Kalenderblatt zum 19. März

 Aufruhr unter Claus Jesup geht zu Ende

Am 19. März 1430 wurde der Wismarer Rat mit Bürgermeister Claus Jesup abgesetzt und die alte vorher gültige Ordnung wiederhergestellt.
Vorangegangen waren die 1409 begonnenen Unruhen in Norddeutschland und in Wismar unter der maßgeblichen Führung des Wollwebers und Ältermann seiner Zunft, Claus Jesup. Diese Begebenheit war so ein Einschnitt in das politische und gesellschaftliche Leben der Stadt, dass sie seitdem nahezu als abschreckendes Beispiel in den Chroniken Wismars bis heute Erwähnung findet. Mitunter wird er sogar als „Teufelsbestie“ bezeichnet. In den Schriften von Ratsarchivar Friedrich Techen, ein äußerst konservativer Forscher, über die Geschehnisse zu Beginn des 15. Jahrhunderts, wird dies als „Abkehr von der Gott gewollten Obrigkeit“ umschrieben.
Man weiß über Claus Jesups Lebensdaten wenig, nur dass er wohl zwischen 1448 und 1453 verstorben ist. Als Ältermann oder Obermeister, wie man ihn heute bezeichnen würde, der Wismarer Wollenweberzunft, besaß er großen Einfluss. Die Wollweber waren selbst geachtete Handwerker und so ist es nicht verwunderlich, dass sie eben mehr Einfluss im Wismarer Rat forderten. Im Wismarer Rat hatten die Kaufleute, Brauer und Schiffer das Sagen und kein Handwerker hatte Zutritt. Schon 1403 war es in Lübeck zu Unruhen gekommen und diese hatten auch Einfluss auf Wismar. Zu Himmelfahrt 1410 wurde der alte Rat verdrängt und Claus Jesup vertrat im gleichen Jahr Wismar in Lübeck. 1411 wurde er zum ersten Mal Bürgermeister der Hansestadt und hatte das Amt bis 1413. Der neue Rat amtierte jedoch noch bis 1416, ehe wieder die vormaligen Verhältnisse eingesetzt wurden. Die Unzufriedenheit unter Wismars Bürgern und Handwerkern blieb jedoch und als im August 1427 die Niederlage der Wismarer im Sund gegen die Dänen bekannt wurde und gleichzeitig der Verlust von Salzschiffen, begann der Zorn der Wismarer Bürger nahezu über zu kochen. Claus Jesup erkannte die brenzlige Lage und wurde erneut zum Anführer der unzufriedenen Masse. Vor lauter Furcht, dass ihm etwas passieren könnte, einigte sich Bürgermeister Johann Banzkow mit Claus Jesup, indem er ihm die Torschlüssel der Stadt anvertraute. Es wurde ein Bürgerausschuss mit 24 Bürgern und zwölf Zunftmeister gewählt, später durch einen sechziger Ausschuss ersetzt, der den alten Wismarer Rat mit Forderungen bedrohte. Sie forderten andere unliebsame Beschlüsse der Hansetage rückgängig zu machen, die Herabsetzung der Biersteuer und neue Brauregelungen, größere Freiheiten beim Erwerb von Hopfen und die Bäcker beschwerten sich, dass Bürgermeister Banzkow ihnen Preise auf diktierte. Der Ausschuss untersuchte auch die Schuldfrage bei der Kriegsführung mit den Dänen und forderte die Hinrichtung des Ratsmannes Hinrik von Haaren, der die Wismarer befehligte. Er wurde am 31. Oktober 1427 auf dem Markt hingerichtet. Ehe man sich über Verfehlungen des Bürgermeisters Johann Banzkow auseinandersetzte, wollte dieser sich durch Flucht einer Bestrafung entziehen. Dies wurde aber als Schuldeingeständnis angesehen und er wurde ebenfalls am 18. November 1427 auf dem Markt hingerichtet. Am 11. Januar 1428 wurde der Wollweber Claus Jesup erneut zum Bürgermeister gewählt. Der neue Rat wandte sich an die Herzogin Katharina in Schwerin und versprach ihr die Treue, was für die Stadt eine Legitimation ihrer Verwaltung bedeutete. Die Söhne von Johann Banzkow wandten sich jedoch an den römischen Kaiser Sigismund, der am 4. Oktober 1428 über Wismar den Bann aussprach. Dies verbunden mit massiven Drohungen gegen Stadt und Bürger, falls sie nicht willig sind und sich fügten. Unter der Mitwirkung der Hansestädte Hamburg, Stralsund und Lüneburg bewegten sie die Wismarer zur Aufgabe. Der Rat musste öffentlich seine Schuld eingestehen, die Ausschüsse auflösen und gegenüber den Familien der Hingerichteten Abbitte leisten. Die Stadt musste Pilgerfahrten nach Rom und auch nach Santiago de Compostella unternehmen. Den Bürgern wurde ein erneuter Treueeid gegenüber dem Landesherren und dem Rat abgenommen. Ausgeschlossen wurde aber, dass Rache genommen wurde und so blieb Claus Jesup bis an sein Ende unbehelligt in der Stadt, obwohl er sich sicherlich viele Feinde gemacht hat. Zur weiteren Sühne wurde in der Nähe von St. Marien 1433 eine Sühnekapelle errichtet, die 1850 wegen Baufälligkeit entfernt wurde. Auf dem Markt sollte ein Sühnestein aufgebaut werden. Heute erinnert auf der Westseite eine Tafel an das Ereignis.
Claus Jesup hatte an der Faulen Grube sein Haus. Hier wohnten und arbeiteten viele Wollweber. Die Faule Grube sollte im 19. Jahrhundert zur Promenade ausgebaut werden, was jedoch nicht richtig gelang. 1875 erhielt sie den Namen „Wilhelmstraße“ und ab dem20. August 1954 heißt sie „Claus-Jesup-Straße“. Die Wollenweberstraße erhielt ihren Namen 1935.

Was sonst noch geschah
19. März 1801 Der Maler Carl Düberg wird in Wismar geboren. Er malte das Portrait von Bürgermeister Anton Haupt, das im sich im Bürgerschaftssaal des Rathauses befindet.
24. März 1913 Kauf der 1910 abgebrannten Hammerschen Cichorienfabrik in der Altwismarstraße 8 durch Gustav und Reinhard Braun. Als Lichtfilmtheater „Weltspiegel“ 1914 durch die Brüder Gustav und Reinhard Braun eröffnet. Kino bis 1995.
25. März 1909 Abbruch des letzten Restes der Stadtmauer.
25. März 1991 Die Treuhandgesellschaft verfügt, dass die Seehafen GmbH zu 74,9 % der Hansestadt Wismar und zu 25,1% dem Land Mecklenburg-Vorpommern gehört.
26. März 1992 Eröffnung des MEZ (Mecklenburgischen Einkaufszentrum) in Gägelow. 27. März 1949 Eröffnung des Theaters an der Parkstraße.
27. März 1844 Der Dichter der deutschen Nationalhymne, Hoffmann von Fallersleben, ist Gast im Wismarer Hotel Stadt Hamburg. Ihm zu Ehren wird ein Essen gegeben.

Detlef Schmidt

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