Kalenderblatt zum 18. Oktober

Rathaus mit Glocken und Kanonenschüssen eingeweiht
Geburtstag des Wismarer Rathauses

Am 18. Oktober 1818 ist Wismar klassizistisches Rathaus festlich mit Glockengeläut, Kano-nenschüsse und Schiffsbeflaggung eingeweiht worden. Das Rathaus war ebenfalls beflaggt und mit Blumengirlanden geschmückt. Alle Honoratioren der Stadt waren geladen, um den nun endlich fertiggestellten Bau zu besichtigen. Am nächsten Tag fand ein großer Ball im neuen Rathaus mit 600 Personen statt. Da machte es nichts aus, dass das Rathaus nun doch noch nicht ganz fertig war, denn es fehlte der Rathausbalkon, der erst 1822 angebaut wurde.
In der Nacht zum 23. Mai 1807 stürzte das Dach des nunmehr 450 Jahre alten Rathauses, „dat olle Rathuus“, wie die Wismarer sagten, ein und Teile der Decken im östlichen Flügel durch-schlagen waren. Das war letztendlich eine Folge der vernachlässigten baulichen Unterhaltung, des nach 1350 erbauten Rathauses. Es ist wohl das dritte Rathaus der Stadt. Die Existenz der Vorgängerbauten ist schwierig darstellbar. Nach der Stadtgründung hat es ein Rathaus gege-ben und vermutlich ist es das um 1270 erwähnte Rathaus, das östlich am Markt, am Pferde-markt, gelegen war. Ein neues Rathaus ist dann um 1292 erbaut worden und man geht davon aus, dass es das „Neue Haus“, Hinter dem Rathaus 15, war. 1350 tobte die Pest in Wismar und ein schweres Feuer zerstörte das Rathaus. Es wurden alle Akten, Urkunden und die wert-vollen Privilegien-Urkunden vernichtet. Herzog Albrecht und auch Magnus von Schweden bestätigten 1351 die alten Privilegien. Dies war außerordentlich wichtig und wir würden heute sagen, „wie bares Geld“. Die Wismarer bauten gleich nach dem Rathausbrand ein neues Rat-haus am jetzigen Standort auf und 1353 wird es fertig gewesen sein. Wismar befand sich in der wirtschaftlichen und politischen „Blütezeit“ und konnte sich ein repräsentatives, frei auf dem Marktplatz stehendes, Rathaus leisten.
1807 sah es dagegen nicht so rosig aus. Zunächst versuchte man, die Schäden notdürftig zu beheben. Doch der Verfall der Ruine ließ sich nicht aufhalten. Zwar wurde 1809 noch einmal ein Versuch unternommen, die Schäden zu beseitigen, doch es kamen aus der Stadtkasse nur 558 Taler zusammen. Im Februar 1815 besichtigte Landesbaumeister Haase die Rathausruine und empfahl Sicherungsmaßnahmen. Es wurde notdürftig repariert und im Juli 1815 be-schwerte sich dann Stadtsekretär Walter, dass er nicht mehr ins Archiv gehen könne, da „aus der Zimmerdecke schon acht große Steine losgeweicht“ wären. So sah man sich dann am 28. August 1816 gezwungen, die Ruine abreißen zu lassen. Im November 1816 besichtigte Lan-debaumeister Johann Barca die Ruine und legte dem Wismarer Rat im März 1817 die not-wendigen Unterlagen für einen Neubau vor. Eine Spendenaktion der Wismarer brachten 14.000 Taler ein und der Bau des nunmehr vierten Rathauses wurde sofort begonnen. Die sparsamen Wismarer Ratsherren fanden nun den Architekten Johann Barca mit einer zu-stehenden Summe ab und bauten fortan nach seinen Zeichnungen in eigener Verantwortung weiter. Der Großherzog bewilligte den Wismarern noch 25 Eichen zum Bau, der unter Ver-wendung alter Gebäudeteile, die wir heute noch im Kellergewölbe und in der westlichen Seite des Rathauses erkennen, begonnen wurde. Der Grundriss des Neubaus richtete sich nach sei-nem Vorgängerbau. Am 27. September 1817 konnte schon Richtfest gefeiert werden. Insge-samt kostete der Rathausneubau 26.174 Reichstaler. Zur Finanzierung des Rathauses wurde auch die stadteigene Ratsapotheke für achttausend Taler an den Apotheker Hirsch aus Eim-beck verkauft. Ungeachtet der noch notwendigen Bauarbeiten, zog das städtische Archiv hier schon im August 1819 ein, Rat und Bürgerschaft bezogen auch ihre Räumlichkeiten. Für The-ateraufführungen wurde ein großer Raum über der Gerichtslaube genutzt, ehe das Theater 1842 fertig war. Am 2. Januar 1825 war die erst neu gegründete „Wismarer Ersparnißanstalt“, die heutige Sparkasse, der erste „Untermieter“. Ein Bild des Bürgermeister Johan A. Haupt (1800-1835) von Carl Düberg, schmückt seit dem 12. Juni 1842 den Bürgerschaftssaal.
Das Wismarer Rathaus ist seit fast 800 Jahren politisches Zentrum der Hansestadt. Hier wur-den alle wichtigen Entscheidungen getroffen. Seit dem 5. März 1906 befindet sich eine Tafel vom ehemaligen Mecklenburger Tor über der Rathaustür. Hier hatte sich auch in der Nacht zum 7. März 1914 Senator Friedrich Wilde erschossen. Die Gründe dazu blieben im Dunkel und die Ratsmitglieder „wussten von nichts“.
Am 17. Oktober 1915 wurde hier mit der „Nagelung des Wismarer Koggen Wappens“ zur Kriegsunterstützung begonnen. Jeder Nagel musste bezahlt werden. Die Prozedur begann um 15.30 Uhr mit einem Aufmarsch der Bürger, Vereine und Verbände vor dem Rathaus und im Rathaus mit einem kleinen Festprogramm der Bürgerschaft. Die „Nagelung“ endete am 27. Januar 1916. 1920 verwüsteten die Kapp-Putschisten das Haus und am 8. Mai 1933 übernah-men die Nazis das Haus. Als die Engländer Wismar am 2. Mai 1945 befreiten, schlug Kom-mandeur Major Charles hier seine Kommandostelle auf. Nazibürgermeister Alfred Pleuger ließen sie noch bis zum 19. Mai 1945 im Amt. Da der Ostflügel des Rathauses im September 1942 zerstört wurde, ist dieser bis Ende 1947 fertiggestellt worden und am 20. Januar 1948 tagen hier wieder die Wismarer Stadtverordneten. Einen weiteren schweren Schlag erlitt das Rathaus durch einen Schornsteinbrand am 18. Dezember 1990. Es konnte durch Wismarer Firmen nach gründlicher Modernisierung am 28. August 1992 wieder übergeben werden.

Was sonst noch geschah
18. Oktober 1989 Das Neue Forum stellt sich in der Kirche zu Proseken vor 2.000 Menschen vor.
19. Oktober 1822 Arzt und Historiker Dr. Friedrich Crull geboren (Mecklenburger Str. 16).
20. Oktober 1999 Grundsteinlegung für das neue Freizeitbad „Wonnemar“.
21. Oktober 1993 Die vergoldete Abschlusskugel mit dem Wetterhahn auf der Turmspitze von St. Georgen ist mit Zeitdokumenten gefüllt und in 56 Metern Höhe angebracht worden.
22. Oktober 1847 Gründung der „Mecklenburgischen Dampfschifffahrtgesellschaft zu Wis-mar AG“, Scheuerstraße 11.
23. Oktober 1910 Parteitag der SPD in der „Hansa“
23. Oktober 1945 Die Zuckerfabrik beginnt mit 450 Beschäftigten.
23. Oktober 1952 Wiedergründung des „Deutschen Roten Kreuz“ in Wismar.
23. Oktober 1989 Außerordentliche Sitzung der Kreisleitung der SED. Hans-Jürgen Große-Schütte referiert für einen Kampf gegen das Neue Forum.
23. Oktober 1989 Treff von Sympathisanten des Neuen Forum in Voßkuhl im Wohnhaus von Fritz Kalf.
24. Oktober 1648 Wismar wird im „Westfälischen Frieden“ Schweden zugesprochen.

Detlef Schmidt

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