Kalenderblatt zum 17. Mai

Ein aufrührischer Buchhändler

Am 17. Mai 1811 wird in Lübeck der Buchhändler Dr. Johann Heinrich Sievers geboren. Während der 1848iger Revolution in Mecklenburg war er einer ihrer führenden Köpfe in Wismar. Aufgewachsen ist er in Klein Krankow bei Bobitz, wo sein Vater Pächter einer großherzoglichen Domäne war. Nach Schulabschluss ging er zum Philosophie-Studium nach Jena. Die Universität war aber auch eine der Hochburgen der Deutschen Burschenschaften, in der um diese Zeit Fritz Reuter sehr aktiv war. Sie-vers bekam während seiner Studienzeit die wichtigsten Anregungen für sein politisches Bild, das in prägte. Nach Abschluss seines Studiums und Promotion wurde er Buchhändler und erhielt 1845 die Konzession für eine Buchhandlung in Wismar. Sievers zog nach Wismar und eröffnete hier Am Markt 17 die zweite Wismarer Buchhandlung. Heute ist dort der 1914 errichtete Neubau der jetzi-gen Deutschen Bank. Schräg gegenüber war sein schärfster Konkurrent, die Buchhandlung „Schmidt &von Cossel“, in der Dethloff Hinstorff seine Lehre absolvierte und der 1849 diese Buch-handlung aufkaufte. Heinrich Sievers hatte schon vor Geschäftseröffnung mit polemischen Beiträ-gen im „Schweriner Freimüthigen Abendblatt“, gegen seine Mitbewerber als „reaktionärste Buch-handlung“ gewettert. Sievers war ein tüchtiger Buchhändler, der natürlich auch seine eigenen lite-rarischen Arbeiten anbot. Außerdem besaß er eine gute Leihbibliothek, die gerne angenommen wurde. Zudem war er Vorverkäufer für Konzerte und weitere kulturelle Veranstaltungen. Das alles und seine Marktlage brachte einen guten Zulauf. Sievers hielt aber mit seinen politischen Ansichten nicht hinter dem Berg. In einem Artikel in der „Wismarschen Zeitung“ vom 18. April 1848, sowie in einem Flugblatt forderte er die „Grundlage einer Verfassung, gebildet aus Urwahlen“. Damit gehört er zu einen der Wegbereiter der am 31. Oktober 1848 stattfindenden verfassungsgebenden Ver-sammlung in Schwerin. Das dies Adel und Ritterschaft nicht behagte, liegt auf der Hand. Die 48iger Revolutionäre waren aber wie im Rausch, während die Gegner der Revolution sich sammelten und diese hintertrieben. Sievers wollte die neuen Gedanken weiterverbreiten, um es nicht in Verges-senheit geraten zu lassen, doch schon im Mai 1849 musste er bei Androhung von 25 Talern Strafe ein Flugblatt aus seinem Fenster entfernen. Die Beschwerde bei der Wismarer Polizei brachten ihm noch einmal fünf Taler Strafe ein. Während der 48iger Revolution in Mecklenburg war er einer ihrer führenden Köpfe in Wismar. Er gründete 1849 das radikal-demokratische Wochenblatt „Mecklen-burgischen Volkszeitung. Sonntagsblatt für Stadt und Land Wismar“, später „Mecklenburgische Dorfzeitung“. 1850 wurde er in einem Hochverrats- und Majestätsbeleidigungsprozess zu einer längeren Freiheitsstrafe verurteilt. Er entzog sich dem Antritt der Strafe durch eine Kaution von 4.000 Talern, floh aber nach England. Zuvor hatte er schon den Verlag der „Mecklenburgischen Dorfzeitung“ an Gustav Siedenburg übergeben. Dieser war Theologe in Wismar aber auch Abge-ordneter der Schweriner Abgeordnetenversammlung. Er hat sie bis zu ihrem Verbot am 17. Juli 1851 und seiner eigenen Emigration in die USA geführt. Heinrich Sievers verlor in der englischen Emigration sein gesamtes Vermögen und kehrte 1860 nach Mecklenburg zurück. Hier verbüßte er seine Strafe in der Strafanstalt Bützow-Dreibergen. Ab 1861 war er als Journalist beim „Leipziger Journal“ tätig und blieb seiner mecklenburgischen Heimat mit Beiträgen und Flugschriften treu. Die Streitschrift „Was ist zu tun?“ war wohl doch zu arg, alle Exemplare wurden eingezogen und Sievers floh vor der drohenden Verhaftung erneut nach England, kehrte in die Schweiz zurück, wo er 1876 verstarb.
Erst nach den Unruhen von 1830 und 1848 konnten Bürger, die das Wohnrecht in der Stadt haben, auch gewählt werden. Mit den Ereignissen von 1848/49 wurde der Siegeszug der bürgerlichen De-mokratie in die Wege geleitet, der auf lange Sicht die spätere historische, politische und soziale Entwicklung fast ganz Europas bestimmte.

Was sonst noch geschah
19. Mai 1819 Der Wismarer Rat verkauft die Ratsapotheke zur Finanzierung des Rathausneubaus für 8000 Taler.
19. Mai 1946 Mit dem sowjetischen Frachtschiff „Soumen Neito“ wurde das erste Schiff im Wisma-rer Hafen nach dem Krieg abgefertigt.
21. Mai 1990 Der Wismarer „Runde Tisch“ beendet mit der 28. Sitzung seine Tätigkeit und löst sich auf.
22. Mai 1945 Der englische Stadtkommandant Major Charles setzt Alfred Pleuger als Bürgermeister ab und Baron von Biel aus Zierow als Oberbürgermeister ein.
22. Mai 1966 Auf dem Hanseatenring wurde während der 19. Internationalen Friedensfahrt ein Rundrennen über 93 Kilometer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 43 Km/Std. ausgetra-gen. Sieger war Antonio Albonetti (Italien).
23. Mai 1807 Einsturz des Wismarer Rathauses.
23. Mai 1903 Aufstellungen zwei originalgetreuer gusseiserner Schwedenkopfkopien von der Ei-sengießerei Crull in Wismar an gleicher Stelle der am 30. Oktober 1902 durch den finnischen Segler „Alfa“ teilweise zerstörten Schwedenköpfe in der Hafeneinfahrt.
24. Mai 1876 Benennung der Ulmenstraße.
25. Mai 1957 Stapellauf des ersten Seefahrgastschiffes auf der Wismarer Werft.

Detlef Schmidt

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