Kalenderblatt zum 19. April

Robert Lansemann – ein aufrechter Demokrat und Christ

 

Am 19. April 1951 verstarb im Stasi-Untersuchungsgefängnis der bekannte Wismarer Pastor der evangelisch-lutherischen Kirche an Heilig-Geist, Robert Lansemann. Sein Schicksal hat viele Wisma-rer nach dem Krieg berührt, doch die damals herrschende Diktatur, machte einen Informationsaus-tausch bei Gefahr nahezu unmöglich. Robert Lansemann wurde am 24. Juli 1908 in Wismar als Sohn des bekannten Rechtsanwalts Hans Lansemann und seiner Frau Clara, geborene Joerges in der Lindenstraße 22 geboren. Seine Mutter verstarb schon 1916 im Alter von 33 Jahren. Hans Lanse-mann heiratete danach Helene Raspe und war für den Jungen mehr als eine Ersatz- oder Stiefmut-ter. Bis 1927 besuchte er die Große Stadtschule in Wismar, wo er am 9. März 1927 sein Abitur mit Auszeichnung ablegte. Hier hatte er schon den Wunsch geäußert, Theologie zu studieren. Seine Immatrikulation an der theologischen Fakultät der Universität Rostock erfolgte am 26. April 1930. Weitere Studienorte waren Tübingen, Berlin, Zürich und Münster. Hier legte er 1934 sein 1. Theolo-gisches Examen ab und promovierte 1935 zum Lizentiaten der Theologie. Die folgenden zwei Jahre war Lansemann als Vikar in Dortmund tätig, ehe er am 15. September 1936 nach Wismar zurückkeh-ren konnte. Robert Lansemanns Verhältnis zur Diktatur des Naziregimes war, um es vorsichtig aus-zudrücken, sehr gespannt. Offener Widerstand wäre tödlich aber es gab auch andere Wege. So war es nur folgerichtig, dass der junge Vikar Lansemann sich nicht den von den Nazis favorisierten „Deutschen Christen“ anschloss, sondern vehement die Auffassungen der „Bekennenden Kirche“ vertrat. Er wird am 25. Oktober 1936 nach sorgfältigen Prüfungen durch die Wismarer Pastoren der Bekennenden Kirche, Steinbrecher, Beste und Maercker für die St. Nikolaikirche als Pastor ordiniert und eingesetzt. 1937 wurde er Vorsitzender der Bruderschaft der Bekennenden Kirche und legte 1938 sein 2. Theologisches Examen ab mit dem er ab 1. April 1938 als Pastor in Wismar tätig sein konnte. Dass ein Mann wie Robert Lansemann mit seinen Auffassungen in den Focus der Gestapo kam, gehört zu dieser mörderischen Diktatur dazu. Es gab Verleumdungen und Bespitzelungen und am 20. Juni 1940 wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Hier erhielt er auch 1943 die Nachricht, dass er als Pastor für die wieder erstandene Pfarrstelle von Heilig-Geist vorgesehen war, die er Ostern 1943 antrat. Robert Lansemann wirkte in seiner Gemeinde segensreich und versuchte die seeli-schen und materiellen Nöte seiner Mitglieder zu lindern, was ihn nicht daran hinderte auch über seine Gemeinde in seinem Sinne tätig zu sein. Er nahm seine Berufung als Geistlicher sehr ernst. Bei diesen Tätigkeiten lernte er seine fast 20 Jahre jüngere Frau Ellen Drägert kennen. Beide heira-teten am 5. April 1945 in Wismar und wohnten „Vor dem Fürstenhof 11“. Robert Lansemann sah in dem neuen gesellschaftlichen System unter russischer Besatzung eine Gefahr für freies Leben, Demokratie und freier Religionsausübung. Er vertrat dies auch öffentlich und so kam es zu Anschul-digungen und Verrat, dass er ein „Spion und Verräter“ sei. Erschwerend für ihn war sein Umgang mit der Jungen Gemeinde, die einen großen Zulauf hatte. Er trat für freies Denken und gelebten Glauben ein. Das konnten die neuen Machthaber nun nicht zulassen und es gab leider genug Mit-bürger in der Stadt, die dem russischen mörderischen Regime unter Stalin helfend zur Verfügung standen. In der Nacht vom 11. auf dem 12. Dezember 1950 fand in seiner Wohnung vor dem Fürs-tenhof 11 eine fast zwölfstündige Hausdurchsuchung statt und Robert Lansemann wurde verhaf-tet. Seine junge Frau stand hilflos dabei. Trost und Zuspruch fand sie heimlich bei den Nachbarn und in der Gemeinde. Schon 14 Tage vorher hatte sie eine Frau vor der Verhaftung ihres Mannes gewarnt, dies aber weniger beachtet. Zum Abschluss der Verhaftung durften sich Ellen und Robert Lansemann umarmen, nicht ahnend, dass dies der Abschied für immer war. Der Pfarrer, der schon zur Bekennenden Kirche gehört hatte und dessen aufrechte Predigten von der SED als »Provokati-on eines Klassenfeindes« gesehen wurden, »verschwand« hinter den Eisentüren des berüchtigten Stasi-Gefängnisses am Kurt-Demmler-Platz in Schwerin. Robert Lansemann war Diabetiker und brauchte täglich Insulin, was er nicht bekam. Die Anfragen seiner Frau Ellen nach dem Verbleib ih-res Mannes wurde abgewiegelt. Vier Jahre blieb diese Ungewissheit um ihren Mann.

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Dann kam die Todesnachricht aus Berlin. Der dortige Propst Grüber, damals Bevollmächtigter der evangelischen Kirche bei der DDR-Regierung, hatte über den russischen Kommandanten der Stadt die „Todeslis-te“ von zahlreichen Gefangenen erhalten, darrunter auch die von Robert Lansemann. Über die Umstände wie Robert Lansemann gestorben ist und wo er begraben ist, gibt es bis heute keine Angaben. Fest steht, dass er nach einem Schreiben der Generalstaatsanwaltes Russland vom 13. April 1995, unter bis heute ungeklärten Umständen am 19. April 1951 umgekommen ist. Als Todes-ursache wird der Entzug von Insulin vermutet. Erst 1994 hat das Landgericht Rostock die damaligen Maßnahmen der Stasi und anderer Organe für „rechtswidrig” befand und damit den ersten offiziel-len Schritt zu einer Rehabilitierung von Robert Lansemann getan. Robert Lansemann bleibt jedoch vielen Wismarern im Gedächtnis. Am 4. Juli 1998 ist anlässlich des 90. Geburtstages von Robert Lansemann eine Gedenk Stele auf dem Wismarer Friedhof enthüllt worden und die evangelische Grundschule trägt seit dem 2. September 2011 den Namen „Robert-Lansemann-Schule“ und so erhält der aufrechte Pastor seine späte aber auch würdige Ehrung in seiner Heimatstadt.

Was sonst noch geschah
19. April 1948 Umbenennung der großen Stadtschule in „Geschwister-Scholl-Schule“.
20. April 1716 Dänen, Preußen und Hannoveraner erobern Wismar. Kapitulation.
20. April 2004 Besuch von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD).
23. April 1859 Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Wismar.
23. April 1994 20.000 Menschen demonstrieren für den Erhalt des Werftstandortes.
23. April 2014 Feierliche Übergabe des neuen Jobcenters in der Werkstraße 2.
25. April 1850 Einweihung der Knaben-Bürgerschule im ehemaligen Waisenhaus (seit 1689) in der Kirche des Schwarzen Klosters.
25. April 1972 Gründung der Arbeitsgemeinschaft AG 8/13 Wismar des DMV (Deutscher Modellei-senbahn Verband) der DDR in der DSF- Schule am Turnplatz.

Detlef Schmidt

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