Kalenderblatt zum 19. Mai

Gewürze, Drogen und Wein aus der Apotheke

Am 19. Mai 1819 verkaufte der Wismarer Rat die ihm gehörende „Rats-Apotheke“ für 8.000 Taler an einen Apotheker aus Eimbeck. Der Rat benötigte das Geld für den gerade abgeschlossenen Bau des Rathauses, das schon damals wie so oft bei öffentlichen Bauten, teurer wurde. Dafür hatten schon die Wismarer Bürger reichlich gespendet. Sie gehört mit zu den ältesten Einrichtungen in Mecklenburg.

Von einem ersten Apotheker wird um 1280 in Wismar berichtet, der in der Krämerstraße ein Haus besaß. In Rostock gab es eine 1260 und in Hamburg 1265. Diese Apotheken wurden von Kaufleuten betrieben, die Gewürze, Drogen und fremde Kräuter einführten, diese verarbeiteten oder auch unverarbeitet verkauften. Auch Wein und Branntwein gehörte zum Sortiment. Aus diesem Handel entstanden Apotheken. Die Mönche der verschiedensten Orden versorgten die Bürger medizinisch und stellten auch allerhand Kräuter selbst her. In Wismar schloss nach der Reformation in der Mitte des 16. Jahrhundert das Graue und Schwarze Kloster und der Rat stand vor der Aufgabe, die Gesundheit seiner Bürger zu erhalten. Die medizinische Versorgung übernahmen weiter Ärzte und auch Apotheken, deren Eigentümer nicht immer ausgebildete Apotheker waren. Nicolaus Eggebrecht, Stadtsekretär und Notar in Wismar, war Eigentümer der späteren Ratsapotheke in Wismar und bekam als erster „Apotheker“ den Titel „Ratsapotheker“. Ob er da nachgeholfen hat, ist nicht überliefert. Wie notwendig dies war, zeigt der Tod der Familie des Superintendenten Freder. Diese hatten beim Ratsapotheker und Notar Eggebrecht Gewürzwein gekauft und daran sollten nun sechs Personen verstorben sein. Eggebrecht wurde des Giftmordes beschuldigt und das Kaisergericht in Speyer verurteilt ihn, dass er „gefänglich eingezogen und in eine böse schwere Gefängnis, im Thurm zu Wismar, bey dem alten Wismar Thor gelegen, gelegt und mit eisernen Ketten an beyden Beinen angeschlossen und an einer grossen und starken Ketten, so an der Mauer festgemachet und nun in die 15 Monate lang, erzehlter  gestalterbermlichen und schwerlichen, mit eisernen Ketten Tag und Nacht angefesselt und gefenglich gehalten“.  Beweisen konnte man Nicolaus Eggebrecht nichts und die Familie erwirkte seine Freilassung, mit der Auflage, dass Nicolaus Eggebrecht vier Jahre Hausarrest verbüßen musste. 1576 starb Nicolaus Eggebrecht und 1580 verkaufte seine Witwe die Apotheke an die Stadt Wismar. Der erste Pächter der Ratsapotheke war Johann von Schönfeldt aus Itzehoe, der 1582 die Apotheke in einer denkbar schlechten Zeit übernahm. Es grassierte gerade die Pest in Wismar. Es sind in dieser Zeit 2.000 Menschen in Wismar verstorben, darunter auch Schönfeldts Frau und drei seiner Kinder. 1594 verstarb Schönfeldt und seinem Nachfolger Christoph Edeling aus Kolberg wird kein gutes Wirtschaften in der Ratsapotheke bestätigt. Doch Edeling beschuldigt nun wiederum den Wismarer Johann Nenne der zwar „Apothekenkunst erlernet“ aber mit Gewürzen handelt, als „Nebenapotheke“ und das ohne Konzession! Nenne wiederum war äußerst beliebt in Wismar und erwirkte eine Überprüfung der Ratsapotheke, da „auff ihrer Apotheken viel und hoch schedtliche Mängel gespüret und vorhanden seien.“ Nun schritt der Rat ein und der erste angestellte Stadtphysikus, der in Antwerpen geborene Dr. Peter Budanus, führte mit Dr. Assverus, eine gründliche Revision ab dem 22. Mai 1599 durch. Auf 32 Seiten sind alle vorhandenen Medikamente aufgeführt und was man fand, war nicht gerade rühmlich für den Ratsapotheker Ederlich. Viele Mittel waren abgelaufen oder „die Kraft ist weg, darumb man hat es abgethan.“ Die Apothekenräume sind dann am 11. Juni 1599 in Begleitung der Bürgermeister und des Rates „visitiert“ worden. Dem Stadtphysikus wurde „bevohlen und auferleget, die mängel und gebrechen, so auf ihren Apotheken befunden, nicht allein in fleissige Achtung zu nehmen, sondern auch dieselbe auch auffs Papier zu bringen“. Daraus entstand Wismars erste Apothekenordnung von 1599 die vom Rat bestätigt wurde. Eine zweite Ordnung erfolgte 1606, die einige wenige angepasste Abänderungen hatte. Sie sah unter anderem vor, dass die Arzneimittel alphabetisch und nach Gruppen gelagert werden, es ein amtliches Arzneibuch gibt, schlechte Arzneimittel sind auszusondern. Die Apothekenräume hatten sauber zu sein und verboten war es ausdrücklich Arzneimittel wieder zurück zu nehmen. Maßnahmen, die noch heute ihre Gültigkeit haben. Seit 1659 erwuchs der Ratsapotheke Konkurrenz auf dem Hopfenmarkt mit der „unteren Apotheke“, wie die heutige „Löwen-Apotheke“ genannt wurde. Der Name wird erstmalig am 4. Juni 1851 in der „Wismarschen Zeitung“ erwähnt.

Sie ist von Mathias Scheffel eröffnet worden. Im Gegensatz zur Ratsapotheke, wurde sie immer die „kleinere“ oder „untere Apotheke“ genannt, was für manch einen schon geringschätzig war. aber besonders, wenn der Ratsapotheker den Eigentümer der Apotheke am Hopfenmarkt „Nebenapotheker“ nannte.

1741 geben der Rat und die Bürgerschaft eine allgemeingültige Arzneipreismittelliste heraus, die dem Bürger Verlässlichkeit bietet. Bis 1844 gab es in Wismar zwei Apotheken. Am 1. Januar 1845 öffnete der Apotheker Carl Friedrich Framm mit der „neuen“ Apotheke, die spätere Hirsch-Apotheke, am Markt, die dritte Wismarer Apotheke. Der Wismarer Rat hatte sie nur deshalb genehmigt, weil die Einwohnerzahl über 12.000 Bürger gestiegen ist und so gewährleitet werden konnte, dass auch der Apotheker nicht „brotlos“ wird. Das ist heute etwas anders. In Deutschland versorgt statistisch gesehen, eine Apotheke durchschnittlich 3.800 Menschen. In Wismar gibt es bei gegenwärtig 42.000 Bürger, 15 Apotheken und das entsprechen 2.800 Bürger auf eine Apotheke – aber das ist bloße Statistik.

Was sonst noch geschah
19. Mai 1946 Mit dem sowjetischen Frachtschiff „Soumen Neito“ wurde das erste Schiff im Wisma-rer Hafen nach dem Krieg abgefertigt.
20. Mai 1983 Übergabe des fertiggestellten Torraumes im Wassertor an den „Club maritim“ durch Detlef Schmidt (ehrenamtlicher Bauleiter).
21. Mai 1209 König Otto unterschreibt eine Urkunde mit den Grenzen des Bistums Schwerin, die „den lieben Bürgern zu Schwerin eine beliebige Anzahl von kleineren Schiffen und zwei größeren Schiffen im Hafen von Wismar zu halten“ gestattet. Diese Urkunde geht aber auf eine Fälschung zurück, die durch eine falsche Abschrift einer Urkunde von 1167 entstanden ist. Diese Urkunde bestätigt am 4. Januar 1211 Kaiser Otto IV. im süditalienischen Capua. Der Wismarer Hafen wird somit zum ersten Mal 1209 genannt.
21. Mai 1750 Der schwedische König verpachtet der Wismarer Schützengilde die Schützenkoppel (Ravelin Prinz Karl und Bastion Güldenstern) vor dem Mecklenburger Tor für eine Jahrespacht von 30 Talern.
21. Mai 1906 Wilhelm Voigt (der „Hauptmann von Köpenick“) verlässt Wismar.
21. Mai 1946 Der Wismarer Pfingstmarkt, seit 1397 abgehalten, findet wieder auf dem Wismarer Marktplatz statt.
21. Mai 1990 Der Wismarer „Runde Tisch“ beendet mit der 28. Sitzung seine Tätigkeit und löst sich auf.
21. Mai 2015 Am Sana Hanse-Klinikum findet der erste Spatenstich zum Neubau der Notaufnahme mit einem Kostenvolumen von 17 Millionen Euro statt.
22. Mai 1945 Der englische Stadtkommandant Major Charles setzt Alfred Pleuger als Bürgermeister ab und Baron v. Biel aus Zierow als Oberbürgermeister ein. 2. Bürgermeister Dr. Meyer beim Land-rat beschäftigt, Kämmerer Dr. Maus als 1. Bürgermeister nach Schwerin berufen. Dr. Plog wird 1. Bürgermeister, Rechtsanwalt Raspe Kämmerer.
22. Mai 1966 Auf dem Hanseatenring wurde während der 19. Internationale Friedensfahrt (9. bis zum 25. Mai 1966) mit Start und Ziel ein Rundrennen über 93 Kilometer mit einer Durchschnittsge-schwindigkeit von 43 Km/Std. ausgetragen. Sieger war Antonio Albonetti (Italien).
22. Mai 2000 Die Bundesautobahn A 20 Lübeck-Stettin ist offiziell an der Anschlussstelle Schönberg übergeben worden. Am 7. Dezember 2005 eröffnete Bundeskanzlerin Angela Merkel nach 14 Jah-ren Planungen und Bau die letzten Teilstücke bei Tribsees und Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. Die Baukosten betrugen insgesamt 1,9 Milliarden €.
23. Mai 1807 Einsturz des Wismarer Rathauses.
23. Mai 1869 Abriss des Mecklenburger Tores.
23. Mai 1903 Aufstellungen zwei originalgetreuer gusseiserner Schwedenkopfkopien von der Ei-sengießerei Crull in Wismar an gleicher Stelle der am 30. Oktober 1902 durch den finnischen Segler „Alfa“ teilweise zerstörten Schwedenköpfe in der Hafeneinfahrt. Ein hölzerner Schwedenkopf ist geborgen worden und befindet sich im Wismarer Museum.
23. Mai 1908 Eröffnung des Karstadt Warenhaus (Bauzeit inkl. Abbruch Vorgängerbau vom 5. April 1907 – Mai 1908).
24. Mai 1876 Benennung der Ulmenstraße.
25.Mai 1945 Erleichterungen im Reiseverkehr ohne Passierschein 100 km um Wismar in Landkreise Wismar (ohne russischen Sektor), Schönberg, Lauenburg, Segeberg, Eutin, Oldenburg, Plön sowie die Städte Lübeck und Kiel
Gebrauch von Fahrrädern ist gestattet.
25. Mai 1957 Stapellauf des ersten Seefahrgastschiffes auf der Wismarer Werft.

Detlef Schmidt

 

 

 

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