Kalenderblatt zum 16. Februar

Christian Düberg – streitbarer Advokat und Revolutionär

Am 16. Februar 1806 wurde in Wismar Christian Düberg als Sohn des Nadlermeisters Johann Düberg am Marktplatz geboren. Die Familienverhältnisse waren alles andere als „rosig“, denn der Vater war zwar ein geachteter Mann, doch die wirtschaftlichen Verhältnisse waren schwierig. Ursprünglich stammt die Familie aus Stockholm. Der Großvater Carl-Friedrich Düberg erhielt als „Stecknadelmacher“  in Wismar 1752 das Bürgerrecht. Christian Düberg besuchte trotz der ärmlichen Verhältnisse im Elternhaus die Große Stadtschule und begann 1824 mit dem Studium der Rechte in Halle. Hier wurde er sofort Mitglied der progressiven Deutschen Burschenschaft. 1827 schloss er in Rostock sein Studium ab und ließ sich in Wismar als Rechtsanwalt und Notar nieder. Christian Düberg hatte einen älteren Bruder, den 1801 geborenen Carl Düberg, der als Künstler einen „ein mit allen Schwächen eines Künstlers ausgestatteten Mann“, wie Friedrich Techen schrieb. Carl Düberg erhielt 1830 den Auftrag den Rathaussaal mit Fresken neu auszumalen, doch Bürgermeister Anton Haupt entzog ihm kurzerhand wieder diesen Auftrag,  „weil er diese Sache nicht förderte“, so die Meinung des Rates. Trotzdem war er als Porträtmaler begehrt und so schlecht können seine Werke nicht gewesen sein, denn das Porträt von Bürgermeister Johann Anton Haupt im Bürgerschaftssaal hat er 1842 nach dem Tode Haupts gemalt. Es wurde am 12. Juni 1842 übergeben. Ebenso malte er Porträts des Großherzogs und Wismars bekanntester Porträtmaler Carl Canow war zeitweise sein Schüler. Möglicherweise kann der Auftragsentzug zur Ausmalung des Rathaussaales im Zusammenhang mit seinem Bruder, dem Rechtsanwalt Bruder Christian Düberg stehen, der der hauptsächliche geistige Anführer der Unruhen 1830 war. Christian Düberg war zeit seines Lebens ein unruhiger Mensch, der immer wieder etwas Neues probierte. So erfolgreich war seine Kanzlei auch nicht und nicht wenige Wismarer meinten, dass die von Frankreich überschwappenden Unruhen ihm gerade zur rechten Zeit kamen. In Wismar galt damals eine zwar mehrfach reformierte, im Grunde genommen jedoch noch mittelalterliche Stadtverfassung, welche vor allen die Mehrheit von der Mitgestaltung ihrer Angelegenheiten ausschloss. Beeindruckt von der französischen Juli-Revolution sammelte Düberg eine Reihe von Bürgern um sich, die, wie er, eine zeitgemäße Stadtverfassung forderten. Dübergs Denkschrift unterschrieben 1.200 Wismarer. Wichtigste Forderungen war die Teilnahme der Wahl der Ratsmitglieder durch die Bürgerschaft, die Wahl von zwei Bürgermeistern und die Zulassung von Handwerker in den Rat. Der Rat erkannte, dass ein gewisses Einlenken unvermeidlich war, erließ eine Proklamation am 17. November und richtete eine gemeinsame Kommission ein. Es kam dennoch zu einem Tumult; Bürgermeister Lembke verließ fluchtartig die Stadt, und Düberg war kurzzeitig der politisch einflussreichste Mann Wismars. Er reiste an der Spitze einer Delegation nach Schwerin zum mecklenburgischen Großherzog Friedrich Franz I., um dort die Forderungen der Deputiertenversammlung vorzutragen, wurde von diesem aber gar nicht empfangen. Dagegen setzte der Großherzog am 10. Dezember 1830 das Militär ein. Düberg wurde zunächst unter Hausarrest gestellt und am 13. Dezember nach Schwerin gebracht. In der Nacht vom 2. auf den 3. April 1831 gelang ihm die Flucht aus dem Bleikeller des Schweriner Schlosses. Bei der Rückkehr nach Wismar wurde er mit seinem Bruder am Wassertor  verhaftet. Nach erneuter Flucht ging er nach Straßburg ins Exil. In Abwesenheit wurde er zur dreijährigen Festungshaft verurteilt. Nachdem ihm Großherzog Friedrich Franz I. freies Geleit zugesagt hat, kehrte er nach Wismar zurück und trat seine Festungshaft in Dömitz an, von der ihn ein Teil noch erlassen wurde. Christian Düberg war mit Johanna Blankenburg, die Tochter des Dömitzer Gerichtsrates verheiratet und das Paar hatte zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Die Märzrevolution 1848 war für Düberg wieder ein Signal, sich an die Spitze der revolutionären Bewegung in Wismar zu setzen. Doch die Wismarer hatten gelernt und am 1. April 1848  wurde verhaftet und nach Schwerin gebracht. Unter der Auflage Wismar vier Wochen nicht zu betreten und keine Volksversammlungen zu veranstalten, ist er am 13. April 1848 entlassen worden. Anschließend kehrte Düberg nach Wismar zurück, praktizierte weiter als Advokat und Notar und engagierte sich in bürgerschaftlichen Angelegenheiten wie der Schulfrage. Bis zum Lebensende publizierte er noch über die mecklenburgische Verfassungsfrage. Düberg galt unter seinen Zeitgenossen als „Communist“, jedoch aber sehr weit links. Seine Weltanschauung teilte er mit den „Swedenborgianern“ eine freie Kirche aus Schweden, dessen Gründer sich auf die verheißene Gründung einer neuen Kirche aus der Offenbarung berief. Imanuel Kant sagte über Emanuel Swedenborg, dass er der „Erzphantast unter allen Phantasten“, sei. Düberg bewohnte mit seiner Familie eine Villa am Stadtrand von Wismar an der Straße nach Kluß, in dem Bereich der ehemaligen Bergbrauerei. 1843 verließ er die evangelische Kirche und gründete eine „Reformierte Gemeinde“, später „Neue Deutsche Gemeinde“, einer deutsch-katholischen Bewegung. Die 50 köpfige Gemeinde feierte regelmäßig im Schützenhaus Gottesdienst und im Winter im Haus von Christian Düberg. Sein Leben war von vielen Widersprüchen bestimmt. Letztendlich scheiterte auch sein Sohn, der Redakteur bei Hinstorff war, daran. Am 12. Januar 1873 verstarb Christian Peter Düberg verwitwet in seinem Haus vor den Toren der Stadt. In der Stadtgeschichte hat er durch sein nicht alltägliches revolutionäres Verhalten zu Recht einen Platz gefunden.

Was sonst noch geschah

  1. Februar 1856 Rudolph Karstadt in Grevesmühlen geboren, gestorben am 19. Dezember 1944 in Schwerin.
  2. Februar 1937 Übergabe des 196 Meter langen dreistöckigen Wohnblockes in der Rostocker Straße.
  3. Februar 1934 Scheinauflösung der Wismarer Freimaurerloge.
  4. Februar 1990 Die Mitgliederversammlung des Neuen Forums besuchen nur noch 66 Teilnehmer. Die Existenzfrage des Bündnisses wird gestellt.
  5. Februar 1975 Eröffnung der Mülldeponie Müggenburg. Davor am Woltersdorfer Weg, auch am Philosophenweg/Kagenmarkt. Schließung der Deponie Müggenburg 1994.
  6. Februar 1923 Geheimer Medizinalrat Dr. Hugo Unruh gestorben.
  7. Februar 1957 Ehrenbürgerin (1987) und Weltmeisterin Marita Meier-Koch geboren.
  8. Februar 2013 Gründung des Vereins „Freunde und Förderer des Archivs der Hansestadt e.V.“
    20. Februar 1843 Polarforscher Gustav Wilhelm Bade in Hohen Wieschendorf geboren. Verstorben 27. Juli 1903 mit 61 Jahren. (Inhaber der „Nordlands-Passagierfahrten).

Detlef Schmidt

 

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