Kalenderblatt zum 16. Januar

Schwedens großer Festungsbaumeister Erik Dahlberg wirkte in Wismar

Am 16. Januar 1703 verstarb in Stockholm der Festungsbauer und Ingenieur Erik Dahlberg. Er gehört noch heute zu den bekanntesten historischen Persönlichkeiten Schwedens. Erik Jonsson Dahlberg wurde am 10. Oktober 1625 als Sohn eines unteren Beamten in Stockholm geboren. Er schlug ebenso wie sein Vater die Beamtenlaufbahn ein und war schon mit 21 Jahren Kammerschreiber, jedoch schon ein Jahr später wurde er mit der Untersuchung sämtlicher schwedischer Festungswerke der schwedischen Besitzungen in Mecklenburg, Pommern, Bremen und Westfalen beauftragt. Hierbei eignete er sich weitere Kenntnisse an, die für seine spätere Karriere als Festungsbaumeister Karls XI. und seines Sohnes Karl XII. sehr wichtig waren.  Als Ingenieur der schwedischen Armee baute er die Festung Thorn aus und bewährte sich im zweiten Nordischen Krieg so, dass er zu

m Oberstleutnant befördert wurde und den Adelstitel der schwedischen Krone bekam. 1693 wurde er in den schwedischen Reichsgrafenstand erhoben und zum Generalgouverneur  für die Herzogtümer Bremen und Verden, sowie Livland ernannt. Eine steile Karriere eines Mannes aus unteren Verhältnissen, die jedoch stark von seinem ingenieurtechnischen Wissen befördert wurde. Erik Jonsson Graf von Dahlberg, wie er nun richtig hieß, hat viele Spuren in Schweden und in den schwedischen  Besitzungen außerhalb des Reichsgebietes hinterlassen. Das 17. Jahrhundert war in Schweden durch militärische Ereignisse gekennzeichnet, wodurch die Skandinavier unbedingt zu einer europäischen Großmacht aufsteigen wollten. Schwedische Festungen galten als eine der besten in Europa und Dahlberg hat hier seine Verdienste. Wismar als schwedisches Staatsgebiet außerhalb des Reiches, wurde nach 1648 zügig zu einer der größten Festungen Europas mit 18 Bastionen, 9 Ravelins und 2 Zitadellen sowie 700 Kanonen ausgebaut. Am 19. Mai 1675 bestätigt der schwedische König Karl XI. den Plan zum Ausbau der Festung auf dem Walfisch mit einer fünfzackigen Sternschanze. 1682 legt Dahlberg dem König einen neuen Entwurf mit einem dreistöckigen Geschützturm, Geschützbastionen und unterkellerten Außenbastionen vor, die am 18. November 1686 fertiggestellt waren. Im Oktober 1687 kam dann noch die Außenmauer auf einer Pfahlgründung hinzu. Doch erst am 4. Januar 1696 ist die Festung militärisch und bautechnisch fertig. Dahlberg hinterließ dazu umfangreiche Zeichnungen, die in Stockholm und in Wismar verwahrt werden. Im Großen Nordischen Krieg trumpfte der jungen Schwedenkönig Karl XII. noch einmal richtig auf und verlor nahezu alles. Die Festung Walfisch ist am 2. Februar 1718 durch die Dänen gesprengt worden, doch das hat sein Baumeister Dahlberg nicht mehr erlebt. Das für Wismar bedeutendste schwedische Bauwerk, das Zeughaus ist ebenfalls nach Entwürfen Dahlbergs gefertigt worden und gilt als eines der herausragenden Zeugnisse barocker Militärbauten. 1699 war das gerade erst zehn Jahre alte Zeughaus durch eine Explosion zerstört worden und es wurde 1700 am gleichen Ort ein Neubau errichtet. Dahlberg hat hier entscheidend mitgewirkt, obwohl seine militärischen Verpflichtungen ihn nicht viel Zeitraum ließen. Das Wismarer Zeughaus ist ein zweigeschossiges Gebäude, das. Karl XII. von Schweden als Waffenarsenal für die schwedische Garnison bauen ließ und die Pläne von seinem Festungsbaumeister Erik Dahlberg erarbeiten ließ. Noch heute erstaunt die freitragende Deckenkonstruktion ohne Stützpfeiler, wodurch ein großer Raum mit 900 Quadratmetern, der zur Lagerung von Waffen und Gerät dient, entstand. Das Obergeschoss war über eine schräge Rampe erschlossen, über die Pferde auch schweres Gerät transportieren konnten. An jeder Seite befindet sich ein Portal mit einer rechteckigen Rahmung. Zur Hofseite befindet sich über der Eingangstür ein modellierter Schriftzug von König Karl XII. 1869 wurde an der Straßenseite am Dreiecksgiebel das Wappen des abgebrochenen Mecklenburger Tores angebracht. Von 1993 bis zur Eröffnung am 2. Oktober 2000 Eröffnung zum Medienzentrum mit der Stadtbibliothek ist das Zeughaus für 14 Mio. DM umgebaut worden, das seinen Erbauern sicherlich Freude und Anerkennung bereitet hätte. Graf Erik von Dahlberg verteidigte 1700 Riga gegen die Armee von Sachsen-Polen, doch als gegen seinen Willen Karl XII. Polen angriff quittierte er 1702 seinen Dienst und zog sich zurück. Am 16. Januar 1703 verstarb er in Stockholm.

Der Nachwelt hat er ein umfangreiches Vermächtnis hinterlassen, wozu nicht nur seine noch heute erhaltenen Bauten zählen, sondern das in Schweden bekannte von ihm seit 1660  verfasste Standardwerk „Das frühere und heutige Schweden“ mit zahlreichen Abbildungen schwedischer Städte, Häfen, Landschaften, Denkmalen und altnordischen Stätten, das in drei Bänden erschien. Die Stadt Wismar ehrte „ihren“ großen Festungsbaumeister am 22. Oktober 1908 mit der Benennung einer Straße „Dahlberg“ am Turnplatz.

Was sonst noch geschah

  1. Januar 1962 Abriss des Gefangenenturmes an der Turmstraße.
  2. Januar 1990 Demonstration des Neuen Forum gegen die Verschleierungspolitik der SED-PDS unter dem Motto „Deutschland, einig Vaterland“.
  3. Januar 1948 Das Karstadt Haus in Wismar wird Volkseigentum.
  4. Januar 1990 Wismar erhält durch Ratsbeschluss den Beinamen „Hansestadt“.
  5. Januar 1948 Sitzungen der Stadtverordneten finden wieder im Ende 1947 fertiggestellten Rathaus statt.
  6. Januar 1329 Fürst Heinrich der Löwe (von Mecklenburg) gestorben.

Detlef Schmidt

 

 

 

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