Kalenderblatt zum 16. Mai

  Vom Bürgerpark zum Tierpark
Vor 40 Jahren wurde die Tierparkgaststätte eröffnet

Am 16. Mai 1975 wurde im damaligen Heimattierpark im Köppernitztal die Tierparkgaststätte eröffnet. Damit war das Köppernitztal mit seinen Wildgehegen und Wasservögeln als Heimat-tierpark um eine wichtige Attraktion reicher. Viele Feste wurden hier gefeiert und man bekam kaum Platz in der kleinen Gaststätte, die auch liebevoll „Eselsbar“ oder „Eulenkrug“ genannt wurde. Ein paar Jahre nach der Wende war hier noch Gastronomie vorhanden und nach jahre-langem Leerstand übernahm am 28. April 2007 der Wismarer Modelleisenbahn-Club e.V. das Haus als Vereinsheim.
Das Köppernitztal als Naherholungsgebiet der Wismarer besteht aber schon länger und der Köppernitz Bach taucht bereits in der Urkunde vom 6. Juni 1229 auf, als Herzog Johann I. „seinen lieben Bürgern“ ein Stück Land zwischen Wendorf und der Köppernitz überließ. Das ist sozusagen die Wismarer Geburtsurkunde, da sie als Bürger bezeichnet wurden und Bürger gab es nur in einer Stadt. 1903 wollte die Stadt die endgültige Loslösung von den Schweden mit einer „Hundertjahrfeier“ begehen. Was fehlte war ein Festplatz und ein würdiges Gelände dazu. Hierzu bot sich das Tal der Köppernitz an und das Plateau am Wischberg sollte für den Festplatz hergerichtet werden. Der Leipziger Gartenbauarchitekt Karl Hampe wurde 1901 mit den Arbeiten betraut, aus dem Köppernitztal einen Bürgerpark zu entwickeln. Nach den Auf-zeichnungen her, löste er diese Aufgabe zur allgemeinen Zufriedenheit der Wismarer und sei-nes Auftraggebers. Kleine Brücken über den Bach, ausgebaute Wege, Ruhebänke und künstli-che Aussichtspunkte begeisterten die Bürger. Dazu kamen noch zwei Goldfischteiche und ein künstlicher Wasserfall. Auf dem Platz am Wischberg wurde der 20 Tonnen schwere Schwe-denstein aus dem Züsower Forst aufgestellt und der Wischberg selbst erhielt einen hölzernen Aussichtsturm, von dem man weit über Stadt und Bucht bis nach Poel sehen konnte. Am 19. August 1903 wurden die Anlagen festlich übergeben und die Wismarer haben sie gerne ge-nutzt. Nach dem 2. Weltkrieg verkam die Anlage und geriet etwas in Vergessenheit. Trotzdem nutzten die Kinder die Abhänge als Rodelstrecke. Auf dem Festplatz am Wischberg wurde am 15. August 1948 der Ehrenfriedhof der Roten Armee für 348 gefallene Militärangehörige eingeweiht. Damit war der Festplatz unbrauchbar und der Schwedenstein verschwand bis 1993 in einer kaum bekannten Ecken, ehe er am 19. August 1993 in der Straße „Am Schwe-denstein“ aufgestellt wurde.
In den 60iger Jahren wurde im Lindengarten ein Rehgehege eingerichtet, um hier mehr At-traktivität zu erreichen. Diese Idee ließ sich schwerlich entwickeln und so wurde die Idee geboren, im Köppernitztal einen „Mini-Zoo“ zu erreichten, der am 8. Mai 1969 dann in der reizvollen Landschaft eröffnet werden konnte und sich schnell zu einem Publikumsmagnet entwickelte. Erste Tiere waren Rehe, Fasanen und Ziegen, sowie zahlreiche Wasservögel auf dem Teich. Der Schweriner Zoo übergab drei Mäusebussarde. Die im Köppernitztal errichtete Freilichtbühne, die im Sommer fast jeden Abend Filme zeigt, war ein weiterer Besuchermag-net. So ist es nicht verwunderlich, dass nach weiteren Alternativen gesucht wurde und man schon 1977 das Erweiterungsgelände, etwa 500 Meter vom alten Standort plante und damit leider das alte Gelände des Bürgerparkes von 1903 wieder aufgab. Der nunmehrige Heimat-tierpark eröffnete am 4. Mai 1984 auf vergrößertem Gelände. Entsprechend des Auftrages bestimmten eine bunte Auswahl heimischer Wildtiere wie Rehe, Wildschweine, Füchse und Eulen, aber auch Haustiere wie Ziegen, Schafe und Pferde sowie exotisches Ziergeflügel be-stimmte das Bild des Heimattierparkes. Einen großen Schreck bekamen die Verantwortlichen, als im Januar 1986 zwei Wölfe aus ihrem Gehege entwichen und danach ein kleines Mädchen verletzten. Die Tiere wurden eingefangen und nachdem der letzte Wolf vor einigen Jahren aus Altersgründen verstarb, haben die Wismarer keinen Wolf mehr im Gehege. Auf das nunmehr 14 Hektar große Gelände kam 1987 noch das Wisent Gehege hinzu. Fast alle Gehege wurden von Wismarer Unternehmen angefertigt und auch gespendet. Nach der „Wende“ gestaltete sich einiges schwieriger, doch mit der Umwandlung des Heimattierparkes in einen Gemein-nützigen Verein und der Unterstützung durch die Hansestadt Wismar konnte nicht nur der Bestand gehalten, sondern weiter ausgebaut werden. Der Tierpark hat durch seinen veränder-ten Tierbestand auch den regionalen Charakter abgelegt und heißt nun schlichtweg „Wismarer Tierpark“.
Heute hält der Wismarer Tierpark auf seinen im letzten Jahr auf 17 Hektar erweiterten Gelän-de, 250 Tiere in 42 Arten. Da ist vom Meerschwein bis zum Strauß eine breite Palette von den regionalen Tierrassen bis hin zu Exoten zu bestaunen. Kinder lieben besonders die Streichel-gehege mit den Ziegen und auch mit den Damhirschen. Besonderer Beliebtheit erfreut sich aber die „Affen-Insel“ mit den possierlichen Kattaäffchen, die zutraulich auf den Schultern umherturnen. Wisente, Luchse, Papageien, Waschbären und Präriehunde, um nur einige Bei-spiele zu nennen, haben ebenfalls ihre Anhängerschar. Ist es im Winter eher ruhig, so pulsiert in den Sommermonaten das fröhliche Leben und die Kinder lieben den Abenteuerspielplatz mit Eisenbahn und Wasser Bob, natürlich mit dem Wasser der Köppernitz. Auf die in diesem Jahr in Angriff genommene Erweiterungsfläche des Tierparkes, werden die in Südamerika beheimateten Alpaccas und Nandus ihr Gehege bekommen und so zur weiteren Attraktivität der grünen Oase beitragen. Der Wismarer Tierpark im Köppernitztal erfüllt heute wieder die Anforderungen nach einem vor über einhundert Jahren errichteten Bürgerpark, wobei das ur-sprüngliche Köppernitztal einer umfangreichen landschaftlichen Pflege bedarf.

Was sonst noch geschah
16. Mai 1945 Die Straßennamen von faschistischen Größen werden umbenannt.
16. Mai 2014 Stiftertafeln der Bürgerstiftung der Hansestadt Wismar von 1997 wird in St. Georgen in der Turmkapelle enthüllt.
17. Mai 1653 Das Wismarer Tribunal nimmt seine Arbeit auf.
18. Mai 1959 – 6. Hanseatenring-Rennen für Serienmotorräder.
19. Mai 1819 Der Wismarer Rat verkauft die ihm gehörige Ratsapotheke zur Finanzierung des Rathausneubaus für 8000 Taler und jährlichen Zahlungen von 400 Talern an den Apotheker Hirsch aus Eimbeck.
19. Mai 1946 Mit dem sowjetischen Frachtschiff „Soumen Neito“ wurde das erste Schiff im Wismarer Hafen nach dem Krieg abgefertigt.
20. Mai 1983 Übergabe des fertiggestellten Torraumes im Wassertor an den „Club maritim“.
21. Mai 1946 Der Wismarer Pfingstmarkt, seit 1397 abgehalten, findet wieder auf dem Wis-marer Marktplatz statt.

Detlef Schmidt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

2 × 4 =