Kalenderblatt zum 2. August

 Wismarer Stadtverwaltung 1945 im Umbruch

Am 2. August 1945 wurde auf Befehl der sowjetischen Militär Administration und dem Wis-marer Militärkommandanten, Major Bisunow, Oberbürgermeister Prof. Heinz Janert von sei-nen Pflichten entbunden. Er ist am 22. Juni 1945 in das Amt eingesetzt worden, nachdem seine Vorgänger Alfred Pleuger, NSDAP, bis 16. Mai 1945 und der Zierower Baron von Biel, 22. Juni 1945, es vorgezogen haben mit den Engländern in deren Besatzungszone zu ziehen. Der Roten Armee traute man nicht. Pleuger war ein überzeugter Nazi, während von Biel der NS-Ideologie distanziert gegenüberstand.
Der neue Oberbürgermeister Prof. Heinz Janert, schien unbelastet zu sein, zumal er die letzten zwei Jahre im Bützower Zuchthaus einsaß. Der Volksgerichtshof erhob 1944 Anklage gegen ihn wegen Widerstands gegen die Nazis. Im Mai 1945 wurde er von der Roten Armee befreit. Er ging nach Wismar und die Besatzungsmachte setzten ihn am 22. Juni 1945 als Oberbür-germeister Wismars ein. Sicherlich im Glauben, hier einen hervorragenden Antifaschisten vor sich zu haben.
Heinz Janert ist am 18. November 1897 im ostpreußischen Memelland als Sohn eines Amts-richters geboren.1914 machte er sein Abitur und war bis 1918 Frontsoldat im I. Weltkrieg. Danach studierte er an den Universitäten in Göttingen und Königsberg bis 1922 Landwirt-schaft, dass er mit der Promotion zum Dr. phil. der Bodenkunde abschloss. Seine Habilitation erhielt er 1927 an der Universität Leipzig. Von 1927 bis 1934 lehrte er als Privatdozent und danach bis 1938 als Professor für Kulturtechnik an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Abteilung der Philosophischen Fakultät der Universität Leipzig. Ab 1938 war er Professor und danach von 1939 bis 1944 ordentlicher Professor für Kulturtechnik und Bodenkunde an der Universität Königsberg. Er war schon damals ein ausgewiesener Fachmann für die Melio-ration für die Landwirtschaft.
Außer das er Oberbürgermeister von Wismar war, ist von seiner politischen Biografie weniger bekannt, und wenn das die Russen gewusst hätten, wer er eher „an die Wand gestellt“ als Oberbürgermeister zu werden. Prof. Dr. Heinz Janert unterzeichnete 1933 das Das Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat am 11. November 1933 zur Feier der „nationalsozialistischen Re-volution“ des Jahres auf einer Festveranstaltung in der Alberthalle in Leipzig als Gelöbnis deutscher Gelehrter. Die Unterzeichner wollten hiermit ihre Unterstützung für die „Bewe-gung“ kundtun. Er war Mitglied der SA seit 1933, Mitglied im Reichskolonialbund seit 1937 und der NSDAP von 1937 bis 1943, als er aus der Partei wegen seiner Haltung entfernt wur-de.
Mit Sicherheit war Heinz Janert kein Nazi, vielmehr ging er in seiner wissenschaftlichen Arbeit auf. Nach seinem kurzen politischen Amt war er bis 1947 Professor mit Lehrstuhl für Boden-kunde und Kulturtechnik an der Universität Rostock, wo er 1946 auch Dekan war.
1948 übernahm er den Lehrstuhl für Angewandte Bodenkunde und Bodenmelioration an der Universität in Greifswald. 1951 wurde er Mitglied in der Deutschen Akademie der Landwirt-schaftswissenschaften in Berlin. Janert war eine Koryphäe auf seinem Gebiet und erhielt 1961 für seine Arbeit den Vaterländischen Verdienstorden in Bronze.
Seit 1933 gab es die längste aber auch kürzeste Amtszeit eines Wismarer Oberbürgermeisters. Vom 8. März 1933 bis zum 21. Mai 1945 saß Alfred Pleuger für die NSDAP im Wismarer Rathaus. Ihm folgte vom 22. Mai bis zum 21. Juni 1945 Baron Heinrich von Biel aus Zierow. Darauf folgte Prof. Dr. Heinz Janert bis 2. August 1945. Carl Keuscher von der KPD wurde für die nächsten sechs Wochen, bis 20. September 1945, Oberbürgermeister und ihn löste sein Parteigenosse August Wilke bis zum 15. Dezember 1945 ab. Mit dem Sozialdemokraten Her-bert Säverin, gab es vom 15. Dezember 1945 bis 31. Dezember 1950 wieder eine längere Amtszeit, die sich positiv auf Wismar auswirkte.
1945 hatte ein Oberbürgermeister schwierige Aufgaben zu lösen. Die Stadt war voller Flücht-linge, Wismar und der Landkreis hatten etwa 46-tausend Flüchtlinge zu versorgen, Nah-rungsmittel waren knapp, die regionale Wirtschaft lag am Boden und 25 Prozent Wohnungen waren zerstört. Verkehrsmittel fehlten oder waren knapp. Hinzu kam ein harter Winter, wo es an Heizmaterial fehlte. Die Stadtverwaltung wurden mit allen Problemen konfrontiert und es musste der Verwaltungsapparat erst wieder neu aufgebaut werden. Die Wismarer konnten sich keine Resignation leisten und packten kräftig an. Zerstörte Häuser wurden abgerissen und neue errichtet. „Wir schaffen das“, war schon 1945 der Wismarer und wenn diese, ihre Stadt heute sehen würden, wären sie begeistert, was aus ihrer Stadt geworden ist.

Was sonst noch geschah
3. August 1945 Flüchtlingen, die vor dem 01.09.1939 nicht ihren Wohnsitz in Wismar hatten, wird der Zuzug ohne Einweisungsschein verboten. Freiwerdende Wohnungen sind durch Hausbesitzer oder Wohnungsinhaber dem Wohnungsamt zu melden. 03.08.1949
4.August 1945 Reisezugverkehr auf Strecke Schwerin – Wismar – Rostock wird wieder auf-genommen.
4. August 1960 Wismarer Stadtverordnetenversammlung beschließt zum 6. August 1960 die Sprengung von St. Marien.
5. August 1995 Erstes Wismarer Buchtschwimmen der DLRG Wismar von Hinterwangern auf der Insel Poel nach Hohen Wieschendorf. Initiator der 3,5 Kilometer langen Strecke ist Dr. Joachim Behrens.
6.August 1949 Richtfest am Flöter Weg. Erstes Neubaugebiet nach dem Krieg.
6. August 1960 Erste Sprengung von insgesamt vier an St. Marien (10., 16. und 26. August weitere Sprengungen).

Detlef Schmidt

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