Kalenderblatt zum 19.Dezember

Mit der Ostseeautobahn wird ein langer Traum verwirklicht

Am 19. Dezember 1992 findet an der Bundesstraße 208 zwischen Wismar und Metelsdorf der erste Spatenstich für die geplante Bundesautobahn A 20 statt. Bundesverkehrsminister Günter Krause und Ministerpräsident Berndt Seite ließen es sich nicht nehmen, damit vor „aller Welt“ den Baubeginn der schon in den dreißiger Jahren geplanten Ostseeautobahn vorzunehmen. Zwar war es genau genommen, kein Baubeginn der Autobahn, denn die Genehmigungen lagen noch nicht vor, sondern für den später erforderlichen Brückenbau an der Bundesstraße 208. Nicht alle befürworteten den Bau des von einer breiten Bevölkerung getragenen Vorhabens. Schon beim symbolischen 1. Spatenstich zeigten Gegner des Projektes im wahrsten Sinne den Besuchern mit herunter gezogenen  Hosen ihr bloßes Hinterteil. Viele nahmen es mit Humor und ein Politiker sagte, dass es doch heute möglich sein müsse, im nun beginnenden 21. Jahrhundert so ökologisch wie möglich zu bauen. Er sollte Recht behalten.

Kaum ein anderes Bauwerk war symbolischer für die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten und gehört aufgrund ihrer Bedeutung zu den Verkehrsprojekten Deutsche Einheit.

In der Hansestadt Wismar gab es durchaus Diskussionsbedarf über den Verlauf der neuen Autobahn, ob sie nun näher oder etwas weiter weg verlaufen sollte. Favorisiert wurde eine Querung der B 106 bei Groß Stieten, doch die Befürworter setzten eine stadtnahe Lösung des Autobahnverlaufes durch. Die Schaffung einer intakten Verkehrsinfrastruktur hatte zu Beginn der 90iger Jahre nach der Wende absolute Priorität. Die beiden großen Unternehmen, Werft und Hafen, benötigten gute und schnelle Verkehrsanlagen und bei der Akquisition neuer Unternehmen für die Hansestadt Wismar spielte die Verkehrsinfrastruktur eine entscheidende Rolle. Wismar verlor in den frühen 90iger Jahren immense Industriearbeitsplätze und die galt es neu zu schaffen. Mit der Zusicherung, dass die neue Bundesautobahn A 20 zügig gebaut wird und gleichzeitig die Bundesautobahn A 14 in Richtung Mitteldeutschland über Schwerin in Planung ist, waren Investorengespräche erfolgversprechend. das sogenannte Holzcluster auf dem Hafffeld wäre ohne die Bundesautobahnen nie entstanden. Hinzu kam, dass die Hansestadt Wismar mit der am 11. September 1998 für den Verkehr frei gegebenen Westtangente und der am 16. August 2003 fertig gestellten Osttangente, sich selbst finanziell an der Verbesserung der Infrastruktur beteiligte. Einen Umstand, den man bei der Beurteilung der seit der Wende geschaffenen Infrastruktur immer berücksichtigen sollte und für Investoren, war die eingehaltenen Zusicherungen wichtig. Wenn das Unternehmen EGGER Holzstoffwerke gegenwärtig etwas über 800 Mitarbeiter beschäftigt, so ist das unmittelbar auf die Schaffung der Verkehrsinfrastruktur zurück zu führen. Nicht zu vergessen, dass die Hansestadt Wismar durch ihr absolutes investorenfreundliches Klima einen dementsprechenden Ruf in der deutschen und europäischen Wirtschaftswelt hat.

Am 3. Dezember 1997 ist der erste Bauabschnitt zwischen Wismar und Grevesmühlen fertiggestellt und am 16. Dezember 2000 der Autobahnbereich zwischen Wismar und Rostock. Feierlich übergeben wurde das „Verkehrsprojekt Deutsche Einheit“ am 22. Mai 2000 an der Anschlussstelle Schönberg bis Lübeck. Am 7. Dezember 2005 eröffnete Bundeskanzlerin Angela Merkel nach 14 Jahren Planungen und Bau, die letzten Teilstücke bei Triebsees und Greifswald. Die Baukosten betrugen insgesamt 1,9 Milliarden Euro. Mit 280 Kilometer Länge in Mecklenburg-Vorpommern ist sie bis heute der längste zusammenhängende Neubau einer Autobahn seit 1945. Zwar sind die vorher prognostizierten Fahrzeugzahlen nicht erreicht worden, doch für das Flächenland Mecklenburg-Vorpommern ist dies eine spürbare Erleichterung. Mit der Errichtung zahlreicher „Wildbrücken“ und anderer vorsorgender umweltschützender Maßnahmen, kann die A 20 auch hier punkten.

Einhergehend mit dem Bau der A 20 gingen auch die Planungen für die A 241, später in A 14 umgewandelt, weiter. Diese soll über Schwerin und Magdeburg in den mitteldeutschen Raum führen, um einen direkten Anschluss für Hafen und Wirtschaft zu garantieren. Am 24. August 2006 wurde die Teilstrecke der Autobahn A 14 zwischen Wismar und Jesendorf  für den Verkehr frei gegeben und am 21. Dezember 2009 ist die gesamte Strecke über Schwerin zum Autobahnkreuz A24/A 14 durchgängig befahrbar. Die Planungen und Baufortschritte für die nächsten Bauabschnitte auf mecklenburgisch-vorpommerschem Gebiet über Ludwigslust sind so weit fortgeschritten, dass bis 2017 mit einer Fertigstellung gerechnet werden kann. Die gesamte Bundesautobahn A 14 soll ab 2020 durchgängig befahrbar sein. Wismar hat mit den in den letzten Jahrzehnten gebauten neuen Verkehrswegen an Bundes- und Landesstraßen, sowie der ortsnahen Autobahnanbindung in alle Richtungen, eine Verkehrsinfrastruktur bekommen, die seinesgleichen sucht. Dies schlägt sich in der geschaffenen Industrieansiedlung und den damit einhergehenden Arbeitsplätzen mehr als deutlich nieder.

Was sonst noch geschah:

  1. Dezember 1945 Die Wismarer Dornierwerke erhalten den Demontierungsbefehl.
  2. Dezember 1945 Die Stadtwerke erhalten 800 Tonnen Kohle und beginnen sofort mit dem Hochfahren der Öfen.
  3. Dezember 2009 Der Abschnitt der Autobahn 14 zwischen Wismar und Schwerin wird für den Verkehr frei gegeben.
  4. Dezember 1565 Hinrich Schabbel wird Ratsherr.
  5. Dezember 1883 Einweihung der Eisenbahnlinie Wismar-Rostock.
    22. Dezember 1945 Der erste Weihnachtsmarkt nach dem 2. Weltkrieg findet statt. Es gibt Gemüse und Fisch, Milch, Brot, und Fleisch zu kaufen, außerdem Spielzeug und kleinere Gebrauchsgegenstände.
  6. Dezember 2004 Weihe der Neuapostolischen Kirche Wismar im Vogelsang 2. Die Gemeinde ist seit 1903 in Wismar beheimatet. Die neue Gemeindekirche hat insgesamt 166 Plätzen im Sakralraum, sowie 52 weiteren Plätzen in den Nebenräumen.
  7. Dezember 1796 Auflösung des Verlöbnisses von König Gustav IV. Adolf von Schweden und Prinzessin Luise Charlotte von Mecklenburg und Verhandlung über eine angemessene Entschädigung. Endet im Wismarer Pachtvertrag.

Detlef Schmidt

 

 

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