Kalenderblatt zum 15. September

 Hallo Dienstmann………….

1862 konnte man sich für alle möglichen Arbeiten einen Dienstmann ausleihen

Am 15. September 1862, wurde im Anbau der Ratsapotheke hinter dem Rathaus durch das Mitglied der Wismarer Krämer-Compagnie Gottfried Siedenburg, ein „Dienstleute-Institut“ gegründet – etwas Neues für Wismar. Der Wismarer Rat hatte ihm die notwendige Konzession erteilt.

Acht Männer wurden eingestellt, wovon sieben auf der Straße ihre Dienste anboten. Der achte war im Büro tätig. Sie trugen eine besondere Uniform, um sich kenntlich zu machen. Zu den blauen Blusen schwarzen Kragen waren an den Kragenspiegeln die Initialen „W.D.“ = Wismarer Dienstmann angebracht. Die ledernen Mützen hatten Messingschilder mit Namen und Nummer des jeweiligen Dienstmannes. Für die Kunden gab es eine Satzung mit den Angeboten, woraus sie schon ersehen konnten, mit welchen Kosten sie zu rechnen hatten.

Diese Dienstleute wurden dann an den verschiedensten Knotenpunkten und Straßenecken der Stadt postiert, um auf die angebotenen Dienstleistungen aufmerksam zu machen. Sie standen an der Straßenkreuzung Krämerstraße/ Lübschen Straße, dem Altwismartor, auf dem Markt, Dankwartstraße, Spiegelberg, Lübsche Tor und Altböterstraße. Umfangreich war ihr Angebot und es gab eigentlich nichts, was sie an Aufgaben übernahmen. Für diese doch zumeist persönlichen und vertraulichen Aufgaben wurden sie von der Polizei beeidigt. Für Schäden während des Transportes oder auch Veruntreuungen haftete der Eigentümer des „Dienstleute-Institutes. Sie halfen bei Wohnungsumzügen, machten Botengänge, hackten Holz, holten Wasser aus den Brunnen oder luden Kohlen ab. Sie konnten jedoch auch als Kellner, Hausknechte und sogar als Stadtführer eingesetzt werden.

Ihre Arbeitszeit dauerte im Sommer von morgens sechs Uhr bis abends acht Uhr und im Winter von halb sieben morgens bis abends um sieben. Trotz des langen Arbeitstages war die Entlohnung nicht sehr hoch.

Nur Bürger mit gutem Einkommen konnten sich die angebotenen Dienstleistungen leisten, wie die Kostenbeispiele anschaulich zeigen. Ein Tag Krankenpflege kostete zum Beispiel 32 Schillinge, das Kohlenholen wurde mit vier Schillingen entlohnt. Jeder Dienstmann hatte dazu einen Quittungsblock, und abends musste er im „Bureau des Institutes“ genau abrechnen.

Im Laufe der Zeit fand diese Dienstleistung immer weniger Zuspruch, denn bereits am 3. März 1866, „abends sieben Uhr schloss Siedenburg sein „Dienstleute-Institut-Burreau“, wie es in einer zeitgenössischen Schrift steht. Als Erinnerung daran blieben bis heute die Angebotsliste und eine Quittungsmarke erhalten.

Die acht Dienstleute machten jedoch jeder einzeln auf „eigene Rechnung“ weiter. Dazu bekamen sie von der Wismarer Polizei gegen eine Kaution von 25 Talern ihre Zulassung und waren selbständige Packträger. Dass das Geschäft so schlecht nicht laufen konnte, beweist, dass zwei der ehemaligen Dienstleute noch über 1900 hinaus ihre Tätigkeit ausübten. Dienstleistungen sind eben nicht nur eine Erfindung der Gegenwart.

Was sonst noch geschah  

  1. September 1927 Erste regelmäßige private Buslinie in Wismar (Richard Eckner 1892 – 1959). Wurde 1943 von der Stadt Wismar übernommen.
  2. September 1999 Betriebseröffnung nach einjähriger Bauzeit der EGGER Holzwerke auf dem Hafffeld. 1998 war der 1. Spatenstich.
    17. September 1895 Der Dampfer „WISMAR“ sinkt in einem Sturm.
  3. September 2014 Eröffnung der Kindertagesstätte „Hanseatenhaus“ der „felicitas“ gGmbH im ehemaligen Schützenhaus an der Schweriner Straße für 68 Kindergarten- und 60 Kinderkrippenplätze. 18. September 1800 Bürgermeister Anton J. F. Haupt geboren (gest. 22. November 1835).
    19. September 1977 – 23. September 1977, Regionaltagung (Europa) des ICOMOS in Rostock und Wismar.
  4. September 1989 Das Neue Forum meldet die Gründung der Vereinigung unter Berufung auf Artikel 29 der DDR-Verfassung in elf der 15 DDR-Bezirke an. Zwei Tage später wurde über die staatliche Nachrichtenagentur ADN das Neue Forum als verfassungs- und staatsfeindlich beschrieben. Zu diesem Zeitpunkt hatten bereits 3.000 Menschen den Aufruf unterschrieben. Am 25. September wurde der Antrag auf Zulassung offiziell mit der Begründung abgelehnt, es bestehe keine gesellschaftliche Notwendigkeit für eine derartige Vereinigung. In Regierungskreisen wurde der Gründungsaufruf wie folgt interpretiert: „Es sei ein gefährliches Oppositionspapier, weil es zu 70 Prozent die Probleme der Bevölkerung benenne und nur zu 30 Prozent ein Angriff auf die DDR sei.“
  5. September 1990 Arbeitslosenquote liegt in Wismar bei 7,1 %, das sind über 3.000 Menschen.
  6. September 1952 Einweihung des Kurt-Bürger-Stadions mit 16.000 Menschen.

Detlef Schmidt

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

vier + 3 =