Kalenderblatt zum 19. Oktober

Arzt und Historiker Friedrich Crull

Am 19. Oktober 1822 wurde in der Mecklenburger Straße 16, Friedrich Ludwig Crull als Sohn des Stadtphysikus, Medizinalrat Rat Dr. Franz Crull geboren. Die Familie Crull war eine in Wismar hochgeachtete Mediziner- und Akademiefamilie. Der Cousin von Dr. Franz Crull war französischer Konsularagent in der Altwismarstraße und dessen Sohn, Friedrich Crull, gründete die Eisengießerei F. Crull & Co., die später von Heinrich Podeus übernommen wurden. Für Friedrich Crull war es als Sohn des Stadtphysikus, man würde heute dazu Amtsarzt sagen, selbstverständlich, dass er nach Abschluss der Großen Stadtschule Medizin studierte. Nach Besuch und Studium auf den Universitäten Jena, Göttingen und Berlin, beendete er sein Medizinstudium an der Rostocker Universität. Hier promovierte er mit der Dissertation zu „Kollektaneen zur Therapie der Eierstockwassersucht“. Er kehrte zurück nach Wismar und eröffnete 1848 im Alter von 26 Jahren eine allgemeinmedizinische Praxis in der Mecklenburger Straße 16, seinem Geburtshaus. Dr. Friedrich Crull war, wie sein Vater, ein geachteter Arzt in Wismar, der jedoch sich schon von Jugend an für die geschichtlichen Hintergründe seiner Heimatstadt Wismar interessierte. Er wurde wie sein Vater, Mitglied der Wismarer Freimaurerloge „Zur Vaterlandsliebe“, der er zeitweilig sogar als Logenmeister vorstand und blieb dies bis zu seinem Tod. Nach seinem 60. Geburtstag, gab er zum 1. Januar 1883 seine Praxis auf, um sich ganz der von jeher von ihm bevorzugte wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiet der mittelalterlichen Kunst der mecklenburgischen, besonders auch der Wismarschen Geschichte und Altertumskunde zu widmen.

Dr. Friedrich Crull machte sich durch seinen Fleiß bei der wissenschaftlichen Erforschung der Hansestadt Wismar einen Namen, über den man nicht hinwegsehen kann und seine Veröffentlichungen sind begeht und auch Standardliteratur in der Wismarer und Mecklenburger Geschichtsforschung. Waren schon in seiner Studienzeit zwischen 1841 und 1848 einige Aufsätze über die Restaurierung der Wismarer St. Marienkirche, dem Doberaner Münster und auch über den Neubau des Kröpeliner Tores in Rostock erschienen, so wurde er ab 1850 regelmäßiger Autor in den Mecklenburgischen Jahrbüchern. Mittelalterliche Baukunst, Wappenkunde, Genealogie und Wismarsche Ortsgeschichte waren die Gebiete, denen er sich besonders zuwandte. Viele Schriften sind Standardwerke der Forschung geworden wie die Schrift über das Amt der Wismarer Wismarer Goldschmiede, die Inventarisierung aller Wismarer Grabsteine in den Kirchen, „Die Rathslinie der Stadt Wismar“ von 1875 und die „Chronik von St. Nikolai zu Wismar“ von 1882, um nur ganz wenige Beispiele zu nennen. Er verfasste zahlreiche Baubeschreibungen mecklenburgischer Kirchen und war somit ein wichtiger Wegbereiter für die „Kunst- und Geschichtsdenkmäler des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin“ von Friedrich Schlie. Insgesamt erschienen von Crull 36 Arbeiten zur Geschichte Mecklenburg und ebenfalls 36 Arbeiten zur Geschichte Wismars. Man zählt Crull heute neben Magister Dietrich Schröder, Magister Ferdinand Crain,Techen und Willgeroth zu den bedeutendsten Altmeistern zur Wismarer Geschichte.

Ab 1883 verwaltete er ehrenamtlich das Wismarer Ratsarchiv und schaffte dort eine erste Ordnung. Der damalige junge Friedrich Techen fand in Friedrich Crull einen nahezu väterlichen Förderer und Techen blickt noch im Alter voller Anerkennung auf Crull zurück. Beide forschten gemeinsam in der Wismarer Geschichte und bereiteten den Boden für die heutigen Erkenntnisse in Geschichte Wismars. 1902, nunmehr 80jährig, übergibt er das Ratsarchiv an Dr, Friedrich Techen, der ab 1905 hauptamtlich angestellt wurde.

Für seine Verdienste um die wissenschaftliche Aufbereitung der Geschichte Mecklenburgs und Wismar wurde Dr. Crull 1891 mit der Ehrendoktorwürde der Universität Rostock ausgezeichnet. Er war zudem Ehrensenior des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Er erhielt die Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaften von Mecklenburg-Schwerin und den pommerschen Greifenorden. Heute zählt er neben

Dr. Friedrich Crull verstarb am 4. Juni 1911 im Alter von 89 Jahren und hochgeehrt in seiner Heimatstadt Wismar, die diesem Mann so unendlich viel zu verdanken hat und doch hat er keine nachhaltige Ehrung erhalten.

Was sonst noch geschah

  1. Oktober 1999 Grundsteinlegung für das neue Freizeitbad „Wonnemar“.
  2. Oktober 1993 Im Beisein von Bürgermeisterin R. Wilcken, Baubeteiligten und Prominenten wird die vergoldete Abschlusskugel mit Zeitdokumenten gefüllt und mit dem Wetterhahn auf die Turmspitze von St. Georgen gesetzt. Der Hahn wird aus 56 Metern Höhe gestohlen und findet sich einige Tage später im Vorgarten der Bürgermeisterin wieder. Diese Geschehnisse wurden nie aufgeklärt.
  3. Oktober 1989 Außerordentliche Sitzung der Kreisleitung der SED. Hans-Jürgen Große-Schütte referiert für einen Kampf gegen das Neue Forum.
  4. Oktober 1989 Treff von Sympathisanten des Neue Forum in Voßkuhl im Wohnhaus von Fritz Kalf.
  5. Oktober 1648 Wismar wird im „Westfälischen Frieden“ Schweden zugesprochen.

Detlef Schmidt

 

 

 

 

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