Kalenderblatt zum 19. August

Vom Schwedenmahl und anderen Feierlichkeiten

Am 19. August 1993 gab es das 1. Schwedenmahl im Bürgerschaftssaal des Rathauses, und der Erlös daraus wurde für den damals gerade begonnen Wiederaufbau von St. Georgen ver-wendet. Seit 2010 dient diese Kirche nun als Kulturkirche für die Wismarer und seinen Besu-chern und dem Schwedenmahl als würdige Kulisse. Zwar kann Wismar nicht mit seinen hansi-schen Schwesterstädten Bremen und Hamburg mithalten, die seit 1545 die „Schaffermahlzeit“ oder seit 1356 das „Matthiae-Mahl “ ausrichten, doch der Anfang zu einer schönen Tradition ist seit über 20 Jahren gemacht.
Bei den ersten „Schwedenmahlen“ musste jeder Gast schon mal tief in die Tasche greifen, um im Bürgerschaftssaal mitzufeiern. Es galt eben viel Geld für den Wiederaufbau zu akquirieren. Seit einigen Jahren setzt sich die Teilnehmerzahl aus Bürgermeister und Senatoren, Bürger-schaft, verdienten Wismarer Bürgern und im Wechsel Mitglieder von Vereinen und Verbän-den zusammen. Dazu kommen die schwedischen Gäste, die am jährlichen Schwedenfest teil-nehmen und sie sind jedes Mal begeistert von diesem Ereignis. In St. Georgen wird gegessen, viele Reden werden gehalten, dazwischen gibt es deutsche und schwedische Lieder aber kaum alkoholische Getränke – das ist man dem würdigen Ort schuldig.
Seit Jahrhunderten haben die Hansestadt Wismar und das Königreich Schweden viel Gemein-sames durchlebt. So belagerten die Wismarer 1363 erfolgreich Stockholm um Albrecht von Mecklenburg frei zu bekommen und 1622 heiratete der schwedische König Prinzessin Anna von Mecklenburg. Dafür befreiten die Schweden Wismar 1632 von Wallenstein und blieben selbstverständlich in Wismar, das 1648 schwedisch wurde. Die Schweden richteten sich häus-lich ein und das im wahrsten Sinne des Wortes. So zwischen 1.500 und 3.000 Soldaten waren zeitweise bei den Einwohnern zu Hause untergebracht und erzeugte nicht immer freundschaft-liche Gefühle. Der Wismarer Rat wurde sogar gerüffelt und gemahnt, dass er „schlechte Leh-rer abzuschaffen und tüchtige einzustellen habe“. Die größte Festung Europas wollte König Karl VII. bauen lassen, stöhnte aber, dass er „silberne Wälle hätte“, so teuer wurde es ihm. Sogar Zar Peter der Große sah sich das Festungswerk an und fand es gut. Wie die Geschichte zeigt halten Mauern nicht lange. In Wismar nur so an die 80 Jahre. Wismars Glück war dann, dass König IV. Adolf auf Brautschau ging und gleich drei fand und dummerweise eine meck-lenburgische Prinzessin eroberte. Doch die sollte es nicht sein und für diese Schmach musste er büßen und – zahlen. So kam Wismar am 19. August 1803 wieder zu Mecklenburg. Über die Feierlichkeiten von 1803 gibt es zahlreiche zeitgenössische Berichte und ein Auszug daraus berichtet: „Am 19. August 1803 erfolgte auf dem Friedenshof durch den schwedischen Kanz-ler von Thum die Übergabe Wismars an Mecklenburg. Noch am gleichen Tag wurden die schwedischen Wappen nach 155 Jahren von der Post, der Hauptwache und dem Lizenthaus entfernt.
Die Wiedervereinigungsfeier sollte am 29. August 1803 im Beisein von Herzog Friedrich Franz stattfinden. Das Fest wurde gründlich vorbereitet, und um die Festfreude etwas in Grenzen zu halten, erließ man eine Reihe von Verordnungen. So war das Schießen aus den Häusern und nach Sonnenuntergang verboten. Es wurde empfohlen, „daß solche Plenkeleyen gar nicht statt finden mögten“. Aber auch „daß keine Misthaufen und Hausunrath auf den Gassen liegen mögte“. Und den Bettlern wurde unmißverständlich das „Herumlungern“ wäh-rend der Anwesenheit der „Höchsten Landesherrschaft“ untersagt.
Am Tag selbst war die Stadt festlich mit einer Ehrenpforte geschmückt und an vielen Häusern sah man „Illuminationen“. Die Bürger hatten ihre Häuser mit Sinnsprüchen dekoriert, wovon einer lautete: „Gott hat aus zweyen eins gemacht, Schwerin und Wismar zusammengebracht“ und etwas drastischer „Wer nicht will gut mecklenburgisch seyn, den werf ich in meinen Gra-pen ein“. Arg muss es dem Maler Michels getroffen haben: „Weil ich hab so viel müssen schmieren, drum kann ich nicht illuminieren“. Bis zum 2. September 1803 dauerten die Fest-lichkeiten. und man hoffte auf bessere Zeiten und die kamen zumindest in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert nicht. Auch damals wartete man auf „blühende Landschaften“.
Da 1903 die Schweden nicht mehr in der Lage waren das Pfand zu bezahlen, blieb Wismar da wo es schon seit 800 Jahren ist – in Mecklenburg und es wurde wieder ausgiebig gefeiert. Der Großherzog war da, der Bürgerpark mit dem Schwedenstein wurde eingeweiht und man blickte auf das Geschaffene recht zufrieden zurück. Wismar war zwar eine kleine aber nicht mehr arme Stadt. Das Verhältnis zu den Schweden hatte sich gut verbessert. Am 14. Juni 1908 wird die schwedische Seemannsmission im Haus Kleine-Hohe-Straße 26mit einem kirchlichen Seemannsfest durch den schwedischen Pastor Setelius aus Kiel eingeweiht.
Zu DDR-Zeiten waren die Schweden nie ganz aus den Köpfen der Wismarer und heimlich waren sie stolz, wenn man sie die Südschweden nannten. Nach der Wende lebten alte Ver-bindungen sofort auf, der etwas versteckte große 20 Tonnen schwere Schwedenstein wurde hervorgeholt und wieder aufgestellt und seit 2003 grüßen überall in der Stadt die Schweden-köpfe. Sie sind längst ein begehrtes Souvenir geworden. Der Besuch des schwedischen Kö-nigspaares, Karl Gustav und Königin Sylvia, von 1993 ist vielen in lebendiger Erinnerung und es wird Zeit, dass sie mal wieder vorbeischauen. Seit dem 18. August 2000 begeht die Hanse-stadt ihr Schwedenfest, woraus sich in den Folgejahren das größte „schwedische Fest außer-halb Schwedens“ entwickelte. Mit Kalmar verbindet Wismars seit 2002 eine lebendige Part-nerschaft, wie mit kaum einer anderen Stadt. Neben dem Schwedenmahl gibt es viel zu feiern, wie beim traditionellen Krebsessen des deutsch-schwedischen Vereins, auf dem Marktplatz mit den schwedischen militär-historischen Vereinen, sowie beim traditionellen NDR-Sommertour-Konzert und beim Schwedenlauf kann man alles wieder ausschwitzen. Nach den vielen schwedischen Impressionen sollte man nicht vergessen, dass die Turmuhr von St. Mari-en vom schwedischen General Helmuth von Wrangel, der in Wismar auch seine letzte Ruhe-stätte gefunden hat, gestiftet wurde. Eine derartige Freundschaft mit unseren schwedischen Nachbarn hat es in den vergangenen Jahrhunderten nie gegeben. Das Schwedenfest ist ein ausdrücklicher Beweis dafür und die Wismarer freuen sich mit den immer zahlreicher wer-denden Besuchern und besonders mit den schwedischen Landsleuten auf dieses Fest.

Was sonst noch geschah
19. August 1949 Umbenennung des Schützenweges in Ernst-Thälmann-Straße.
19. August 1803 Wismar kehrt aus schwedischer Herrschaft nach Mecklenburg zurück.
19. August 1903 Hundertjahrfeier in Wismar mit Umzug sowie Einweihung Bürgerpark und Schwedenstein.
19. August 1993 Aufstellung des Schwedensteines von 1903 in der Straße Am Schweden-stein. Einweihung mit Bürgermeisterin Dr. Rosemarie Wilcken.
19. August 1997 Aufstellung von zwei Kanonen vor dem Stadthaus auf Initiative des Lions Club Wismar aus Landskrona aufgestellt.
19. August 1796 Aufenthalt Wilhelm von Humboldts in Wismar im Hotel Stadt Hamburg.
20. August 1826 Anton Haupt wird mit 26 Jahren Wismarer Bürgermeister.
20. August 1954 Die Wilhelmstraße wird in Claus-Jesup-Straße umbenannt.
21. August 1932 Der Wismarer Grafiker und Maler Rolf Möller wird geboren. Er schuf zahl-reiche Grafiken, Signets und Bilder von Wismar und erwarb sich hohe Anerkennungen im In- und Ausland. Der 750-Jahrfeier 1979 hat er durch seine grafischen Gestaltungen ein unver-wechselbares Gepräge gegeben. Er starb am 6. Januar 2015.
24. August 1876 Benennung der Bauhofstraße, nach Neupflasterung mit der Straße „hinterm Herrenstall“ zusammengeführt.
24. August 2006 Die Teilstrecke der Autobahn 14 zwischen Wismar und Jesendorf wird für den Verkehr frei gegeben. Am 21. Dezember 2009 wird die gesamte Strecke bis Schwerin freigeben.
25. August 1944 11. Luftangriff: 105 Häuser wurden völlig zerstört. In der damaligen Adolf-Hitler-Straße (heute Dr.-Leber-Straße), der Kanalstraße sowie Turm- und Gartenstraße wurden viele Häuser in „Schutt und Asche“ gebombt.
Die Norddeutschen Flugzeugwerke von Dornier erlitten schwerste Zerstörung, die mit 80 Pro-zent Verlust angegeben wurden. Ebenso wurde die im Bereich der Kanalstraße liegende Wag-gonfabrik sehr schwer getroffen und meldete einen hohen Sachschaden. Bei diesem Angriff verloren 205 Menschen ihr Leben.
25. August 2014 Gründung der Sportstiftung der Hansestadt Wismar.
26. August 1822 Wismarer Maler Theodor Martens geboren. Er gilt neben Carl Düberg und Carl Canow als eine der bedeutendsten Maler Wismars des 19. Jahrhunderts.
26. August 1863 Eröffnung des Museums für Kunst und Altertum in angemieteten Räumen im Haus des Tischlermeisters Treptow, Dankwartstraße 47 als erste museale Einrichtung.

Detlef Schmidt

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