken vor.
20. Oktober 1999 Grundsteinlegung für das neue Freizeitbad „Wonnemar“.

Detlef Schmidt

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