Kalenderblatt zum 19. Juli

Großer Brand im Tribunal zerstörte Bibliothek
Wismarer Fürstenhof im Wechselbad der Geschichte

In der Nacht zum 19. Juli 1781 brannte das schwedische Tribunal im Fürstenhof. Da die Wachposten vor dem Gebäude und auch die Torwachen keinen Feueralarm gaben, breitete sich das Feuer sehr schnell aus. Es griff auf den Dachstuhl über und zerstörte das Treppen-haus. Die Dienstwohnung des Tribunalpräsidenten wurde ebenfalls ein Opfer der Flammen und leider verlor man bei diesem Unglück auch die wertvolle Dienstbibliothek des Gerichtes. Über die Ursache des Brandes gibt es nur Spekulationen und die „Feuerrüpel“, die Wismarer Schornsteinfeger, wiesen alle Schuld von sich und verwahrten sich, „nicht alle Risse im Schornstein“ erkannt zu haben oder ihrer Fegepflicht nicht nachgekommen zu sein. Schon vor dem Brand gab es Probleme mit einer dringend notwendigen Sicherung und Reparatur an dem bedeutendem Renaissancegebäude. Nun berichtete das Tribunal in einem Brief vom 23. Juli 1781 nach Stockholm, dass „aller vom Magistrat, den Gewerken und der ganzen Bürgerschaft rümlichst geleisteten Hilfe unerachtet sei nicht nur ein ganzes Hintergebäude, sondern auch ein beträchtlicher Theil des Tribunalshauses selbst in Asche gelegt worden“. Der Wismarer Rat ließ sofort eine Notreparatur durchführen, indem das Dach instandgesetzt wurde und das Haus wieder begehbar war. Die endgültigen Renovierungskosten sollten jedoch gefälligst die Schweden bezahlen und hierüber entbrannte ein jahrelanger Streit zwischen der schwedischen Krone und den Landständen, was auch nicht gerade gut für das halbfertige Haus war. Seit 1782 war Thure Leonard Klinckowström Präsident des Tribunals und von den ersten 5.000 Reichstaler wurde nur das Hintergebäude mit Sitzungszimmer und Küchen wieder hergerich-tet. Darüber beschwerte man sich, denn man war der berechtigten Meinung, dass der Präsi-dent es lieber für die Herrichtung des wichtigen Haupthauses hätte verwenden sollen. Letzt-endlich bewilligte 1784 der schwedische König Gustav III. 4.000 Taler für Bauholz und die pommerschen Landstände gaben 5.000 Taler dazu. Der Wismarer Rat war mit 500 Talern da-bei. Doch erst 1795 war man mit der Reparatur fertig – nach 15 Jahren. Zwischenzeitlich dach-te man an einen Umzug des Gerichtes nach Vorpommern, aber die Wismarer wehrten sich, denn der Gerichtsstandort war gut für die regionale Wirtschaft und brachte Geld in die immer „klamme“ Stadt. Doch letztendlich, als feststand, dass Wismar wieder zu Mecklenburg kommt, zog das Tribunal bis zum 6. Dezember 1802 nach Stralsund und war ab 1803 endgül-tig in Greifswald. Damit gingen auch alle Aktenbestände noch Vorpommern, bis auf die, die Wismar betreffenden. Diese sind bis heute erhalten und bilden im Wismarer Stadtarchiv einen unschätzbaren und nahezu einzigartigen Fundus zu Wismars Schwedenzeit.
Der Wismarer Fürstenhof ist aber auch ein anschaulicher Exkurs in die Wismarer Geschichte und der Beziehung zwischen Bürger und Landesfürsten. Nachdem Herzog Johann I. 1257 die „Mekelenburg“ verließ und sich am Rande der neuen Stadt niederließ, begannen die mehr oder weniger großen Zwistigkeiten. Heinrich I. ging 1271 auf Pilgerfahrt in das „Heilige Land“, die er aber 25 Jahre in Gefangenschaft in Kairo absaß und bei seiner Rückkehr fand er sich durch eine Stadtmauer ausgegrenzt. Er forderte natürlich einen Sitz in Wismar, den er zunächst am unteren Ende der Mecklenburger Straße bekam, doch Wismar durch die Weg-nahme wichtiger Privilegien, wie die Gerichtsbarkeit und auch das Münzrecht, und Andro-hung militärischer Gewalt bedroht, räumte dem Landesherren 1329 einen Platz zwischen St. Georgen und St. Marien ein, Jedoch mit einer Maßgabe, dass der Fürst seinen Hof mit einer Mauer umgeben darf, die nur so hoch ist, dass die Bürger mit der „Nasenspitze“ darüber das Treiben des Herzogs beobachten konnten. Das war wohl letztendlich dem Herrscherhaus zu viel und Herzog Albrecht I. verlegte 1358 seinen endgültigen Sitz in die Schweriner Burg, dem nachmaligen Schloss. Wismar wurde Nebenresidenz, was den stolzen Hanseaten wohl auch nur recht war. 1512 wird der westliche Flügel als zweistöckiges Haus mit einem goti-schen Kreuzrippengewölbe, das später als Marstall genutzt wird, erbaut. Hier feierte schon Herzog Heinrich V. 1513 seine Hochzeit und anlässlich der Hochzeit von Herzog Johann Alb-recht I. mit Anna Sophia von Preußen wurde 1554 das „Neue Lange Haus“, der uns als „Fürs-tenhof“ bekanntere Teil, als „Tanzhaus“ mit einer noch heute rekordverdächtigen Bauzeit von einem Jahr fertiggestellt. Vom „alten Hof“ führte bis 1743 ein über der Straße führender überdachter Gang in die St.-Georgen-Kirche, dessen Maueransätze man noch heute in St. Georgen erkennen kann. Nach dem „Westfälischen Frieden“ von 1648, erhielt das Königreich Schweden die Hansestadt Wismar mit Poel und Neukloster und die Schweden richteten 1653 im Fürstenhof das Oberappellationsgericht für die schwedischen Besitzungen in „deutschen Landen“, das Tribunal, ein. Mit dem Einmarsch der Napoleonischen Truppen am 28. Novem-ber 1806 begann auch in Wismar die nicht gerade erfreuliche „Franzosentied“ und 1810 nut-zen die Franzosen den alten Fürstensitz als Militärlazarett. Nach Abzug der französischen Truppen bezog ab 1813 das in Wismar stationierte mecklenburgische Militär im Fürstenhof Quartier. Eine in die ursprüngliche Bausubstanz eingreifende Restaurierung durch den Rostocker Landesbaumeister Carl Lucknow war 1878 abgeschlossen und das Wismarer Amtsgericht bezog die Räume des Fürstenhofes. Nach 1945 wurden auf dem Gebiet der DDR die Amtsgerichte in Kreisgerichte umgewandelt, der Sitz blieb jedoch im Fürstenhof. Die innen und außen umlaufenden Friese an der Fürstenhoffassade, die außen den Trojani-schen Krieg zeigen und innen die biblische Legende vom verlorenen Sohn, werden seit 1975 etappenweise restauriert. Das Schweriner Ministerium der Justiz, Eigentümer des Wismarer Fürstenhofes mit Amtsgericht und Arrestanstalt, hat zwischen 1997 und 2003 eine umfangrei-che Restaurierung durchführen lassen, mit der versucht wurde, eine höchstmögliche Authenti-zität zu erreichen.

Was sonst noch geschah:
20. Juli 1629 Erstmalige Bezeichnung der Wismar vorgelagerten Insel als Walfisch in einem Wismarer Ratsprotokoll.
21. Juli 1905 Kapitän Kommerzienrat Heinrich Podeus gestorben.
22. Juli 1849 Erstfahrt des Schaufelrad-Dampfschiffes „Friedrich Franz II“.
23. Juli 1539 Blitzeinschlag in die Marienkirche, Turm und Dach brennen, Zerstörung der Stundenuhr im Chorumgang.
23. Juli 1945 Die Sauberkeit der Stadt lässt zu wünschen übrig. Anordnung, dass regelmäßig gefegt werden soll.
26. Juli 1925 Logiker Prof. Dr. Gottlob Frege gestorben.
26. Juli 1945 Anordnung zur Registrierung aller verbliebenen Kraftfahrzeuge.
27. Juli 1945 Einrichtung eines Hilfskrankenhauses mit 200 Betten in der Großen Stadtschule.

Detlef Schmidt

 

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