Kalenderblatt zum 18. April

Der Entdecker des Kondensators  kommt aus Wismar 

Am 18. April 1796 stirbt in Stockholm Prof. Dr. Johann Carl Wilcke, eine der bedeutendsten Experimentalphysiker der damaligen Zeit in Europa. Was der Wismarer Friedrich Dahlmann in Deutschland für die nationale Politik im 19. Jahrhundert bedeutete, war der Wismarer Johann Wilcke im 18. Jahrhundert für die Physik, eine neue Lehre die sich die wissenschaftlichen Plätze eroberte. 

Johann Wilcke wurde in Wismar am 6. September 1732 in der heutigen Lübschen Straße 73 geboren. Dies Haus hatte sein Vater, Samuel Wilcke, erst 1731 aus einer Konkursmasse erworben. Samuel Wilcke ist 1704 im pommerschen Greifenberg geboren. Er studierte Theologie und wurde 1729 Prediger bei dem Grafen von Lilienstädt. 1831 heiratete er in Kolberg Anna Scheele und zog mit ihr nach Wismar, wo er am 17. Juli 1731 zuerst Diakon und am 26. August 1731 Pastor an St. Georgen wurde. Am 8. Juli 1739 erhielt Pastor Samuel Wilcke eine Berufung an die deutsche Gemeinde in der Stockholmer St. Gertrudenkirche. Er starb am 24. Oktober 1773.

Die Familie Wilcke zog 1739 von Wismar nach Stockholm und hier besuchte Johann Wilcke, der älteste Sohn der Familie,  die deutsche Schule. Nach Beendigung der Schule ging Johann Wilcke 1750 auf die Universität in Uppsala, um sich auf ein Theologiestudium vorzubereiten. Doch schon in den ersten Semestern wurde klar, dass der junge Wilcke sich mehr für Mathematik und den Naturwissenschaften interessierte, und so schickte ihn sein Vater auf die Rostocker Universität, mit einer anerkannten theologischen Fakultät, wo auch ein Freund der Familie wirkte, der ihn „auf den richtigen Studienweg“ führen sollte. Doch in Rostock wurde der junge Student Johann Wilcke völlig in den Bann der Naturwissenschaften gezogen, zumal ein Bruder seines Gastgebers, Franz Aepinius, an der Rostocker Uni als „Lehrer der Weltweisheiten“ wirkte. Dahinter verbargen sich die Fächer Mathematik, Astronomie und Philosophie. Johann Wilcke, verließ das Theologiestudium und begann ein Studium in der Mathematik und den Naturwissenschaften. Diese setzte er in Göttingen und auch in Berlin fort, zumal sein Lehrer und Freund Franz Aepinius ebenfalls hier lehrte. Beide forschten dort über Elektrizität und Magnetismus und waren Schüler des Schweizer Mathematikers und Physikers Leonhard  Euler. Ein Werk Wilckes aus dieser Zeit war die Übersetzung von Benjamin Franklins Schriften zur Elektrizität. Am 13. Oktober 1757 promovierte Johann Carl Wilcke an der Rostocker Universität mit einer physikalischen Arbeit als „Doktor der Philosophie“. Als Aepinus 1757 nach St. Petersburg ging, zog Wilcke als Dozent nach Stockholm, wo er 1770 Professor für Experimentalphysik wurde. Wegen der schlechten Besoldung wagte er es deshalb erst 1777 zu heiraten. Seine finanziellen Verhältnisse besserten sich erst, nachdem er 1784 Sekretär der Schwedischen Akademie der Wissenschaften wurde. Seit 1774 war er auch Mitglied der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften in Uppsala und seit 1775 Mitglied der Königlichen Physiographischen Gesellschaft in Lund.

Johann Wilcke experimentierte schon als junger Student auf dem Gebiet der Elektrizitätslehre und unterzog besonders die Lehre des Amerikaners Benjamin Franklin einer  kritischen Untersuchung. Er stellt erstmalig die Besonderheit eines elektrischen Wirkungskreises da, woraus sich das „elektrische Feld“ bildete. Er machte die Entdeckung der dielektrischen Polarisation 60 Jahre vor dem Engländer Michael Faraday und  1762 gab Wilcke Untersuchungen bekannt, die einen „Elektrophor“, einem Kondensator, vorstellten. 1766 wurde über einen Versuch von Johan Carl Wilcke berichtet, bei dem dieser durch Kondensatorenentladung Flintkugeln miteinander verschweißte.  Einem breiten Publikum führte er diese „Elektrisiermaschine“ vor, die eine gewisse Zeit die Elektroenergie abgibt. Damit ist der „Elektrophor“ ein Vorläufer des heutigen elektrischen Kondensators. Wilcke sprach zwar dem italienischen Physiker Allessandro Volta die Hauptentwicklung zu, doch zahlreiche Wissenschaftler dieser Zeit hielten Johann Wilcke als Erfinder, zumal er unmittelbar nach Bekanntwerden des Instrumentes eine vollständige theoretische Erklärung dazu abgab. Weitere Arbeiten des Experimentalphysikers Wilcke beschäftigten sich mit der Wärmelehre in physikalischen Körpern und hier besonders „latenter und spezifische Wärme“. Wilckes Forschungen sind noch heute Grundsteine für die ökologisch angewandte Wärmepumpe, die den Temperaturunterschied zur Wärmegewinnung ausnutzt. Ein weiteres Forschungsgebiet waren das Erdmagnetfeld und meteorologische Erscheinungen wie Gewitter, Tornados und Zyklone.

Etwas zu Unrecht ist der in Wismar geborene Johann Wilcke in Vergessenheit geraten und man sollte überlegen, an sein noch heute erhaltenes Geburtshaus eine Erinnerungstafel anzubringen. 

Was sonst noch geschah

18. April 1951 Gründung der „Bank für Handwerk und Gewerbe eGmbH“ im Wismarer Kulturhaus, Lübsche Straße 23 (ehemals Kaufmannskompagnie). 18. April 1991 Gründung des Wirtschaftskreises „Mittwochsrunde zu Wismar“.

18. April 1816 Heinrich Thormann, Architekt und Erbauer des Wismarer Theater, geboren. Gestorben 15. Februar 1890 in Wismar.

18. April 1847 der Raddampfer „Obotrit“  fährt erstmalig im Auftrag der Mecklenburgischen Dampfschifffahrtsgesellschaft AG nach Stockholm. Er ist nie wieder diese Route gefahren, sondern wurde für Vergnügungsfahrten eingesetzt. Ab 4. Oktober 1848 regelmäßiger Verkehr nach Kopenhagen.

19.April 1904 Gründung der Wismarer Elektrizitätswerke.

19. April 1951  Tod von Pfarrer Dr. Robert Lansemann im Staatsicherheitsgefängnis am Demmler Platz in Schwerin. Robert Lansemann ist am 24. Juli 1908 in Wismar.

19. April 1948 Umbenennung der großen Stadtschule in „Geschwister-Scholl-Schule“.
23. April 1859 Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Wismar.

23. April 1994 20.000 Menschen demonstrieren in Wismar für den Erhalt des Werftstandortes.

 Detlef Schmidt

 

 

 

 

 

 

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